Gladbecker Geiseldrama: Gedenktafel für Opfer in Bremen-Huckelriede

Fast 31 Jahre nach dem Gladbecker Geiseldrama wurde jetzt ein Erinnerungsort für die Opfer und Hinterbliebenen am Busbahnhof Huckelriede eröffnet.

Der Gedenkstein an das Geiseldrama ist im Vordergrund zu sehen, im Hintergrund fährt ein Bus..

120 Zentimeter ist sie groß und aus hellem Granit. In ihr eingelassen ist eine Bronzeplatte mit der Inschrift: "Im Gedenken an die Opfer der Geiselnahme von Gladbeck vom 16. bis 18. August 1988" und die Namen der Opfer des Geiseldramas: Silke Bischoff, Emanuele De Giorgi und des Polizisten Ingo Hagen. Die Stele steht ab sofort auf einem Grünstreifen am Busbahnhof Huckelriede und soll an das erinnern, was vor fast 31 Jahren hier geschehen ist. Hier am Busbahnhof Huckelriede haben 1988 nach einem Banküberfall im nordrhein-westfälischen Gladbeck und einer anschließenden Verfolgungsjagd durch die Republik, zwei Täter einen voll besetzten Linienbus in ihre Gewalt gebracht haben, bevor sie mit zwei gekidnappten Frauen ihre Flucht fortsetzten.

Eine Erinnerung, die längst überfällig war, sagen auch die Opfer und Angehörigen, die zur Einweihung der Stele angereist sind. Das Wort ergriffen hat Johnny Bastiampillai, der als 7-Jähriger mit seiner Mutter im Geiselbus saß und ein Opfer sterben sah.

Heute ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich von der Politik gehört habe, dass einiges falsch gemacht wurde.

Johnny Bastiampillai

Politik entschuldigt sich bei Opfern

Gefordert hat er noch einmal, dass bei zukünftigen Ereignissen Opfer nicht mehr alleine gelassen werden. Dafür brauche es eine von der Politik initiierte Anlaufstelle für Opfer. Am Rande der Veranstaltung bekräftigte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), dass diese noch in diesem Jahr, wie von der Bürgerschaft beschlossen, eingerichtet werden soll. Sieling selbst entschuldigte sich in seiner Rede noch einmal bei den Opfern und Angehörigen für schwere Pannen und Fehler, die während der Geiselnahme gemacht wurden und für späte oder nicht erfolgte Unterstützung für sie.

Wie ich es im vergangenen Jahr getan habe, bitte ich Sie, die Betroffenen und ihre Angehörigen auch im Namen des Senats der Freien Hansestadt Bremen für die gemachten Fehler und Versäumnisse um Verzeihung.

Carsten Sieling, Bürgermeister Bremen

Das Gladbecker Geiseldrama offenbarte auch riesige Abstimmungsprobleme zwischen den einzelnen Ländern, betonte die Präsidentin der Bremischen Brügerschaft Antje Grotheer. Medien und Polizei hätten damals viele Fehler gemacht. Das wäre im Nachhinein ermittelt worden, die Opfer wurden aber vergessen. Viel zu oft seien die Namen der Täter genannt worden und die der Opfer vergessen. Deshalb freue sie sich, dass durch die Stele jetzt endlich die Erinnerung wach gehalten werde.

ARD-Film gab den Ausschlag

Menschen legen an einer Gedenktafel in Bremen-Huckelriede Blumen nieder.
Bei der Eröffnungszeremonie wurden auch Blumen niedergelegt.

Erst im vergangenen Jahr zum 30. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas kam das Geiseldrama durch einen von Radio Bremen in Auftrag gegebenen Fernsehfilm, der in der ARD zu sehen war, wieder auf die Tagesordnung. Auf Anregung der CDU wurde daraufhin einstimmig in der Bürgerschaft unter anderem der Erinnerungsort beschlossen. Es wurde Kontakt zu den Opfern und Hinterbliebenen aufgenommen und es gab die erste öffentliche Entschuldigung der Regierungschefs von Bremen und Nordrhein-Westfalen.

Auf der Stele ist ein QR-Code angebracht, über den man sich per Smartphone über die damaligen Ereignisse informieren kann. Unter anderem lassen sich dort Bürgerschaftsdebatten zum Geiseldrama und Untersuchungsberichte zu Fehlern der Polizei abrufen. Zudem wurde ein Ginkgobaum gepflanzt als Symbol für das, was Tod und Trauer überdauert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 30. März 2019, 12 Uhr