Razzia gegen verbotene Vereinigung "Nordadler" in Niedersachsen

  • Innenminister Seehofer verbietet "Nordadler"
  • Rechtsextremistische Vereinigung vor allem im Internet aktiv
  • In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg gab es Razzien
SEK-Beamte stehen vor einem Haus.
Bild: DPA | Markus Scholz

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextremistische Vereinigung "Nordadler" verboten. "Seit den Morgenstunden laufen in vier Bundesländern polizeiliche Maßnahmen", teilte der Sprecher des Ministeriums, Steve Alter, am Dienstagmorgen auf Twitter mit.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Twitter anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Die Gruppierung agiere vorwiegend im Netz. Die Razzien bei wichtigen Vereinsmitgliedern liefen laut Ministerium in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg. Nach dpa-Informationen gab es Razzien in der Region Hannover und im südniedersächsischen Herzberg am Harz. Zu Festnahmen sei es aber nicht gekommen.

Die Gruppierung verfolgt nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums eine nationalsozialistische Ideologie und firmiert auch unter den Bezeichnungen "Völkische Revolution", "Völkische Jugend", "Völkische Gemeinschaft" und "Völkische Renaissance". Die Rechtsextremisten bekennen sich demnach zu Adolf Hitler und anderen wichtigen Vertretern des Nazi-Regimes und nutzen Symbole und Sprache des Nazi-Regimes. Dazu plane "Nordadler" ein nationalsozialistisches Siedlungsprojekt mit Gleichgesinnten im ländlichen Raum. Die Gruppe wird als ausgeprägt antisemitisch beschrieben.

Verbindungen auch nach Bremen?

Bereits vor gut zwei Jahren gab es im Auftrag der Bundesanwaltschaft Durchsuchungen bei vier mutmaßlichen "Nordadler"-Verantwortlichen in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen. Damals war auch eine Wohnung in Bremen-Blumenthal durchsucht worden. Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, dauern die Ermittlungen gegen die vier weiter an.

Anführer äußerte Sympathien für Anschlag in Halle

Der Anführer habe in einer öffentlichen Gruppe des Messenger-Dienstes Telegram Sympathien geäußert für den Anschlag auf die Synagoge in Halle, so das Ministerium. Beim Attentat von Halle hatte ein 28-jähriger Deutscher im vergangenen Oktober versucht, in ein jüdisches Gotteshaus einzudringen. Als das misslang, tötete er auf der Straße und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen. Er muss sich ab Juli vor Gericht verantworten.

Das Verbot von "Nordadler" ist laut Ministerium das 20. Verbot einer rechtsextremistischen Vereinigung durch einen Bundesinnenminister und das dritte in diesem Jahr. Im Januar wurde der Verein "Combat 18" verboten und im März die Reichsbürger-Vereinigung "Geeinte deutsche Völker und Stämme".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Nachrichten, 23. Juni 2020, 8 Uhr