Infografik

Burglesum: Tolle Vielfalt, aber kaum Kapazitäten an den Schulen

Ausbauten hier, Erweiterungsarbeiten dort: Bremen verfolgt große Pläne mit Burglesums Schulen. Die Bewohner des Stadtteils aber sind skeptisch. Das sind ihre Gründe.

Stadtteilcheck

Eine Karte von Bremerhaven und Bremen, mit Kreide auf eine Tafel gemalt, dahinter Abbildungen von einem Grundschüler und mehreren Abiturientinnen.
Bild: Imago | Panthermedia, Jochen Tack, Westend61

Bremen

Bremerhaven

Bremen Mitte

1 Einwohner, Schüler und Schulen

Mit knapp 33.400 Einwohnern zählt der südlichste Stadtteil des Bremer Nordens zu den größeren Bremens. 3.159 Schüler wohnen in Burglesum. Das sind etwas weniger als in den beiden anderen Stadtteilen des Bremer Nordens, als in Vegesack und Blumenthal.

Grafik - Anzahl von Einwohnern und Schülern in Burglesum Einwohner Schüler Quelle: Statistisches Landesamt Bremen, Senatorin für Kinder und Bildung, Stand: 2018 33.388 3.159
Hinweis: Im Stadtteil wohnende Schüler.

Fünf öffentliche Grundschulen gibt es derzeit in Burglesum. Außerdem hat der Stadtteil zwei öffentliche Oberschulen. Mit der Paul-Goldschmidt-Schule für körperliche und motorische Entwicklung kommt eines der fünf letzten Bremer Förderzentren hinzu. Die Standorte "Am Steinkamp" und "Am Heisterbusch" der Oberschule Lesum sollen zu einem Schulcampus zusammengeführt werden. Dort soll zudem eine dreizügige Grundschule entstehen.

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Trotz der Vielfalt an Schulen sind die Kapazitäten allerdings knapp. Das Bildungsressort geht in seiner Schulstandortplanung davon aus, dass die Zahl der Schüler in Burglesum bis 2025 deutlich steigen wird. Wie der gesamte Bremer Norden, so zieht der Stadtteil dank vergleichsweise niedriger Mieten und Immobilienpreise vermehrt junge Familien an.

Der Anteil an Schülern aus Burglesum, die das Abitur machen, liegt derzeit bei 31 Prozent und ist damit in den letzten Jahren tendenziell leicht gesunken. Ein wenig gestiegen ist dagegen der Anteil der Schüler, die die Schule ohne einen Abschluss verlassen haben. Er lag 2018 bei 9 Prozent.

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Das Bremer Bildungsressort weist darauf hin, dass die Anteile der Schulabschlüsse durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden können. Etwa im Jahr 2012 durch einen doppelten Abiturjahrgang. In jenem Jahr haben Schüler sowohl nach neun, als auch nach acht Jahren das Abitur abgelegt. Dadurch ging der Anteil der Abiturienten nach oben. Andere Faktoren können beispielsweise eine verstärkte Zuwanderung sein, aber auch Änderungen im Schulsystem und den Schulformen.

2 Probleme und Herausforderungen im Bildungsbereich

Ein Rollstuhl in einem Klassenzimmer.
Burglesum hat noch eines der wenigen Förderzentren in Bremen. (Symbolbild) Bild: DPA | Bernd Wüstneck

Die Idee vom Schulcampus am Heisterbusch findet der CDU-Politiker Jan Klepatz gut. "Allerdings gab es bei uns in Burglesum schon immer große Pläne", fügt er hinzu. Klepatz sitzt im Beirat des Stadtteils. In der mangelhaften Umsetzung von Sanierungs- und Bauvorhaben sieht er ein großes Problem. Entsprechend skeptisch blickt er auf die entsprechenden Pläne der Stadt für Burglesums Schulen. Beispielhaft zitiert Klepatz aus einem Brief von Eltern aus Burglesum. Von einem durchlässigen Dach und unzureichender Beleuchtung an der Oberschule Lesum ist darin die Rede. Es sei mitunter so kalt in den Klassenzimmern, dass die Schüler den Unterricht in ihren Jacken verfolgten, schreiben die Eltern. "Das ist kein Einzelfall" versichert Klepatz. Auch sei der Mangel an Turnhallen und Sportplätzen frappierend.

Das sieht Ulrike Schnaubelt (Grüne) ähnlich. Außerdem gebe es Verbesserungsbedarf bei der Sprachförderung. Die Vorkurse für die vielen Kinder von Geflüchteten ehe sie am regulären Unterricht teilnehmen könnten, reichen in ihren Augen nicht aus: "Das muss mehr werden", sagt sie. Die Sprachförderung sollte parallel zum Fachunterricht fortgeführt werden. Zu diesem Zweck benötige man zusätzliche Lehrkräfte. Möglicherweise könnten auch Erzieher helfen, regt die Grünen-Politikerin an.

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Die Beiräte weisen jedoch auch auf Stärken ihres Stadtteils hin. So betont Klepatz, dass er sich über die Vielfalt an Schulformen in Burglesum freue. "Ich finde es schön, dass wir mit der Paul-Goldschmidt-Schule für körperliche und motorische Entwicklung noch ein echtes Förderzentrum bei uns haben", sagt er. Ebenfalls freue er sich darüber, dass es mit dem Nebelthau-Gymnasium auch ein Gymnasium in freier Trägerschaft in Burglesum gebe.

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Der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen Schülern bis einschließlich der zehnten Klasse liegt bei 9,5 Prozent. Gut 86 Prozent von ihnen werden in der Schule gefördert, die anderen besuchen Förderzentren.

3 Rahmenbedingungen und Lebensumstände

Burglesum wachse zwar nicht so stark wie andere Stadtteile. Dafür entdecken laut Ortsamtsleiter Florian Boehlke immer mehr junge Familien den Stadtteil direkt an der Lesum für sich. Entsprechend bestehe ein großer Aufholbedarf bei Kindergartenplätzen. Auch gebe es hohen Sanierungsbedarf und der Ganztags-Ausbau müsse vorangetrieben werden.

"Wer Burglesum kennt, weiß auch, dass es sich um einen vielschichtigen Stadtteil handelt", sagt Boehlke. Das Wohnquartier Marßel profitierte in den vergangenen Jahren vom Förderprogramm "Wohnen in Nachbarschaften". "Wir brauchen für Marßel weiterhin diese Absicherung. Gleichzeitig benötigen wir diese Unterstützung auch für das Alwin-Lonke-Quartier in Grambke und das Halm-Gebiet in Lesum", so der Ortsamtsleiter.

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Fast ein Drittel aller Kinder, 32,3 Prozent, lebt in Burglesum von Hartz IV. Das entspricht ungefähr dem Landesdurchschnitt.

Der Anteil der Alleinerziehenden fällt mit knapp 29 Prozent nicht aus dem Rahmen, ebenso wenig der Anteil der kinderreichen Familien: In 13 Prozent der Haushalte Burglesums leben drei oder mehr Kinder.

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Auch in puncto Einkommen bewegt sich Buglesum in Bremens Mittelfeld. So lag das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Burglesumers im Jahr 2013 bei 32.900 Euro jährlich, das mittlere bei 22.500 Euro pro Jahr. Das bedeutet, dass eine Hälfte der lohn- und einkommenssteuerpflichtigen Einwohner des Stadtteils über 1.875 Euro monatlich eingenommen hat, die andere Hälfte weniger.

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Autor

  • Alexander Schnackenburg

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2019, 19:30 Uhr