Haben die Bremer keine Angst mehr vor einer Corona-Ansteckung?

Ob Picknick im Park oder Demo in der City: Die Lage in Bremen normalisiert sich. Bei manchen Menschen wirkt es, als nähmen sie die Abstands-Regel nicht mehr wichtig.

Video vom 6. Juni 2020
Hunderte Menschen demonstrieren im Viertel

Nach den erneuten Lockerungen Anfang Juni füllen sich Schlachte, Spielplätze und Sportanlagen wieder. Den Bremern scheint es jetzt schwer zu fallen, sich nach wie vor an die Corona-Regeln zu halten: Michaela aus Woltmershausen hat keine Angst vor einer Ansteckung: "Ich möchte endlich mein normales Leben zurück und ohne Maske einkaufen gehen. Es halten sich so viele nicht daran und ganz ehrlich: Abstand sollte man auf jeden Fall halten und vielleicht eine Maske im Bus. Aber irgendwann muss auch mal wieder Normalität kommen."

Amelie Thobaben von der Psychotherapeutenkammer Bremen
Es kommt auf die persönliche Überzeugung an, sat Psychologin Amelie Thobaben. Bild: Psychotherapeutenkammer Bremen

Dass es einigen Menschen in Bremen und Bremerhaven schwerer fällt, sich an die geltenden Regeln zu halten, könne viele Gründe haben, meint die Psychotherapeutin und Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Bremen, Amelie Thobaben. Es komme auf die persönliche Überzeugung an: Jemand, der selbst gefährdet sei, halte sich möglicherweise stärker an die Regeln.

Durch die stabile Zahl an Corona-Infektionen in der Stadt Bremen wird die Infektionsgefahr als geringer bewertet, glaubt Thobaben. Das könnte bedeuten, dass auch die eher vorsichtigeren Menschen gerade weniger Angst haben als noch vor ein paar Wochen und die persönlichen Kontakte bei gutem Wetter ausgeweitet werden.

René, ebenfalls aus Woltmershausen, hat keine Angst vor einer Ansteckung: "Ich bekomme von dem Virus nichts mit. Man sieht zwar die Leute mit Mundschutz, aber ich habe da keine Angst mich anzustecken."

Registrierte Verstöße

Laut dem Bremer Ordnungsamt gab es seit Beginn der Corona-Pandemie 2.622 Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen die Corona-Verordnungen. Am häufigsten wurde gegen die Kontaktauflagen wie Menschenansammlungen in der Öffentlichkeit sowie der Teilnahme an Feiern, Veranstaltungen oder sonstigen Zusammenkünften verstoßen.

Der Eindruck, dass sich viele Bremer nicht mehr an die Regeln halten, deckt sich mit den Erfahrungen der Polizei und des Ordnungsamts. Beide werden weiterhin die Ordnungswidrigkeiten verfolgen sowie die gebotene Verhältnismäßigkeit berücksichtigen, so Sandy Bradtke aus dem Pressereferat des Innensenators. Sie appelliert weiterhin achtsam und rücksichtsvoll zu sein.

Auch wenn sich für viele das Leben wieder 'normaler' anfühlt – die Lockerungen und Regeln setzen die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger voraus. Der bisherige Erfolg kann leicht verspielt werden. Das zeigt uns allein der Blick nach Bremerhaven oder Göttingen.

Sandy Bradtke, Innenressort Bremen

Rücksicht ist auch das Gebot von Stanko aus Gröpelingen: "Wenn wir uns an die Vorschriften halten, dann braucht man keine Angst zu haben."

Abstand vom Mindestabstand: Wochenmärkte sind trotz Corona gut besucht

Video vom 18. April 2020
Ein Wochenmarkt mit vielen Besuchern. Einige sind mit Mundschutzmasken zu sehen.

Autorin

  • Marike Deitschun

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 25. Mai 2020, 15 Uhr