Fragen & Antworten

Atmen wir Plastikteilchen aus der Luft ein?

Das Alfred-Wegener-Institut hat in einer Studie Schneeproben untersucht, auch in Bremen. Das Ergebnis: Mikroplastik fliegt offenbar über große Distanzen durch die Atmosphäre.

Zerbrochene Plastikteile, die in einer Schale liegen.
Was haben die Forscher herausgefunden?
Selbst in entlegenen Gegenden wie der Arktis enthält Schnee inzwischen hohe Konzentrationen von Mikroplastik. Das zeigen Untersuchungen von Forschern des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI), die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Demnach wiesen die Experten feinste Kunststoffteile in Schneeproben aus Bayern und Bremen ebenso nach wie in solchen von der Nordseeinsel Helgoland, aus den Schweizer Alpen und der Arktis. Die Forscher gehen davon aus, dass sie sich durch die Atmosphäre verbreiten und dann mit dem Schnee aus der Luft ausgewaschen werden.

Diese Mechanismen sind laut AWI noch wenig erforscht. Bekannt sei aber bereits seit längerem, dass sich Blütenpollen aus mittleren Breitengraden auf demselben Wege ebenfalls bis in die Arktis verbreiteten, erklärte das Institut. Diese hätten eine ähnliche Größe. Auch Staub aus der Sahara gelange durch die Atmosphäre über rund 3500 Kilometer bis in den Nordostatlantik.
Eine Frau nimmt mit einem Löffel Schnee von einem Autodach und füllt ihn in ein Glas.
Auch in Bremen nahmen die Forscher Schneeproben, wie hier von einem Auto. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Melanie Bergmann
Was für Plastikarten haben die Forscher gefunden?
Je nach Standort konnten die Forscher verschiedene Kunststoffe nachweisen. In der Arktis fanden sie vor allem Nitrilkautschuk, Acrylate und Lackteilchen. Dort fanden sich die Mikroplastik-Teilchen etwa auf der Insel Spitzbergen, aber selbst im Schnee auf treibenden Eisschollen. Nitrilkautschuk wird häufig in Dichtungen und Schläuchen verwendet. Kunststoffhaltige Lacke findet man unter anderem in den Oberflächen von Gebäuden, Schiffen, Autos und Offshore-Anlagen.

An einer Landstraße in Bayern enthielten die Proben vor allem verschiedene Arten von Kautschuk, das unter anderem bei Autoreifen verwendet wird.
Wieviel Plastik haben die Forscher gefunden?
An allen Orten wies der Schnee eine hohe Konzentration an Mikroplastik auf. Die höchsten Werte fanden die Forscher in Schneeproben an einer Landstraße in Bayern. Hier lag die Konzentration bei 154.000 Partikeln pro Liter. Der Schnee in der Arktis enthielt bis zu 14.400 Partikel pro Liter.

Auffallend ist, dass die Mikroplastikkonzentrationen, die die Forscher des AWI nachweisen konnten, deutlich höher sind, als in Studien anderer Forscher, die beispielsweise Staubablagerungen untersucht haben. Das könnte laut AWI zwei Gründe haben: Zum einen wäscht der Schnee das Mikroplastik offensichtlich besonders gut aus der Atmosphäre aus. Zum anderen liegt das vermutlich an der vom AWI verwendeten Infrarotspektroskopie, mit der selbst kleinste Partikel nachgewiesen werden können. Andere Experten hatten Mikroplastik unter dem Mikroskop mit der Hand aus ihren Proben herausgelesen, dabei werden laut AWI häufiger Partikel übersehen.
Zwei Frauen knien im Schnee und füllen Schneeproben in ein Glas.
Wie viel Plastik ist im Schnee? Die Forscher nahmen unter anderem in der Arktis Proben. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Mine Tekman
Wie sah die Untersuchung aus?
Die Experten um Melanie Bergmann und Gunnar Gerdts haben Schneeproben aus Helgoland, Bayern, Bremen, den Schweizer Alpen und der Arktis untersucht. Sie ließen den Schnee schmelzen und gossen das Schmelzwasser durch einen Filter. Den Rückstand haben sie dann im Infrarotmikroskop mit Infrarotlicht bestrahlt. Je nach Plastiksorte werden unterschiedliche Wellenlängen absorbiert und reflektiert, so lässt sich erkennen, um welchen Kunststoff es sich handelt.
  • Sonja Klanke

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 14. August 2019, 20 Uhr