Experte: "Keine Hunderasse ist von Geburt an gefährlich"

In Bremen sind bestimmte Kampfhunderassen verboten, die FDP will das ändern. Hundetrainer Bernd Baron sieht das ähnlich, Pitbull & Co seien nicht von Geburt an gefährlich.

Ein Kampfhund an der Leine beim Gassigehen
Die FDP möchte in Zukunft wieder alle Hunderassen in Bremen erlauben – unter bestimmten Bedingungen. Bild: DPA | Christian Fürst

Wer sich in Bremen oder Bremerhaven einen Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier oder Staffordshire Bullterrier anschaffen möchte, hat schlechte Karten: Diese Hunderassen sind verboten, es sei denn, sie werden aus einem der örtlichen Tierheime übernommen. Das generelle Verbot gilt auch für Mischlinge, das heißt Kreuzungen dieser Hunde untereinander oder mit anderen Rassen. Genau diese Regelung, die in Bremen 2002 entsprechend angepasst wurde, will die FDP jetzt kippen.

Unter dem Motto 'Kein Hund ist illegal' hat die FDP-Fraktion eine Abschaffung der Rassenverbotsliste beantragt. Die FDP vertritt den Standpunkt, dass die Gefährlichkeit von Hunden keineswegs per se von der Rasse ausgehe, sondern vom Halter selbst und der Erziehung des Hundes. Das pauschale Verbot solle durch einen Sachkundenachweis der Halter ersetzt werden. Laut eines Sprechers der SPD-Fraktion sei es unwahrscheinlich, dass die Rasseliste abgeschafft werde. Der FDP-Antrag wird heute in der Bremischen Bürgerschaft diskutiert.

Aggressivität ist nicht angeboren

Bernd Baron ist seit zehn Jahren ausgebildeter Hundetrainer und kennt sich mit den Eigenheiten und Charakteren der unterschiedlichen Rassen aus. Für den Experten ist klar: Keine Hunderasse ist von Geburt an aggressiv oder gefährlich.

Hundetrainer Bernd Baron mit Hund
Rasselisten sind nicht zeitgemäß – findet Hundetrainer Bernd Baron. Bild: Bernd Baron
Wann ist ein Hund eigentlich gefährlich?
Für mich ist ein Hund dann gefährlich, wenn der Hund einen Menschen oder einen anderen Hund nachweislich so durch einen Biss verletzt hat, dass eine ärztliche Versorgung nötig ist, wobei der Grund für den Beißvorfall zu berücksichtigen ist. 
Wie sinnvoll ist ein pauschales Verbot bestimmter Rassen?
Eine Rasseliste ist überhaupt nicht nachvollziehbar und auch nicht zeitgemäß. Die Liste suggeriert dem Menschen, dass es Hunderassen gibt, die im täglichen Leben 'gefährlicher' sind als Hunde anderer Rassen. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht natürlich Unfug. Die Rasseliste ist aus rein emotionalen Gründen entstanden.  
Wie bewerten Sie die Idee der FDP, solche Hunde in Zukunft wieder zu erlauben – vorausgesetzt, die Halter erfüllen eine theoretische und praktische Prüfung und den Sachkundenachweis?
Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Alles was hilft, diese starre Regelung in Bremen aufzulockern, ist hilfreich. Was viele nicht wissen: Man darf seinen alten und völlig unauffälligen Pitbull aus zum Beispiel Dortmund nicht mit nach Bremen nehmen, falls man berufsbedingt hierher umzieht. Auch nicht, wenn dieser Hund einen bestandenen Wesenstest in Dortmund absolviert hat. Entweder zieht man ohne Hund nach Bremen oder man zieht nach Weyhe, Lilienthal oder Oyten, da Niedersachsen ja zum Glück keine Rasseliste hat.

Soll das Kampfhund-Verbot in Bremen aufgehoben werden?

So wurde abgestimmt!

  • Ja, denn Hunde sind nicht von Geburt an gefährlich 83,4%.
  • Nein, denn Aggression liegt bei Kampfhunden in den Genen 14%.
  • Ich bin nicht sicher 2,5%.

Abgegebene Stimmen: 2356

Das Ergebnis der Befragung ist nicht repräsentativ

Inwiefern stimmen Sie der Beurteilung zu, dass bestimmte Rassen per se aggressiv und gefährlich sind?
Gar keine Hunderasse ist von Geburt an aggressiv oder gefährlich. Genetik ist nur ein kleiner Teil, der für das Verhalten eines Hundes verantwortlich ist. Lernerfahrungen, die der Hund im Laufe seines Lebens macht, spielen eine viel größere Rolle im Verhaltensspektrum eines Hundes.
Welche Rolle spielen die Medien bezüglich bestimmter Hunde-Stereotypen?
Es gibt auch die umgekehrte Rasseliste in den Köpfen der Menschen. Sehr viele Medien haben uns ständig suggeriert, dass zum Beispiel der Labrador und der Golden Retriever immer freundliche und gelassene Hunde wären. Wenn jetzt zum Beispiel ein Labradorbesitzer einen 'Labby' hat, der überhaupt keine Kinder mag (durch schlechte Erfahrungen), dann wird der Besitzer dieses Labbys oftmals angefeindet, was er denn für einen durchgeknallten Hund hätte. In diesem Fall haben die Medien dafür gesorgt, dass es doch überhaupt nicht sein kann, dass ein Labrador aggressiv und gefährlich sein kann; genauso wie die Medien dafür gesorgt haben, dass viele Menschen glauben, Pitbull, Staff und Co. wären alle gefährlich.

Autorin

  • Angela Weiß Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Hörfunknachrichten, 15. März 2018, 11 Uhr

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