Bremerhavener Forscher: Arktis taut viel schneller auf als erwartet

  • Den jetzigen Stand hätten Forscher erst in 80 Jahren erwartet
  • Bremerhavener Forscher sprechen von erschreckendem Ausmaß
  • Beim Auftauen freigesetztes CO2 fördert Klimawandel
Ein Luftbild zeigt grau-braune karge Landschaften.
Luftbild einer kargen Landschaft in Nordwestalaska, wo die AWI-Forscher aus Bremerhaven ihre Entdeckungen gemacht haben. Bild: Alfred-Wegener-Institut | Guido Grosse

Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben neue Belege, dass die tiefgefrorenen Permafrostböden in der Arktis deutlich schneller auftauen als gedacht. Mit Hilfe von Satellitenbildern beobachteten sie im Winter 2017/18 ein massives Abtauen in Alaska, heißt es in einer Mitteilung des Instituts. "Dieses Ausmaß hat uns erschreckt", so AWI-Geograf Ingmar Nitze. "Wir konnten gewissermaßen in die Zukunft sehen. Das Schmelzen wird dann katastrophale Ausmaße erreicht haben." Klima-Modelle hatten diesen Zustand eigentlich erst in etwa 80 Jahren erwartet. Wenn der Boden taut, gelangt das darin gespeicherte CO2 in die Luft und fördert damit den Klimawandel.

Kaum eine Region der Erde erwärmt sich laut AWI im Zuge des Klimawandels so schnell wie die Arktis. Das werde unter anderem daran sichtbar, dass die arktische Meereisfläche im Sommer immer kleiner wird. Doch auch an Land hinterlasse die Erwärmung immer deutlichere Spuren. So tauten die Permafrostgebiete von Nordamerika, Skandinavien und Sibirien seit einigen Jahren immer stärker auf – beispielsweise ganz im Nordwesten Alaskas. Beim Permafrost handelt es sich um Böden, die seit der letzten Eiszeit vor rund 20.000 Jahren oder sogar noch länger permanent bis zu mehrere Hundert Meter tief gefroren sind.

Autor

  • Joschka Schmitt Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Rundschau am Nachmittag, 1. Dezember 2020, 16 Uhr