Diese Visionen hat ein Verkehrsexperte für die Bremer Innenstadt

Mikrobus statt Straßenbahn, Kunst am Brill, Wohnungen im Parkhaus: Für den Bremer Verkehrsexperten Carsten-Wilm Müller geht es darum, die Innenstadt neu zu denken.

Ein Luftbild der Brill- Kreuzung in Bremen.
In der Kreuzung am Brill sieht der Bremer Verkehrsexperte Carsten-Wilm Müller viel ungenutztes Potenzial. Bild: Radio Bremen

Corona verändert unsere Art der Mobilität, da ist sich der Bremer Verkehrsexperte Carsten-Wilm Müller sicher: "Der öffentliche Nahverkehr hat seit Beginn der Corona-Krise kräftige Einbußen erlitten. Deutlich weniger Menschen sind seitdem mit Bus und Bahn unterwegs." Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass das System in Pandemie-Zeiten an seine Grenzen stoße, so Müller, der zum Thema Verkehrswesen an der Hochschule Bremen lehrt.

Und noch ein weiterer Aspekt ist für Müller durch die Pandemie deutlich geworden: "Der Mensch bevorzugt nun einmal den Individualverkehr. Nicht umsonst waren Fahrräder zeitweise ausverkauft." Für den Verkehrsexperten steht fest: Der Nahverkehr muss neu gedacht werden. Und vor allem für die Bremer Innenstadt hat Müller einige Ideen.

1 Mikrobus statt Straßenbahn

Für kurze Wege, wie sie innerhalb der Innenstadt gegeben sind, macht die Straßenbahn als Transportmittel laut Müller keinen Sinn. Stattdessen plädiert er für sogenannte Mikrobusse, wie sie in einigen Städten Deutschlands bereits zum Einsatz kommen. "In so einem Mikrobus haben acht bis zehn Menschen Platz, jetzt in Corona-Zeiten wahrscheinlich drei bis vier." Als Strecke schlägt Müller einen Ring zwischen den Punkten Martinistraße, Tiefer, Am Wall und Bürgermeister-Smidt-Brücke vor.

Elektrischer Kleinbus von Easy Mile EZ10 fährt auf einer Straße (Archivbild)
Im Landkreis Kelheim in Bayern sind die elektrischen Mikrobusse bereits im Einsatz. Der Verkehrsexperte fordert sie auch für Bremen. Bild: Imago | Manfred Segerer

"Alle 150 Meter gibt es dann eine Haltestelle. Man braucht also auf keinen Fahrplan zu schauen, sondern kann direkt mit eigenen Auge sehen, ob so ein Mikrobus kommt." Laut Müller würde eine Spur von der Breite eines Fahrradweges für zwei Mikrobusse ausreichen: "Das funktioniert nach dem Paternoster-Prinzip: Der eine Bus fährt den Ring links herum, der andere rechts. An den Haltestellen gibt es dann etwas mehr Platz, sodass die beiden Busse aneinander vorbeifahren können", so der Verkehrsexperte.

2 Erlebnisqualität am Brill

Als "Gleisdreieck" bezeichnet Müller Bremens berühmte Kreuzung Am Brill. "Dort wird alles vom Verkehr dominiert, vor allem der Platz vor der Sparkasse." Dabei hätte gerade der laut Müller viel Potenzial: "Man könnte dort zum Beispiel Kunst aufstellen oder Sitzgelegenheiten schaffen." Und auch die Verbindung zwischen Brill und Neustadt ließe sich deutlich aufwerten, ist der Verkehrsexperte überzeugt: "Eine Idee ist zum Beispiel eine Allee aus Bäumen auf der Weserbrücke zu pflanzen."

3 Mehr Wohnraum, weniger Verkehr

Die Straßenbahn raus aus der Obernstraße, mindestens eine Linie weniger an der Domsheide, den Autoverkehr so weit wie möglich reduzieren: Es gehe darum, die Innenstadt ganz anders zu erschließen, so Müller. Dazu gehört für ihn auch, dass vermehrt Lastenfahrräder zum Einsatz kommen und sich die Aufenthaltsqualität in der Bremer Innenstadt insgesamt verbessert: "Die Menschen sollen dort hinkommen, um zu verweilen – und weil sie dort wohnen." Und der Verkehrsexperte hat auch schon eine Idee, wo sie das könnten: "Das Parkhaus hinter Karstadt zum Beispiel könnte man zu Wohnungen umbauen."

So könnte die Zukunft des Verkehrs in der Innenstadt aussehen

Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Catherine Wenk Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. März 2021, 19:30 Uhr