Dieser Arzt aus Stuhr testet den Corona-Impfstoff von Biontech

Der neu entwickelte und vielversprechende Corona-Impfstoff wird derzeit an 44.000 Menschen weltweit getestet. Und auch ein Hausarzt aus Stuhr spielt eine wichtige Rolle.

Video vom 10. November 2020
Eine Person, die am Oberarm geimpft wird.
Bild: Radio Bremen

Eigentlich sieht die Praxis von Lars Pohlmeier in Stuhr aus, wie bei jedem anderen Hausarzt auch. Wartezimmer, Behandlungsräume, Labor, Büro und Räume für die Blutabnahme. Aber in einem kleinen Laborraum erkennt man die Besonderheit dieser Praxis: Dort steht neben einem Schreibtisch ein großer eiserner Kühlschrank, der mit einem Schloss gesichert ist. Darin befindet sich bei -78 Grad Celsius der neu entwickelte Corona-Impfstoff von Biontech.

Minus 78 Grad steht auf einem Display
Der Impfstoff wird in der Praxis bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert. Bild: Radio Bremen

Momentan haben 44.000 Testpersonen weltweit den Impfstoff erhalten – 1.000 davon aus Deutschland. Und eine Praxis, die diese Menschen impft und überwacht ist die von Dr. Pohlmeier in Stuhr bei Bremen. Das bedeutet für ihn viel Büroarbeit, 24 Stunden erreichbar zu sein und selbst die Wochenenden verbringt er in seiner Praxis. "Wir wissen noch nicht, ob man gegen Corona einmal im Jahr impfen muss wie bei der Grippe, ob man zweimal impfen muss oder ob man einmal im Leben impfen muss. Das sind Fragen, die durch dieses Programm beantwortet werden", erklärt Pohlmeier.

Vor der Impfung muss das Medikament auftauen

Für die Studie hat Pohlmeier insgesamt 100 Freiwillige gefunden – bunt gemischt von 18 bis über 80 Jahre alt. Die hat er zu einem Beratungsgespräch eingeladen und anschließend bekamen sie die Impfung – zweimal innerhalb von drei Wochen. Allerdings hat nicht jeder die Corona-Impfung bekommen. Einer Hälfte wurde anstelle des Impfstoffes ein Placebo gespritzt. Dies sei bei Studien für neue Medikamente so üblich, um die Wirksamkeit zu beweisen. Bislang haben aber alle Teilnehmer kaum Nebenwirkungen, so der Arzt.

Wir haben alle mit der Pandemie zu kämpfen. Und wenn man seinen Teil dazu beitragen kann, finde ich das schon sehr interessant. Natürlich habe ich auch großes Vertrauen in meinen Arzt.

Testpatient Reinhard Schmidt

Reinhard Schmidt ist einer von 100 Testpersonen, die Pohlmeier geimpft hat und nun betreut. Er musste insgesamt zwei Stunden bei der Impfung warten bis das Medikament aufgetaut und verdünnt war. Dann wurde es ihm mit der Spritze injiziert. Als sein Arzt ihn gefragt hat, ob Schmidt bei dieser Studie mitmachen will, habe er nicht nicht lange überlegen müssen. 

Ein Mann mit Maske schaut auf einen PC-Monitor
Auch Lars Pohlmeier weiß nicht, welcher Patient den Impfstoff bekommen hat und wer ein Placebo. Bild: Radio Bremen

Wegen des großen Vertrauens hatte Schmidt auch keine Angst vor der Impfung oder möglichen Nebenwirkungen. Das Vertrauen kommt durch die jahrelange Betreuung, aber auch durch die Vorerfahrung, die Pohlmeier hat. Denn diese Studie ist nicht seine erste. Pharmaunternehmen fragen ihn regelmäßig zu anderen medizinischen Proben an. Deshalb hat er das Angebot von Biontech bekommen, diese Studie durchzuführen und zu betreuen. Für die Auswertung ist er allerdings nicht zuständig. "Ich bin Mittler der Daten", sagt Pohlmeier. Gibt es Besonderheiten, gebe er seine Einschätzungen ab.

Auch langfristige Nebenwirkungen werden untersucht

Alle Daten, die die Testpersonen in eine App eintragen laufen bei Pohlmeier zusammen. Er übermittelt sie an das Pharmaunternehmen. Der Arzt selbst weiß nicht, welcher Teilnehmer den richtigen Impfstoff bekommen hat. Auch das sei so üblich, sagt Pohlmeier. In ein paar Wochen geht die Studie in eine entscheidende Phase. Denn dann wird den Testpersonen Blut abgenommen, das auf Antikörper untersucht werden soll.

Zudem sind auch die langfristigen Nebenwirkungen noch nicht erforscht und auch nicht, wie sich die einzelnen Zusatzstoffe im Medikament auf den Körper auswirken. Deswegen betreut Pohlmeier seine Testpersonen insgesamt zwei Jahre lang. 

Arzt zum Corona-Impfstoff: "Die Auswertungen stehen noch an"

Video vom 10. November 2020
Der Arzt Dr. Lars Pohlmeier im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

Autor

  • Fabian Metzner

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. November 2020, 19:30 Uhr