Bremerhavener Studentinnen designen Sonnenbrillen aus dem 3D-Drucker

Bremerhavener Studentinnen designen Sonnenbrillen aus dem 3D-Drucker

Drei junge Frauen mit Sonnenbrillen aus dem 3D-Drucker
Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke
Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Gedruckte Autoteile, Fleisch und Kleidung? Vor kurzem war das unvorstellbar. Jetzt kommen sogar Accessoires aus dem Drucker — designt von drei Bremerhavenerinnen.

Heute ist mit modernen 3D-Druck-Verfahren vieles möglich. In Bayern und Nordrhein-Westfalen stehen seit kurzem sogar die ersten beiden Wohnhäuser, die mit einem 3D-Betondrucker errichtet wurden. Auch an der Hochschule in Bremerhaven wird mit 3D-Druck experimentiert — allerdings sind die Produkte ein paar Nummern kleiner.

3D-Drucker und Sonnenbrillen
Das Team der druckbaren Sonnenbrillen konnte die Druckzeit schon um eine halbe Stunde mindern. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Bilge Aslan, Jacqueline Kneisel und Dilan Dogan studieren derzeit Medizintechnik in Bremerhaven. Seit April haben sie gemeinsam mit ihrer Professorin die Sonnenbrillen für den 3D-Drucker entwickelt. Der Vorteil: Die Sonnenbrillen können vor dem Druck an jede Gesichtsform angepasst werden — kein Rutschen, keine Druckstellen, sagt Jaqueline Kneisel. Denn Gesichter seien nie symmetrisch; die Brillen, die es zu kaufen gibt, dagegen schon — was da nicht passt, soll bei dem gedruckten Modell besser klappen.

Wenn du halt eine schiefe Nase hast, oder unterschiedlich hohe Ohren, dann ist es eine super Möglichkeit, die Brille genau dran anzupassen und den perfekten Durchblick dann zu haben.

Jacqueline Kneisel

Drei verschiedene Modelle haben die Studentinnen designt: Eine Brille ist kreisrund, eine dreieckig und eine viereckig. Alle haben einen breiten Kunststoffrand in schwarz oder weiß. So eine Sonnenbrille fällt auf, meint Dilan Dogan. Im Urlaub half sie ihr sogar als "Eisbrecher", um neue Leute kennenzulernen.

Gut Ding will Weile haben

Hin und her wandern die beiden Druckköpfe des 3D-Druckers. Sie hinterlassen eine dünne Schicht flüssigen Kunststoff, der innerhalb von Millisekunden erhärtet – ähnlich wie Kerzenwachs, erklärt Susanne Reimann, Professorin für Medizintechnik an der Hochschule Bremerhaven.

Kerzenwachs würden sie durch die Flamme warm machen. Und wenn die Flamme weg ist, ist es wieder fest. Und so ähnlich ist das mit dem Kunststoff. Sobald der den Druckkopf verlässt, kühlt er ab und verbindet sich mit der Schicht darunter.

Susanne Reimann, Professorin für Medizintechnik

So entsteht Schicht für Schicht ein Sonnenbrillen-Gestell. Der Nachteil: Das dauert trotz bereits optimierter Druckzeit sehr lange – um genau zu sein: sieben Stunden. Denn für eine Brille müssen circa 280 Schichten aufgetragen werden.

Nachhaltige Alternative

Sonnenbrillen aus dem 3D-Drucker
Die Studentinnen der Medizintechnik holten sich für das Projekt Hilfe von außerhalb. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke

Auch beim Thema Klimafreundlichkeit können die Sonnenbrillen punkten, zumindest die der drei Studentinnen. Denn die Brillen sind aus PLA – einem möglichst umweltfreundlichen Kunststoff, der aus Pflanzen gewonnen wird. Das ist nachhaltiger als Plastik aus fossilen Brennstoffen und Verpackungsmüll fällt auch nicht an. Doch das Material hat seine Tücken. Den Studentinnen ist schon alles mögliche damit passiert, das Material ist schon gebrochen und auch geschmolzen.

Die Hochschule will weiter forschen, das Material optimieren und die Druckzeit verkürzen, um Strom zu sparen. Denn bis zur Massenproduktion ist es noch ein weiter Weg. Trotzdem sei das Projekt zukunftsfähig, sagt Lars Reese. Er arbeitet als Optiker in Bremerhaven und hat die Studentinnen mit seinem Fachwissen unterstützt.

Dass in Zukunft jeder Optiker einen Drucker hat, wenn die Technologie durchgereift und auch schneller ist. Und jeder Kunde seine individuelle Fassung dann beim Optiker auch bestellen kann.

Lars Reese, Optiker

Nach siebeneinhalb Stunden verstummt der Drucker. Die Brillenfassung, die aus dem Rahmen und zwei Bügeln besteht, muss jetzt noch zusammengeschraubt werden. Außerdem fehlen noch die Gläser. Die kommen übrigens noch nicht aus dem 3D-Drucker, sondern – ganz klassisch – vom Optiker.

Für die Massenproduktion sind die Sonnenbrillen aus dem 3D-Drucker also noch nichts. Aber zumindest in Bremerhaven kann man jetzt schon, wenn die Sonne denn rauskommt, ein paar mehr ausgefallenere Brillenmodelle auf der Straße sehen.  

Weitere Informationen

Autorin

  • Mirjam Benecke Volontärin

Dieses Thema im Programm: COSMO, 11. September 2021, 08:20 Uhr