Warum Bremer Restaurants einen eigenen Lieferdienst gegründet haben

Lieferando und Co. erleben seit Corona einen Boom. Einige Restaurants im Bremer Viertel wollen davon unabhängig sein - und schicken ihren eigenen Lieferdienst los.

Video vom 8. April 2021
Ein Mann von einem Lieferdienst übergibt mit Handschuhen vier Pizza-Kartons an eine Kundin.
Bild: Imago | MiS

Riesige Auswahl, wenige Klicks und alles ganz einfach: Seit der Corona-Pandemie haben Lieferdienste wie Lieferando einen enormen Zulauf erlebt. Auch Restaurants in Bremen sind seither vielfach auf die Lieferketten angewiesen und wickeln ihr Bestellungen darüber ab.

Doch viele von ihnen sind damit gar nicht zufrieden. Im Viertel haben sich deshalb mehrere Gastronomen zusammengetan und sich eine eigene Alternative zu Lieferando und Co. überlegt, um unabhängig zu sein.

Restaurants zahlen hohe Provision an Lieferando

Das Restaurant "Pott und Pann" im Bremer Viertel ergeht es seit Monaten wie allen anderen Gastronomen: Für den Restaurantchef Babak Darabi und sein Team ist Außer-Haus-Verkauf zurzeit die einzige Möglichkeit, um überhaupt Geld zu verdienen. Seit Monaten muss die Gastronomie aufgrund der Corona-Situation geschlossen bleiben. Wie viele andere Gastronomen haben auch sie ihre Corona-Hilfen zu spät erhalten und mussten tätig werden.

Beim zweiten Lockdown war leider das Problem, dass wir es uns finanziell nicht mehr leisten konnten, überhaupt nichts zu machen. Wir dachten uns, da müssen wir jetzt tätig werden. Dazu kam auch noch, dass wir unsere Corona-Hilfen zu spät bekommen haben.

Der Gastronom Babak Darabi vom Restaurant "Pott und Pann" im Bremer Viertel sitzt und blickt in die Kamera.
Babak Darabi, Restaurantchef "Pott und Pann"
Ein Fahrer des Lieferdienstes Lieferando steht an einem Fahrrad im Bremer Viertel mit einem Rucksack auf dem Rücken.
Lieferando verlangt für das Auflisten und Ausliefern durch ihre Webseite hohe Provisionen, die sich nicht jedes Restaurant leisten können. Bild: Radio Bremen

Aus diesem Grund haben sie sich mit ihrem Restaurant "Pott und Pann" im Oktober letzten Jahres zunächst bei Lieferando angemeldet. Der Lieferdienst dominiert den Markt in Deutschland und ist zurzeit so erfolgreich wie nie – dank der Corona-Pandemie.

Dafür, dass sein Restaurant überhaupt bei Lieferando aufgelistet wird, zahlt Babak Darabi 13 Prozent Provision pro Bestellung an Lieferando. Würde der Lieferdienst die Bestellungen auch noch ausliefern, müsste er sogar ganze 30 Prozent Provision zahlen.

Das ist viel zu viel! Deswegen sind wir, andere Gastronomen aus der Nachbarschaft und ich, auf die Idee gekommen, dass nicht jeder einen eigenen Fahrer für sich hat. Denn das rentiert sich überhaupt nicht.

Der Gastronom Babak Darabi vom Restaurant "Pott und Pann" im Bremer Viertel sitzt und blickt in die Kamera.
Babak Darabi, Restaurantchef "Pott und Pann"

Drei Restaurants aus dem Bremer Viertel haben sich bisher zusammengeschlossen: Pott und Pann, Burgerhaus und MeKong Grill. Gemeinsam haben sie ihre Webseite "viertel-lieferservice.de" aufgestellt, über die die Essensbestellungen abgewickelt werden. Babak Darabi und sein Team übernehmen das Ausliefern – der Chef fährt natürlich auch selbst. Die Restaurants liefern teilweise auch über das Viertel hinaus bis in die Neustadt oder Schwachhausen.

Die eigene Webseite läuft sehr gut an: "An guten Tagen sind es bis zu 30 Bestellungen", sagt Babak Darabi. Dabei haben sich auch schon viele Stammkunden auf den neuen alternativen Lieferdienst fokussiert. Darunter ist unter anderem die Bremerin Barbara Dieterle.

Es gibt halt inzwischen nur noch Lieferando. Ein paar Freunde von uns arbeiten da und wir haben auch Freunde, die darüber bestellen. Die nehmen einfach wahnsinnig viel Prozent. Wir möchten hier gerne die Läden im Viertel unterstützen.

Barbara Dieterle, Stammkundin von "viertel-lieferservice.de"

Lieferando hält Provision für angemessen

Bei Lieferando nachgefragt, bezeichnen sie die Höhe und Begründung der zu zahlenden Provisionen als "marktüblich" und angemessen.

Dafür sparen sie nicht nur die Kosten für eine zeit- und personalintensive Annahme und Abwicklung von Bestellungen per Telefon sowie für die Erstellung und Pflege einer Webseite oder App. Restaurantpartner profitieren von der Sichtbarkeit auf lieferando.de.

Oliver Klug, Pressesprecher Lieferando

Pott und Pann, Burgerhaus und MeKong Grill sind trotz starker Konkurrenz von ihrem eigenen Lieferdienst überzeugt. Bald soll dieser sogar noch erweitert werden: Vier weitere Restaurants aus dem Viertel wollen sich ihnen anschließen. Babak Darabi ist zuversichtlich: "Ich hoffe sehr, dass auch die Kunden dann auf uns aufmerksam werden und bei uns bestellen."

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Video vom 29. November 2020
Zwei Personen trinken Rotwein in einem Wohnmobil.
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Catherine Wenk
  • Madita Thomas

Dieses Thema im Programm: buten un binnnen, 8. April 2021, 19:30 Uhr