Infografik

Osterholz: Ein Stadtteil mit 90 Nationen – und gelingender Inklusion

Sprache ist ein Problem in Osterholz, denn viele Kinder haben Schwierigkeiten Deutsch zu sprechen. Doch dort wo Integration teilweise schwierig ist, läuft Inklusion gut.

Stadtteilcheck

Eine Karte von Bremerhaven und Bremen, mit Kreide auf eine Tafel gemalt, dahinter Abbildungen von einem Grundschüler und mehreren Abiturientinnen.
Bild: Imago | Panthermedia, Jochen Tack, Westend61

Bremen

Bremerhaven

Bremen Mitte

1 Einwohner, Schüler und Schulen in Osterholz

Osterholz ist ein wachsender Stadtteil mit vielen verschiedenen Gesichtern – sowohl was die verschiedenen Bereiche und Bauten angeht als auch die Menschen. 90 verschiedene Nationen leben hier. 37.754 Menschen leben in Osterholz. Davon sind 4.204 Schüler – viele Familien sind kinderreich. Nur Hemelingen hat mit 4.278 Schülern mehr als Osterholz.

Grafik - Anzahl von Einwohnern und Schülern in Osterholz Einwohner Schüler Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, Senatorin für Kinder und Bildung, Stand: 2018 37.754 4.204

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In Osterholz gibt es sechs Grundschulen, eine katholische Grundschule, drei Oberschulen, eine öffentliche Förderschule, eine Waldorfschule und eine Berufsbildende Schule. Außerdem ist eine weitere Grundschule im Aufbau. Osterholz hat jedoch kein Gymnasium.

2018 legten in Osterholz 25,6 Prozent der Schüler ihr Abitur ab. In den letzten Jahren sind es weniger geworden. 2018 verließen 41,6 Prozent der Schüler die Schule mit dem mittleren Abschluss und 23,4 Prozent schafften ihre Berufsbildungsreife. Doch rund 9,4 Prozent aller Schüler ging in diesem Jahr ohne Abschluss von den Osterholzer Schulen.

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Das Bremer Bildungsressort weist darauf hin, dass die Anteile der Schulabschlüsse durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden können. Etwa im Jahr 2012 durch einen doppelten Abiturjahrgang. In jenem Jahr haben Schüler sowohl nach neun, als auch nach acht Jahren das Abitur abgelegt. Dadurch ging der Anteil der Abiturienten nach oben. Andere Faktoren können beispielsweise eine verstärkte Zuwanderung sein, aber auch Änderungen im Schulsystem und den Schulformen.

2 Herausforderungen und Probleme im Bildungsbereich

Drei Schüler im Klassenzimmer, einer im Rollstuhl
Inklusion ist in Osterholz laut Stadtteilpolitikern "Alltag". (Symbolbild) Bild: DPA | Uli Deck

Das kulturübergreifende Miteinander prägt Osterholz – auch in der Bildung. Das hat viele Vorteile, aber birgt auch einige Herausforderungen. So sei die Sprache ein großes Problem an den Schulen, sagt Ralph Dräger. Er ist in Osterholz Mitglied des Ausschusses frühkindliche und schulische Bildung für und in der CDU.

Auch ein Blick in die Statistik bestätigt das von Dräger beschriebene Problem. In Osterholz hatten 2018 insgesamt 184 Kinder einen Bedarf für Sprachförderung – das entspricht 48,9 Prozent aller Kinder.

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Gerade unter diesem Aspekt sei die Personalsituation ebenfalls ein großes Problem, erklärt Dräger. Kinder aus bildungsferneren Schichten benötigten besonders umfangreiche pädagogische Betreuung. Wolfgang Haase (SPD) kennt die Bildungssituation in Osterholz ebenfalls. Er war lange Zeit im Bildungsausschuss tätig und ist jetzt Beiratssprecher. Haase fügt hinzu, dass Osterholz ein wachsender Stadtteil sei. "In ein paar Jahren erwarten wir, dass bis zu 25 Prozent mehr Menschen in Osterholz leben", sagt er. Dann werde sich die Personalsituation an den Schulen noch weiter zuspitzen.

Integration funktioniert nur über Sprache

Wolfgang Haase (SPD), Beiratssprecher in Osterholz

Laut Dräger und Haase fehlen nach wie vor Schulen, obwohl eine weitere Grundschule im Aufbau ist. Künftig müssten mehr Räume und mehr Ressourcen – sowohl personelle als auch sachliche – vorhanden seien, damit sich Osterholz in Sachen Bildung positiv weiterentwickeln könne.

"Inklusion ist Alltag in Osterholz"

Einige Bremer Stadtteile kämpfen auch jetzt noch mit der Inklusion. In Osterholz ist das laut Haase anders. "Inklusion ist Alltag in Osterholz", sagt er. Zwar gebe es im Einzelnen Mangel an geeignetem Personal, im Großen und Ganzen gehe es Osterholz dabei jedoch gut. Der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf liegt 10,4 Prozent. Davon werden 91,3 Prozent inklusiv an Regelschulen unterrichtet, die anderen besuchen Förderzentren.

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Positiv sehen Dräger und Haase den sozialen Zusammenhalt in ihrem Stadtteil und in den Schulen. "Es ist bewundernswert, was die Lehrer, Eltern und Schüler alles möglich machen", sagt Dräger. So setze die Albert-Einstein-Oberschule zum Beispiel stark auf das Thema Nachhaltigkeit und sorge selbst für die eigene Stromversorgung.

3 Rahmenbedingungen und Lebensumstände

Oft denken die Menschen sofort an die 21 Stockwerk hohen Wohntürme in Tenever, wenn sie an Osterholz denken. Jedoch ist der Stadtteil auch von grünen Ecken in Blockdiek und dem Klinikum Bremen-Ost geprägt.

Osterholz ist mit seinen 90 Nationen ein Stadtteil, der sehr von den verschiedenen Kulturen geprägt ist. In Osterholz bezieht fast jeder Fünfte Leistungen. Das Risiko der Kinderarmut ist hoch. 36 Prozent der Kinder unter 15 Jahren leben in Osterholz auch von Hartz IV. Damit liegt Osterholz über dem Durchschnitt des Landes Bremen. In Zahlen: 2.099 Osterholzer Kinder sind von Kinderarmut und dem Leben am Existenzminimum bedroht.

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Auch ein Blick auf das mittlere Jahreseinkommen zeigt, dass Kinder in Osterholz eher von Armut bedroht sind. Denn aktuellste Zahlen aus 2013 zeigen, dass das mittlere Jahreseinkommen mit 18.600 Euro nicht besonders hoch ist. Da das durchschnittliche Einkommen mit 24.500 Euro deutlich höher ist, gibt es wohl kleine Gruppe von Anwohnern, die besser verdient.

1.059 Elternteile sind in Osterholz alleinerziehend. Das entspricht rund 27 Prozent aller Haushalte mit Kindern (3.902). Alleinerziehende sind häufiger von Armut bedroht.

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Viele der in Osterholz lebenden Familien haben drei oder mehr Kindern. Insgesamt sind es 17 Prozent aller Haushalte (665 Familien). Damit liegt Osterholz in der Stadt Bremen auf Platz fünf. Zwar seien es oft die Mütter und Frauen, die sich in Osterholz integrieren, da sie offener als die Männer seien, sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Doch auch das berge für die Kinder und die Familien eine Herausforderung, da die Männer im traditionellen Familienbild häufiger als Vorbild gelten würden.

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Autorin

  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2019, 19:30 Uhr