Wo Wohnungslose jetzt Wärme finden – und wie Bremer helfen können

Bild: DPA | Arne Dedert

Das Wochenende in Bremen wird kalt. Für viele ist das einfach nur ungemütlich – für Wohnungslose aber schnell richtig gefährlich. Wo bekommen sie Hilfe?

Zum ersten Mal in diesem Winter werden die Temperaturen am Samstag wohl auf den Gefrierpunkt fallen. Das Wochenende könnte damit zum Auftakt der richtig kalten Jahreszeit werden – eine Zeit, in der gerade wohnungslose Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Angebote gibt es verschiedene – aufgelistet sind viele von ihnen im Sozialstadtplan der Diakonie, der auch bei vielen anderen sozialen Trägern im Internet zu finden ist. Mit den kalten Temperaturen laufen aber nun auch die ersten Angebote an, die speziell in der kalten Jahreszeit helfen. Was gibt es alles? Eine Auswahl.

1 Kältebus der Johanniter

Bereits im Einsatz ist der Kältebus der Johanniter. "Am vergangenen Sonntag war unser Saisonauftakt", erzählt Nicole Baumann, Sprecherin der Johanniter in Bremen. Drei Mal in der Woche – mittwochs, freitags und sonntags – wird der Kältebus wieder am Hauptbahnhof für wohnungslose Menschen da sein. Dort bekommen sie warmes Essen und Getränke, und zwar mehr als in den vergangenen Jahren. "Wir haben 150 Rationen dabeigehabt, die wir auch ausgegeben haben. In den vergangenen Jahren waren es meistens 60", so Baumann. Der Bedarf habe also zugenommen. Doch es wird nicht nur Verpflegung ausgegeben, sondern auch Kleidung – und diese ist teilweise extra-warm: Das Alfred-Wegener-Institut spendete den Johannitern ausrangierte Kleidung, mit denen Forschende des Instituts schon auf Arktis-Expedition waren.

2 Wärmebus der Inneren Mission

Die Innere Mission öffnet ab Ende November die Türen eines Wärmebusses für wohnungslose Menschen. Dabei handelt es sich um einen ausrangierten Bus der BSAG, in dem sie sich aufwärmen können. Das genaue Datum für den Startschuss ist allerdings noch nicht fix, stehen soll er aber hinter dem Hauptbahnhof nahe der Bürgerweide. Dort wird er dann von einem Streetwork-Team betreut.  

3 Wärme auf Rädern der Caritas

Am Donnerstag startet das Projekt "Wärme auf Rädern" in seine diesjährige Saison: Jeden Montag und Donnerstag verteilen Ehrenamtliche der Caritas vor dem Kino am Hauptbahnhof Eintopf, Gebäck und Heißgetränke an Wohnungslose Menschen. Im vergangenen Jahr wurden zwischen November und März rund 2.500 Portionenn verteilt, aber: "Aufgrund steigender Lebenshaltungs- und Energiekosten rechnen wir mit einer besonders hohen Nachfrage", erklärt Sarina Paap, Koordinatorin des Projektes.

4 Offene Räume und Angebote im Bremer Stadtgebiet

Neben den speziellen Winter-Angeboten gibt es auch zahlreiche Anlaufstellen für wohnungslose und bedürftige Menschen, die zwar das gesamte Jahr über geöffnet haben, aber gerade bei den kalten Temperaturen als wichtige Wärmequelle dienen können. Beispiele dafür sind:

  • der Bremer Treff am Altenwall .
  • das Café Papagei Auf der Brake .
  • das Frauenzimmer in der Abbentorstraße.
  • das Café Mittwoch in Horn.
  • das Cafe Dienstag in Schwachhausen.
  • die Bahnhofsmission.

Weitere Anlaufstellen in diesem Winter:

  • Einige Kirchen und Gemeinden beteiligen sich an der Aktion "Orte der Wärme" der Bremischen Evangelischen Kirche, in deren Rahmen nicht nur Wohnungslose, sondern auch Menschen, die ihre Wohnung nicht heizen können, ein warmes Plätzchen finden sollen. Die konkreten Orte werden noch bekanntgegeben. .
  • Zwischen den Jahren sowie ab Januar des neuen Jahres öffnet zudem die Unser-Lieben-Frauen-Winterkirche, wo es montags Mittagessen und Heißgetränke geben soll. .
  • Zwar keine warmen Räumlichkeiten, aber warme Mahlzeiten und Getränke bieten die Bremer Suppenengel an: fast täglich, an verschiedenen Orten in der Stadt. Auch Kleidung, Schlafsäcke und kleinere Dinge des täglichen Bedarfs sind bei den Suppenengeln zu bekommen..

5 Hilfe von Bremerinnen und Bremern

Geld- und Sachspenden sind bei allen aufgeführten Hilfsangeboten willkommen, viele suchen auch Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Aber: Mit der Hilfe über Organisationen und Einrichtungen ist es nicht getan, auch Bremerinnen und Bremer können ihren Beitrag leisten, damit wohnungslose Menschen gut durch den Winter kommen. "Wichtig finde ich vor allem, aufmerksam zu sein", erklärt zum Beispiel Anke Mirsch, Sprecherin der Inneren Mission in Bremen.

Als ein großes Problem sehe ich auch die soziale Kälte: Zunächst einmal geht es darum, die Person wahrzunehmen und ihr freundlich zu begegnen.

Anke Mirsch, Sprecherin der Inneren Mission Bremen

Wer sich dann fragt, wie man ihr am besten helfen kann, könne am besten bei ihr einfach nachfragen, was sie gerade braucht. Nicht immer ist allerdings klar erkennbar, in welchem Zustand eine wohnungslose Person gerade ist. "Gerade wenn Menschen bei sehr kalten Temperaturen auf einer Parkbank oder auf dem Boden liegen, sollte man einmal zu der Person hingehen, sie ansprechen, an ihr rütteln – sich eben vergewissern, dass es der Person gut geht", empfiehlt Mirsch. Wenn nicht feststellbar ist, wie es der Person geht, sollte der Notruf gewählt werden.

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Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. November 2022, 19:30 Uhr