Fragen & Antworten

Darum lässt Lego in Bremerhaven bunte Spielzeugsteine beschlagnahmen

Seit mehr als einem Monat steht ein Container voller bunter Steine im Hafen. Darüber ist ein Streit entbrannt – und der sorgt nicht nur in Bremerhaven für Aufsehen.

Video vom 12. März 2021
Spielzeug-Figuren stehen neben kleinen Kisten.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Wohl fast jeder hat früher mit kleinen bunten Legosteinen gespielt. Wobei: Lego ist eigentlich nur ein Markenname. Der Oberbegriff für die kleinen Plastiksteine lautet "Klemmbaustein". Der Zoll in Bremerhaven hat einen ganzen Schiffscontainer voller Klemmbausteine beschlagnahmt. Seit etwa einem Monat schon steht der Container im Hafenbereich. Um die Spielzeugsteine ist ein Rechtsstreit entbrannt.

Ein Mann guckt in die Kamera. Um ihn herum ist Spielzeug zu sehen.
Der Paderborner Thorsten Klahold kämpft um seine bestellten Steine. Bild: WDR
Was ist das Problem mit den Steinen?
Die Steine im Container stammen nicht von Lego, sondern sind Klemmbausteine vom chinesischen Hersteller Qman. Bestellt hat sie Thorsten Klahold, der in seinem Geschäft in Paderborn Klemmbausteine von verschiedenen Herstellern verkauft und auch andere Händler damit beliefert. Der dänische Lego-Konzern hat den Container beschlagnahmen lassen. Die Ware sollte vernichtet werden. Klahold hat Widerspruch eingelegt. Lego schreibt auf Anfrage von buten un binnen, dass sie öfter tätig werden. Ihnen gehe es um ihre Qualitätsstandards: "Daher beobachten wir Hersteller von Plagiaten weltweit und konzentrieren uns darauf sicherzustellen, dass unsere Markenrechte und Patente sowie unser geistiges Eigentum nicht verletzt werden."

Durchschlafen tue ich schon länger nicht mehr richtig. Der Stress geht nicht an einem vorbei, das ist einfach so.

Thorsten Klahold, Lego- und Klemmbaustein-Händler
Solche Steine darf man also nicht einfach nachbauen?
Klemmbausteine wie Lego sie baut, kann erstmal jeder herstellen. Lego hatte da zwar ein Patent drauf, aber das ist längst abgelaufen. Jedoch hat Lego noch eine Reihe anderer Rechte auf seine Produkte, wie zum Beispiel das Urheberrecht. Bestimmte Spielzeuge dürfen nicht genauso wie die Lego-Varianten nachgebaut werden, erklärt Jan Heidicker, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Urheber- und Medienrecht. "Nehmen wir jetzt mal irgendeine Polizeistation (…) und ein dritter Hersteller würde diese Polizeistation (…) in der Gestaltung sehr an Lego anlehnen, dann müsste man natürlich genau hinschauen, ob man dann hier nicht doch eine Urheberrechtsverletzung hat. Aber das heißt nicht, dass ein dritter Hersteller keine Polizeistationen bauen darf – die müssen dann nur ein bisschen anderes aussehen."

Ich will Lego nicht ausmerzen oder sowas. Ich will einfach friedlich als Alternative neben Lego da sein, weil es ist immer gut für Verbraucher, wenn Alternativen am Markt sind. Monopol ist nur für Monopolisten gut.

Thorsten Klahold, Lego- und Klemmbaustein-Händler
Zwei Spielzeugfiguren stehen nebeneinander.
Die linke Figur von Qman sieht der gelben Lego-Figur zu ähnlich, sagt Lego. Bild: WDR
Und was genau ist das Problem mit dem Spielzeug, das in Bremerhaven feststeckt?
Inzwischen hat Thorsten Klahold Post von einem Anwalt bekommen, der Lego vertritt. Und in dem Schreiben wird klar, dass es Lego bei den Spielzeug-Sets in Bremerhaven vor allem um die kleinen gelben Spielzeugfiguren geht. Die Figuren von Qman sollen denen von Lego zu ähnlich sehen, sagt Lego. Die kleinen gelben Spielzeugfiguren von Lego, die 1978 von einem Lego-Mitarbeiter entwickelt worden sind, sind laut Fachanwalt Heidicker durch eine sogenannte 3-D-Marke besonders geschützt. Das heißt, andere Hersteller dürfen keine kleinen Figuren bauen, die denen von Lego zu ähnlich sehen.

Wir werden den Zollbehörden daher bestätigen, dass die beschlagnahmten Spielzeugsets des Herstellers Qman mit Nachahmungen der LEGO Minifigur aus Sicht unserer Mandantin rechtsverletzend sind.

Anwaltsschreiben von Lego an Thorsten Klahold
Warum sorgt der Streit nun für großes Aufsehen?
Thorsten Klahold ist nicht nur Händler, sondern hat auch einen Youtube-Kanal. Dort hat er die ganze Geschichte mit dem festgesetzten Container öffentlich gemacht. Andere Youtuber und Klemmbaustein-Fans sind aufgesprungen. Das hat dazu geführt, dass unter anderem die Facebook-Seite von Lego voll ist mit wütenden Kommentaren. Viele kritisieren im Internet, wie Lego mit der Konkurrenz umgeht. Denn Klahold ist nicht der einzige, der Schreiben von Lego-Anwälten erhält. Für das Image von Lego ist das natürlich übel, sagt Szenen-Kenner und Jurist Henry Krasemann: "Ich glaube, in der heutigen Zeit würde es einer solchen Firma gut zu Gesicht stehen, (…) eine gemäßigtere Linie zu fahren und auch mal was zurückzustecken, auch mal was nicht komplett bis zum Ende zurückzufechten." Krasemann findet es allerdings auch befremdlich, dass sich die Klemmbaustein-Szene gerade aufspaltet in Lego-Fans und Fans anderer Hersteller und Erwachsene wegen buntem Plastikspielzeug aufeinander losgehen.

Ich finde es grauenvoll. Das ist wirklich etwas, was sich null rechtfertigen lässt. Das sind ja hier keine Religionen, Dogmen, Lebenseinstellungen, um die es geht, sondern es geht am Ende aller Tage ja dann doch um kreatives Plastikspielzeug.

Henry Krasemann, Jurist und Kenner der Klemmbaustein-Szene
Wie geht es nun weiter?
Der Rechtsstreit ist noch nicht geklärt. Thorsten Klahold findet es unfair, dass Lego beim schon länger schwelenden Streit um die Minifigur den Zoll mit einbezieht. "Hier wird ja quasi eine Gerichtsentscheidung mehr oder weniger vorweggenommen, weil ich gar nicht mehr handlungsfähig bin", sagt er. Nachgeben will Klahold nicht, auch weil es nicht nur um seine berufliche Zukunft, sondern auch die seiner vier Mitarbeiter geht: "Lego hat erreicht, ob bewusst oder unbewusst, dass uns die Ware ausgeht. Wir haben nur noch das zur Verfügung, was wir im Lager haben. Es ist schon eine Situation, die für uns sehr, sehr schwierig ist."

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Autoren

  • Mirjam Benecke Volontärin
  • Sonja Harbers Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 12. März 2021, 19:30 Uhr