Eiswettfest ohne Frauen – auch Sieling ist empört

Der Ausschluss von Bremens Bürgemeisterin Linnert beim Eiswettfest schlägt bundesweit Wellen und wirft kein gutes Licht auf Bremen. Jetzt äußert sich auch Bürgermeister Sieling.

Carsten Sieling

Er habe keinerlei Verständnis für die Entscheidung des Eiswettvereins, Karoline Linnert (Grüne) als seine Stellvertreterin nicht einzuladen, sagte Carsten Sieling (SPD) zu buten un binnen. Das sei wirklich völlig aus der Zeit gefallen. Bremen sei eine weltoffene Stadt, in der in jeder Hinsicht Gleichberechtigung gelte. Das Vorgehen des Eiswettvereins ärgere ihn deshalb zutiefst. Sieling erklärte, dass er mit dem Präsidenten des Eiswettvereins, Patrick Wendisch, am Montag im Rathaus gesprochen habe. Er habe darauf gedrängt, dass der Verein seine Regeln überprüft und überdenkt, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

Bürgermeister Carsten Sieling konnte in diesem Jahr nicht am traditionellen Bremer Eiswettfest teilnehmen. Regulär hätte ihn Bürgermeisterin Linnert in allen Belangen vertreten müssen – auch bei der Eiswette. Doch das wollten die Veranstalter nicht. Seit 1829 hat noch nie eine Frau an der traditionellen Veranstaltung teilgenommen. Deswegen haben die Veranstalter des Eiswettfestes entschieden, dass Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz an Sielings Stelle zum Bankett erscheinen darf.

Scharfe Kritik in Medien und im Netz

Taz, Spiegel Online, Stern, Bild: Die Meldung, dass Linnert nicht am Eiswettfest teilnehmen darf, war in den vergangenen Tagen bundesweit Thema. "Ist das Tradition oder Ignoranz?", fragen die Kieler Nachrichten. Die Hamburger Morgenpost wirft ein entsetztes "Wie bitte?" hinterher. Die Reaktionen auf den Ausschluss der Grünen-Politikerin scheinen für viele Medien nicht nachvollziehbar.

Eine Collage aus Überschriften von verschiedenen Medien zu dem Thema, dass die Bürgermeisterin Caroline Linnert nicht am Eiswettfest teilnehmen durfte.
Bild: Montage Radio Bremen | Hamburger Morgenpost, Kieler Nachrichten, Taz, Zett, Bild, Focus Online, Welt, Spiegel Online, Berliner Zeitung, Stern

Auch die Twitter-Community machte ihrem Ärger über Linnerts Ausschluss vom Eiswettfest Luft. Eine berechtigte Frage stellte Twitter-User Sven Seele: "Was machen die eigentlich, wenn Bremen mal eine Bürgermeisterin bekommt?".

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Die ehemalige SPD-Politikerin Daniela Behrens zeigt über ihren Hashtag, was sie davon hält, dass die "Jungs lieber unter sich" bleiben.

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Twitter-User Christian Reinboth findet die Sache "echt irre".

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Die Bremer Journalistin Carolin Henkenberens macht ihrer Meinung über einen Vergleich Luft.

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User und Autor Frank Behrendt nominiert das erste Unwort des Jahres.

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Bremens CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hatte in dem Ausschluss Linnerts kein Problem erkennen können: "Dass Frauen nicht zugelassen werden, finde ich ok". Daraufhin hagelte es Kritik auf Twitter, so auch von der Bremer EU-Abgeordneten Helga Trüpel.

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"Ignoranz" oder "Gendergaga"?

Auf Seiten der Veranstalter des Eiswettfestes gab es trotz lauter Kritik keine Einsicht. Eiswett-Präsident Patrick Wendisch sagte noch vor Beginn der Veranstaltung gegenüber der BILD: "Wir sind ein Herrenclub, machen dieses Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre."

Abseits der Kritik fand das Eiswettfest in Bremen wie jedes Jahr ohne Frauen statt. Die 800 anwesenden Herren sammelten traditionell Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Beim Festmahl kamen mehr als 450.000 Euro zusammen.

Empörung nach Linnerts Nicht-Einladung beim Eiswettfest

Eine ausschließlich männliche Ansammlung beim Eiswettfest in einem Festsaal.
Bild: Importer

Weitere Informationen

  • Sophie Labitzke
  • Jens Fabig

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 21. Januar 2019, 19:30 Uhr