Kommentar

Die wohl längste Entlassung der Welt: Ein unwürdiges Schauspiel

Geno-Chefin Jutta Derneddde muss ihren Posten räumen, um Platz für einen Neuanfang zu machen. Diese Entscheidung hätte schon viel früher fallen müssen, findet unsere Kommentatorin.

Zu sehen ist die ex Geno-Geschäftsführerin Jutta Dernedde bei der Sondersitzung des Geno-Aufsichtsrates.
Der Senat hat bei der Freistellung von Jutta Dernedde kein gutes Bild abgebeben, findet Ramona Schlee.

Es war die wahrscheinlich längste Entlassung der Welt. Bitte glauben Sie mir: Ich mache mich nicht lustig – auch wenn es so klingt. Seit Wochen wissen alle: Die Zeit der Jutta Dernedde an der Spitze der Gesundheit Nord ist vorbei. Allein, entlassen hat man sie lange Zeit nicht. Man kann sich nur wundern, wie deutlich Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard in ihren Andeutungen war. Sie stellte öffentlich die Frage, ob da noch die Richtige an der Spitze der kommunalen Krankenhäuser sitzt. Sie schimpfte und stellte die Geno-Chefin bloß. Aber: Sie hat Jutta Dernedde nicht entlassen. Obwohl sie es als Aufsichtsratsvorsitzende im Alleingang jederzeit hätte tun können. Nun – endlich, möchte man fast ausrufen – aber doch die Entscheidung, Jutta Dernedde von der Geschäftsführung der Gesundheit Nord zu entbinden.

Man hätte sich die Endlosentlassung sparen können

Begründet hat Gesundheitssenatorin Bernhard ihr Zögern damit, sie wolle nicht die Geschäftsführung kappen, ohne eine gute Alternative zu haben. Und da staunt man zum zweiten Mal. Denn die nun gefundene Alternative ist eine Bekannte. Heike Penon, bereits Teil der Geschäftsführung seit Anfang diesen Jahres, zuständig für den Bereich Finanzen. Nach Wochen der Andeutungen beruft Bernhard also eine Frau auf den Chefposten, die die ganze Zeit schon da war. Auch wenn Penon nur als Interimslösung bezeichnet wird, ist das nicht glaubwürdig. Es schwächt außerdem die "Neue" an der Spitze schon zu Beginn. Wenn Heike Penon wirklich eine gute Alternative ist, dann war sie es schon von Anfang an. Seit dem Zeitpunkt, an dem Claudia Bernhard die Führungsfrage öffentlich gestellt hat. Man hätte sich diese Endlosentlassung sparen können. Man hätte Jutta Dernedde nicht über Wochen vor sich her getrieben. Man wäre vielleicht sogar schon ein Schritt weiter auf dem Weg zur dringend notwendigen Sanierung der Gesundheit Nord.

Die Entlassung macht skeptisch

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Geno – also Claudia Bernhard – hat dem Schauspiel kein schnelles Ende gesetzt. Oder sie konnte es nicht zügig beenden. Denn natürlich braucht auch eine Gesundheitssenatorin und Geno-Aufsichtsratsvorsitzende politische Unterstützung für ihre Entscheidungen. Heißt: Sie benötigt die Rückendeckung vom Senat. Die Stadt ist nun mal Eigentümerin der Geno. Offenbar war sich Bernhard der Rückendeckung ihrer Senatskollegen bisher nicht sicher, konnte Dernedde also nicht eher abziehen.

Und nun staunt man zum dritten Mal. Die Gesundheit Nord braucht – will sie als kommunale Krankenhausgesellschaft überleben – Entschlossenheit, Geschlossenheit und klare Botschaften der Politik. Die wahrscheinlich längste Entlassung der Welt ist nicht nur unwürdig verlaufen. Nein, sie ist auch Anzeichen dafür, dass es an Entschlossenheit, Geschlossenheit und klaren politischen Botschaften im Senat gefehlt hat.

Geno-Geschäftsführerin Jutta Dernedde freigestellt

Zu sehen ist die ex Geno-Geschäftsführerin Jutta Dernedde bei der Sondersitzung des Geno-Aufsichtsrates.

Autorin

  • Ramona Schlee

Dieses Thema im Programm: buten und binnen, 15. November 2019, 19:30 Uhr