Kommentar

Fahrradstadt? Diesen Titel hat Bremen nicht verdient!

Mehr als jeder vierte in Bremen fährt seine Strecken regelmäßig mit dem Fahrrad. Das ist spitze – reicht aber bei weitem nicht aus, findet Radio Bremen-Redakteur René Möller.

Die Parkallee ist als erste Fahrradstraße in Bremen rot eingefärbt.
Bremen hat einiges getan für den Radverkehr – aber noch lange nicht genug, findet unser Kollege René Möller. Bild: Radio Bremen

Mehr als jeder vierte in Bremen fährt seine Strecken regelmäßig mit dem Fahrrad. Das ist spitze! Das sind sehr viele! Das ist richtig toll!

Und in den letzten Jahren hat sich auch was getan in Sachen Fahrradverkehr. Es gibt eine Handvoll Vorzeige-Fahrradstraßen und in Einbahnstraßen dürfen Radler entgegen der Fahrtrichtung fahren. Aber das war es auch schon. Bremen hat die Bezeichnung "Fahrradstadt" in meinen Augen noch lange nicht verdient!

Denn im Vergleich mit anderen Städten, in denen deutlich weniger Fahrräder unterwegs sind, hat Bremen noch einiges in Sachen Radverkehr zu tun.

Bisher keine "Corona-Radwege" in Bremen

Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist Bremen sogar richtig rückständig. Denn bundesweit sind in den letzten Monaten sogenannte Pop-Up- oder auch Corona-Radwege in den Städten entstanden. Weil weniger Autos unterwegs sind und auf Radwegen nicht genügend Abstand gehalten werden kann, werden zweispurige Fahrbahnen zur Hälfte zu breiten Radwegen. Mit wenig Aufwand und großer Wirkung hat Berlin beispielsweise kurzerhand über zehn Kilometer solcher Straßen in breite Radwege umgebaut. Mit ein paar Warnbaken und gelber Markierung. Fertig!

Fragt man in Bremen die zuständigen Fachpolitiker oder Verkehrssenatorin Maike Schaefer danach, bekommt man lapidare Antworten wie: "Wir prüfen, wir planen, wir wollen …" Nur getan wird nichts! Kein einziger Pop-Up-Radweg ist in Bremen entstanden. Die Radwege an einigen Straßen sind voll, während auf den zweispurigen Straßen Autos in zweiter Reihe parken.

Sogar der Fahrradclub ADFC hat dem Bremer Senat zwölf Stellen vorgeschlagen, wo solche Pop-Up-Radwege dringend nötig und auch möglich sind. Passiert ist: Nichts!

Keine Finanzhilfe für Lastenräder

Noch ein Beispiel gefällig? In etlichen Großstädten gibt es Prämien für Menschen, die sich ein Lastenrad kaufen. Hamburg zahlt bis zu 2.000 Euro dafür. Das Programm startete im Herbst. Nach drei Wochen war der erste Fördertopf leer. Ein neuer wurde aufgelegt. Und in Bremen? Hier gibt es nichts für Menschen, die vielleicht auf ein Lastenrad setzen wollen. Null!

Und dann sind da noch die Vorzeige-Projekte, mit denen sich die Verkehrspolitik in Bremen schöne Auszeichnungen und Anerkennung abholt: Ein paar Kreuzungen in der Bremer Neustadt werden großspurig "Fahrradquartier" genannt. Doch was sagen eigentlich die Menschen in Gröpelingen, Huchting, Hemelingen und Blumenthal? Dort werden in der Regel keine Pressetermine mit bemalten Straßen gemacht. Hier sind die Radwege zum Teil in extrem schlechtem Zustand oder können gar nicht befahren werden. Würden Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr so aussehen, wäre der Aufschrei groß.

Wo bleiben die Premiumrouten?

Seit 25 Jahren fabulieren Bremens Verkehrspolitiker von den "Fahrrad-Premiumrouten". Doch auch diese werden – sie ahnen es – immer noch geplant.

Was Bremen von seinen Radfahrern hält, sieht man am besten immer, wenn irgendwo eine Baustelle eingerichtet wird. Für den motorisierten Verkehr gibt es dann Umleitungen, Fahrbahnmarkierungen und Absperrungen. Für Menschen auf dem Fahrrad heißt es dann meistens: Absteigen und das Rad über mehrere Fußgängerampeln schieben. Oder haben Sie schon mal eine vorbildlich ausgeschilderte Umleitung für Fahrräder gesehen? Mit Markierungen, gelben Streifen und Absperrbaken … In Bremen, der sogenannten "Fahrradstadt" ist so etwas eine Rarität.

Und ich fürchte, das wird auch noch Jahre so bleiben.

Rückblick: Freie Fahrt fürs Rad – Das ist die neue Bremer Straßenverkehrsordnung

Bild: Radio Bremen

Autor/Autorin

  • Autor/in
    René Möller

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 3. Juni 2020, 8:36 Uhr

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