Fragen & Antworten

City-Gipfel: Wer entscheidet über die Zukunft der Bremer Innenstadt?

Erstmals findet heute der City-Gipfel in Bremen statt. Das Ziel: Ein Masterplan für die Innenstadt. Wir berichten live im Videostream.

Die Sögestraße in der Bremer Innenstadt.
Wie attraktiv ist die Bremer Innenstadt für die Bürgerinnen und Bürger wirklich? Bild: Radio Bremen | Martin von Minden

Leerstand, Pleiten, schwache Kaufkraft: Schon länger steht es schlecht um Bremens Innenstadt. Die Corona-Pandemie hat die Krise in der City sogar noch verstärkt – selbst große Geschäfte machen jetzt dicht: Seit einigen Wochen steht fest, dass Kaufhof und Zara schließen werden. Wie es mit Karstadt Sports weitergeht, ist noch unklar.

Mitschnitt des City-Gipfels: Wie geht es weiter in Bremens Innenstadt?

Video vom 15. Juli 2020
In der oberen Rathaushalle sitzen Vertreter aus Politik und Wirtschaft an einem langen Tischkarree
Bild: Radio Bremen

"Bündnis für die City schmieden"

Der Bremer Senat will der schwierigen Situation etwas entgegensetzen und hat deshalb den sogenannten City-Gipfel ins Leben gerufen. Am heutigen Mittwoch wird er zum ersten Mal stattfinden. Ziel ist es, gemeinsam mit verschiedenen Akteuren ein zukunftsfähiges Konzept für die Innenstadt zu entwickeln. Man wolle ein Bündnis für die City schmieden, so Bürgermeister Bovenschulte.

Wer ist beim City-Gipfel dabei?
Laut Bovenschulte sollen alle politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure an einen Tisch gebracht werden. Die Liste der eingeladenen Personen ist daher lang – an Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie einflussreichen Persönlichkeiten fehlt es nicht: Neben den Fraktionsvorsitzenden der Koalition sind die Vorsitzenden der Bremer CDU und FDP beim Innenstadt-Gipfel vertreten, ebenso der Beirat Mitte. Für die Wirtschaft nehmen Handelskammer, City-Initiative, der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sowie die Wirtschaftsförderung teil. Auch acht Investoren stehen auf der Einladungsliste, darunter Joachim Linnemann, Johann Christian Jacobs, die Gebrüder Schapira sowie Kurt Zech – der hat allerdings bereits abgesagt. Zu den weiteren Teilnehmern des Gipfels gehören die Arbeitnehmerkammer und die Gewerkschaft Verdi sowie Vertreter aus den Bereichen Kultur, Architektur und Stadtplanung.
Was sind die Positionen der Akteure?
Fest steht: Beim City-Gipfel treffen unterschiedliche Interessen aufeinander. Die Akteure setzen eigene Schwerpunkt und Prioritäten. "Wir wollen eine saubere, attraktive Innenstadt, die gut erreichbar und lebendig ist", sagt Stefan Brockmann von der City-Intiative. Für Jonas Friedrich (Grüne) vom Beirat Mitte geht es vor allem darum, bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen sowie mehr Kultur und Gastronomie in die City zu holen. Und: "Auch die autofreie Innenstadt finden wir gut", sagt er. Joachim Linnemann, Investor und Geschäftsführer beim Immobilienunternehmen "Justus Grosse", sieht das kritisch: "Autoarm ist sicherlich richtig, die Innenstadt sollte fußgängerfreundlich sein. Allerdings müssen wir es weiterhin schaffen, dass die Innenstadt mit dem Auto erreichbar ist." Die meisten Umsätze würden Einzelhändler immer noch durch die Menschen erzielen, die mit dem Auto kommen, so Linnemann.
Oliver Platz von der Bremer Architektenkammer bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: "Wir sollten unseren derzeitigen Umgang mit den baulichen Vorgaben hinterfragen. Einfach so ein Parkhaus in ein Wohnhaus umzuwandeln, ist bei den derzeitigen Regelungen zu Abstandsflächen sehr schwierig", sagt Platz. Eventuell brauche es daher eine Sonderzone "Innenstadt", so der Architekt.
Was kommt nach dem Gipfel?
Dass sich an den City-Gipfel noch weitere Treffen anschließen werden, ist sehr wahrscheinlich, heißt es von Seiten der Senatspressestelle. Stefan Brockmann von der City-Initiative hofft darauf, dass die Teilnehmer am Mittwoch eine gemeinsame Absichtserklärung formulieren werden: "Dann können wir anschließend in kleineren Arbeitsgruppen weiterarbeiten und uns danach mit der Umsetzung beschäftigen." Auch im Bremer Senat ist man sich zuversichtlich, was einen gemeinsamen Konsens betrifft: Man gehe davon aus, dass man sich am Mittwoch über erste Maßnahmen zur Stärkung der City verständigen wird, heißt es aus der Pressestelle.
Konkrete Entwürfe und Maßnahmen wünscht sich Oliver Platz von der Architektenkammer. Dabei müsse es auch darum gehen Zielkonflikte zu benennen: "Es reicht nicht, wenn wir uns wieder nur gegenseitig versichern, dass wir das Beste für die Innenstadt wollen". Es sei an der Zeit für einen Masterplan Innenstadt, so der Architekt. Auch für Jonas Friederich vom Beirat Mitte steht fest: "Es muss endlich mal losgehen mit der Umsetzung." Die guten Vorschläge würden schließlich schon auf dem Tisch liegen. Dennoch ist auch er der Meinung, dass noch weitere Treffen dieser Art folgen sollten: "Ein paar wichtige Stimmen fehlen beim City-Gipfel am Mittwoch. Wir hätten gerne noch Jugendliche und noch mehr Vertreter aus Kultur und Gastronomie dabei gehabt", sagt Friedrich. Mehr Gipfel-Teilnehmer hätte man sich durchaus vorstellen können, heißt es von Seiten des Senats. Unter den akutellen Corona-Bedingungen sei dies aber nicht möglich.

Wie geht es weiter in der Bremer Innenstadt?

Video vom 30. Juni 2020
In der Innenstadt von Bremen sind nur wenig Leute unterwegs.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 15. Juli 2020, 19:30