Wie ein 14-Jähriger Bremer mit Kaugummiautomaten Bienen retten will

Video vom 4. September 2021
Ein Junge fällt einen Saatgutautomaten auf
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

Das Bienensterben hat verheerende Folgen für die Umwelt. Jonte Mai will nicht tatenlos zusehen und sorgt jetzt für bienenfreundliche Landschaften in Bremen.

Wann immer Jonte Mai aus dem Dachfenster klettert, zieht es ihn zu seinen Völkern. Die leben auf dem Dach seiner Garage. "Ich imkere schon seit sieben Jahren und die Bienen sind mir so sehr ans Herz gewachsen."

Bereits sein halbes Leben lang begeistert er sich schon für Bienen. Da verwundert es nicht, dass der 14-Jährige alles dafür tut, um die Welt in ein bienenfreundliches Umfeld zu verwandeln — in blühende Landschaften.

Selbstgemachte Saatgut-Mischungen für Blumenwiesen

Aus diesem Grund ist Jonte Mais heimisches Esszimmer auch gleichzeitig zu einer Produktionsstätte geworden. Fast täglich sitzt er hier mit einem Löffel in der Hand am Tisch, vor sich eine Waage und viele bunte Schalen mit unterschiedlichem Saatgut. Eins davon sieht aus wie Konfetti.

Ein Junge produziert kleine Päckchen mit Körnern
Seine Saatgut-Mischungen produziert Jonte Mai im Esszimmer. Bild: Radio Bremen

 "Das Saatgut-Konfetti ist eine bunte Bienenmischung, die kann man einfach im eigenen Garten ausstreuen und dann wachsen daraus schöne Blumenwiesen für Insekten. So sterben die Insekten nicht und die biologische Vielfalt wird gefördert", erklärt Jonte.

Doch damit nicht genug. Der Bienenfreund hat auch noch einjähriges Saatgut, mehrjähriges Saatgut und Bienenpralinen im Sortiment. Jede Mischung kommt entweder in eine Plastikkugel oder in eine kleine Pappbox, die einer Streichholzschachtel gleicht. Alles wird in Handarbeit gemischt, verpackt und mit einem passenden Logo beklebt. Und anschließend auf ganz ungewöhnliche Art und Weise an die Kundschaft gebracht — in umfunktionierten Kaugummmiautomaten, die Jonte selbst baut.

"Ich kaufe sie meist im Internet und mache sie stabiler, indem ich sie mit Holz ummantele und ein Aluminiumdach draufsetze." Meist sind sie auch bunt bemalt.

Saatgut kommt aus dem Automaten

Einer seiner Saatgut-Automaten steht gleich bei Jonte Mais Elternhaus im Vorgarten.

Ein Saatgutautomat, daneben eine Biene aus Holz
Die Saatgut-Automaten sollen Blumenwiesen für Bienen bringen Bild: Radio Bremen

"Ich sehe immer wieder Menschen, die für 50 Cent eine Packung ziehen. Manche möchten einfach nur das nostalgische Gefühl von früher erleben, wenn man am Griff des Kaugummiautomaten dreht, andere unterstützen bewusst meine Aktion. Kinder, Eltern, aber auch Omas und Opas", sagt Jonte. Jeder, der vorbeikommt, kann so einen Teil dazu beitragen, seinen Garten oder Balkon auch auf kleinstem Raum insektenfreundlich zu gestalten. Die verwendeten Plastikkapseln sind wiederbefüllbar und können bei Rückgabe nachhaltig und ökologisch sinnvoll von Jonte weiter genutzt werden.

Für sein Engagement hat der Gymnasiast bereits Preise gewonnen. Mit seiner Idee des "Naturschutz2go" wurde er 2020 Bremer Landessieger beim Deutschen Nachbarschaftspreis. Beim deutschlandweiten "Beebetter Award 2020", vom Burda-Verlag ausgelobt, war sein Projekt unter den fünf herausragendsten zum Schutz der Bienen. Das Preisgeld hat er gespendet — an Vereine wie die Klimazone Findorff und die Klimawerkstatt Neustadt.

Automaten sind inzwischen in ganz Bremen verteilt

Mittlerweile stehen von Jonte Mai neun Automaten in Deutschland, die meisten natürlich in Bremen. In Findorff, in der Neustadt, am Theater und auf der Gemüsewerft in der Überseestadt. Auf dem ehemaligen Kellog-Gelände hat Jonte Mai einen Kondomautomaten zum Samenspender gemacht.

"Der Kondomautomat hat sogar drei Fächer, das fand ich praktisch. Da passen verschiedene Mischungen rein", lächelt der Schüler.

Damit auch immer genügend Ware da ist, muss Jonte ein- bis zweimal in der Woche kontrollieren, ob die Automaten Nachschub brauchen. Mit dem Lastenfahrrad macht er dann eine Tour durch Bremen. Und nicht nur das hält ihn auf Trab.

"Wenn der Samenspender mal klemmt, dann hängt daneben meine Telefonnummer und dann werde ich angerufen und muss herkommen und das Gerät schnell reparieren."

Darüber hinaus pflegt Jonte die sozialen Netzwerke, gibt gärtnerische Tipps und hält Abonnenten auf Instagram und Facebook über seine neusten Ideen auf dem Laufenden.

Um Geld geht es Jonte nicht

Für die Bienen opfert Jonte Mai seine Freizeit. Sein Vater findet das super — auch wenn Jonte immer einen vollen Tag hat. "Das ist viel Aufwand für ihn. In der Coronazeit war das kein Problem, da ist die Schule in den Hintergrund gerutscht", sagt Chris Mai, "aber zum Schulstart hat er schon daran gezweifelt, ob er das alles schafft. Muss er aber irgendwie. Er hat jetzt zwei Aufgaben, die Schule und die Saatgutautomaten weiter zu befüllen."

Jonte macht weiter. Sein Leben als Saatgut-Dealer gefällt ihm sehr — allerdings nicht wegen des Geldes. "Ich glaube, dass ich was bewegen kann und ich habe irgendwie auch gemerkt, dass ich etwas bewegen kann und das fühlt sich gut an", sagt Jonte.

Den Erlös aus den Automaten spendet Jonte — natürlich an bienenfreundliche Projekte.

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Autorin

  • Anke Kültür Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 4. September 2021, 19:30 Uhr