Offener Brief: Bremer Eltern fordern "Fahrplan zur Schulöffnung"

Viele Eltern seien "frustriert", schreibt der Elternbeirat – und fordert einen Plan: Der Bremer Senat soll sagen, ab wann welche Schüler wieder wie unterrichtet werden.

Grundschüler sitzen mit großem Abstand in einem Klassenzimmer.
In kleinen Gruppen und mit großem Abstand: Nur so ist derzeit Präsenzunterricht in Bremens Schulen denkbar. Bild: DPA | Patrick Pleul

"Bitte keine blumigen Ankündigungen mehr...", steht in der Betreffzeile des offenen Briefs, den der ZentralElternBeirat (ZEB) Bremen an den Präsidenten des Senats, Andreas Bovenschulte, adressiert hat. Die Eltern fordern darin einen "klaren Fahrplan zur Schulöffnung". Aus dem Fahrplan soll hervorgehen, wann und in welcher Abfolge welche Kinder wieder am Präsenzunterricht in den Schulen teilnehmen können – und zwar über Pfingsten hinaus.

Der ZEB hat den Brief unter dem Eindruck der Ministerpräsidentenkonferenz vom vorigen Mittwoch verfasst, erklärt sein Vorstandssprecher Michael Skibbe. Denn dabei hätten die Regierungschefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel zwar viel über Öffnungen des öffentlichen Lebens gesprochen, gerade über die Fußball-Bundesliga. Die Bildung jedoch habe kaum eine Rolle gespielt. "Wir aber wollen wissen: Was ist mit den Schulen, was mit den Kitas?", sagt Skibbe. Die Eltern seien verunsichert, erwarteten ein möglichst einheitliches Konzept.

Vorbildlicher Plan aus dem Ökumenischen Gymnasium

Wie solch ein Konzept aussehen könnte, zeigt aus Sicht des Beirats ein Plan des privaten Ökumenischen Gymnasiums in Oberneuland. In einem Brief vom 5. Mai informiert Schulleiterin Anke Junge-Ehmke die Eltern der Gymnasiasten, wie ihre Schule bei der Wiederaufnahme des Unterrichts vorgehen werde.

Für jeden Jahrgang hat die Schulleiterin festgelegt, wann es losgeht. Auch hat sie dazu geschrieben, ob der Unterricht vollumfänglich oder lediglich von der ersten bis zur sechsten Stunde stattfindet. Ferner steht in dem Plan, ob die Schüler in Halbgruppen und parallel in zwei Räumen oder wochenweise in Halbgruppen unterrichtet werden sollen. Schließlich weist Junge-Ehmke vorsorglich darauf hin, dass die Entwicklungen "dynamisch" blieben und sich auch die behördlichen Maßgaben entsprechend ändern könnten.

"Ungeachtet der Frage, ob das konkrete Konzept so auf alle Schulen in Bremen anwendbar wäre, zeigt es gut, wie eine Schulöffnung gestaltet werden kann", sagt Michael Skibbe dazu. Der ZEB erwarte, dass die Bildungsbehörde zügig einheitliche Rahmenbedingungen schaffe, die idealerweise ebenso klar und nachvollziehbar seien wie jene, die das Ökumenische Gymnasium für seine Schüler skizziere.

Neid auf Niedersachsens Stufenplan

Als Vorlage könnte den Bremern hierzu ein Konzept aus der niedersächsischen Staatskanzlei dienen. Es umreißt einen Plan für "den neuen Alltag in Niedersachsen nach dem Shut down" in fünf Stufen. Unter der Überschrift "Bildung" kann der Leser zumindest nachvollziehen, ab welchem Tag im Mai welcher Jahrgang wieder Präsenzunterricht erhalten soll.

Nicht wenige Eltern in Bremen blickten wegen dieses Stufenplans neidisch zum Nachbarland, sagt Skibbe. Er räumt jedoch auch ein, dass das niedersächsische, mit vielen Tabellen angereicherte Papier deutlich mehr Klarheit verspreche, als es tatsächlich schaffe.

Annette Kemp, Sprecherin der Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), wollte sich am Freitag nicht zu dem Brief des ZEB äußern. Sie teilte aber mit, dass ihr Ressort ein Konzept erarbeitet habe – für die Schulen ebenso wie für die Kitas. Das Konzept werde kommenden Dienstag im Senat besprochen und anschließend präsentiert. "Bis dahin müssen sich alle gedulden", so Kemp.

Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 8. Mai 2020, 17:45 Uhr