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Heißester Juli weltweit, viel Regen in Bremen: Wie passt das zusammen?

Ein Thermometer vor der Sonne.
Im Land Bremen betrug die Durchschnittstemperatur im Juli 17,9 Grad. Bild: dpa | Christian Ohde

Nach EU-Daten war der Juli der heißeste je gemessene Monat. In Bremen war der Monat definitiv nicht Hitzerekord-verdächtig, sondern eher kühl. Das sagen die Daten über Bremen aus.

Der zurückliegende Juli war nach Daten des EU-Klimawandeldienstes Copernicus der heißeste Monat seit Messbeginn. Die globale Durchschnittstemperatur lag demnach bei 16,95 Grad, das sind 0,33 Grad höher als im bisherigen Rekordmonat Juli 2019. Es ist also ein globaler Rekord-Juli, doch in Bremen haben wir vor allem eins gesehen: Regen. Gilt der Rekord-Juli überhaupt für Bremen? ARD-Wetterexperte Karsten Schwanke gibt Antworten.

Während der Juli weltweit für Rekordtemperaturen gesorgt hat, war es hier vor allem nass. Wie heiß war es denn in Bremen und Bremerhaven?

Im Land Bremen betrug die Durchschnittstemperatur im Juli 17,9 Grad. Am heißesten war es am 9. Juli mit 33,1 Grad – das sei auch der bisherige Höchstwert für dieses Jahr, erklärt Metereologe Karsten Schwanke. Am "kältesten" war es in Bremen am 22. Tag des Monats – mit 10 Grad.

Die Durchschnittstemperatur in Deutschland betrug im Juli 18,7 Grad. Bremen liegt mit 18,2 Grad leicht darunter. Was sagt dieser Unterschied aus?

Der deutschlandweite Wert liegt mit 18,7 Grad 0,3 Grad über dem Mittel, also dem Durchschnittswert der letzten dreißig Jahre. Dieser beträgt 18,4 Grad. Bremen lag mit seiner Temperatur sogar unter dem Mittel. Das sage an sich erst einmal wenig aus, erklärt Wetterexperte Schwanke. Das liege daran, dass Hitze-Hochs regional kühleres Wetter hervorbringen könnten. In diesem Jahr sei Bremen auf der kühleren Seite gewesen. Ein Hoch über dem Mittelmeer hat den Bremer Juli quasi zweigeteilt, erklärt Schwanke. In der ersten Hälfte habe sich das Hoch über dem Mittelmeer gebildet, wodurch wir hier zunächst warme Temperaturen hatten. In der zweiten Hälfte brachte das Hoch kühlere Luft und Regengüsse nach Bremen.

Was haben die starken Regenschauer im Juli zu bedeuten?

Solche längeren Dürreperioden und Trockenphasen bringen laut Schwanke oft mehr Regen. Das liege daran, dass die Luft, je wärmer sie ist, mehr Wasserdampf aufnehmen. Messbar werde das durch mehr Liter Regen. "Dann wird in vergleichsweise kürzerer Zeit mehr Regen herunterkommen", sagt Schwanke.

Die kühleren Temperaturen und das nasse Wetter bedeuten also nicht, dass der Klimawandel Bremen "verschont"?

"Wir befinden uns insgesamt auf dem ansteigendem Ast", sagt Schwanke. Die Copernicus-Daten machten es deutlich: "Wir bewegen uns schneller als gedacht in eine neue Sphäre." Dass der diesjährige Juli der heißeste seit Messbeginn sei, ist laut dem Experten kein gutes Zeichen für die nächsten Jahre. "Die wärmsten Monate brechen immer schneller ihre eigenen Rekorde. Das schließt nicht aus und widerspricht nicht, dass es in Zeiten des Klimawandels auch immer mal wieder kühlere Orte geben kann" – eben so wie es diesen Juli auf Bremen und Norddeutschland zutrifft.

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Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Autorin
    Mareike Hoeck Studentische Redakteurin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. August 2023, 19:30 Uhr