Bürgerschaft will Gewalt gegen Frauen in Bremen gezielter bekämpfen

Audio vom 2. Juni 2021
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Bild: DPA | Sachelle Babbar
  • Frauenfeindliche Straftaten sollen genauer erfasst werden
  • Alle Fraktionen in Bürgerschaft sind sich einig
  • Gewalt gegen Frauen hat zuletzt zugenommen

Frauenfeindliche Straftaten sollen nach dem Willen aller Fraktionen in der Bremischen Bürgerschaft künftig genauer in der Kriminalstatistik erfasst und gezielter bekämpft werden. Hintergrund ist die zuletzt deutlich gestiegene Zahl von sogenannten Femiziden. Dabei werden Frauen von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet, weil sie Frauen sind.

Seit 2013 sind im Land Bremen laut Statistik 38 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Lebensgefährten getötet worden, allein neun dieser Fälle wurden im vergangenen Jahr gezählt. Immer mehr Männer werden von der Polizei nach Gewalttaten gegen Frauen aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen. Im vergangenen Jahr waren es fast 200.

Morde an Frauen sollen nicht verharmlost werden

Geschlechtsspezifische Gewalt müsse deutlich benannt, und dürfe keinesfalls mit Begriffen wie Beziehungstat oder Ehrenmord verharmlost werden, sagte die Grünen-Abgeordnete Sülmez Dogan.

Mehr Anstrengungen des Bremer Senats verlangt auch die FDP. Die Liberalen fordern einen Ausbau von Beratungsangeboten, auch online, und schlagen etwa vertrauliche schriftliche Abfragen möglicher Gewalterfahrungen vor, beispielsweise im Rahmen des Besuchs von Frauenärzten.

Viele Fälle fallen durchs Raster

Die Sozialdemokratin Antje Grotheer sagte, das Problem habe sich in Zeiten der Corona-Pandemie noch deutlich verschärft, sie sprach von Fällen "unvorstellbarer Verzweiflung" für die Betroffenen.

Die CDU-Abgeordnete Sina Dertwinkel beklagte, nur zehn Prozent aller Fälle von häuslicher Gewalt würden überhaupt statistisch erfasst. Die Linken-Politikerin Maja Tegeler sagte, dass vor allem Frauen mit Migrationshintergrund betroffen seien, das Phänomen der Gewalt gegen Frauen aber dennoch in allen gesellschaftlichen Schichten vorkomme.

Gewalt gegen Frauen in Bremen: "Gibt eine große Zahl im Dunkelfeld"

Video vom 24. Januar 2021
Clara Friedrich, die Leiterin der Gleichstellungsstelle Bremerhaven im Studio von buten un binnen.
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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 2. Juni 2021, 12 Uhr