30 Jahr fast taub – jetzt kann dieser Mann aus Scheeßel wieder hören

Günther Beckstein und Christian Lilienweiß über Schwerhörigkeit

Bild: Privat

Kleine Vorrichtung, große Wirkung. Seitdem Christian Lilienweiß aus Scheeßel 17 Jahre alt ist, kann er kaum hören. Ein Cochlea-Implantat hat ihm ein neues Leben geschenkt.

Für Viele ist Schwerhörigkeit noch immer ein Tabu-Thema. Christian Lilienweiß aus Scheeßel sieht das nicht so. Während einer Mandeloperation in seiner Jugend waren Komplikationen aufgetreten, die sein Gehör schwer beschädigten. Rund 30 Jahre lang hat das eingeschränktes Hörvermögen seinen Alltag geprägt. Für ihn grenzt es an ein Wunder, dass er mit 55 Jahren heute wieder hören kann.

Bayerischer Ex-Ministerpräsident bringt Lilienweiß' Stein ins Rollen

Mit klassichen Hörgeräten kam Lilienweiß nicht viel weiter. Dann kam sein entscheidender Moment: Lilienweiß sieht den CSU-Politiker und ebenfalls Betroffenen Günther Beckstein im Fernsehen: Der ehemalige Ministerpräsident von Bayern erzählt, wie er mit dem Cochlea-Implantat seine Gehörlosigkeit hinter sich gelassen hat — für Lilienweiß ein Aha-Moment. Über die Jahre setzt er sich mit der Vorrichtung, die chirurgisch im Ohr eingesetzt wird, auseinander. Vor einer OP hat er lange großen Respekt. Als zu gefährlich stuft er damals die verbundenen Risiken ein. Die OP bezeichnet die "Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e.V." mittlerweile als Routineeingriff.

Wie funktioniert ein Chochlea-Implantat?

Das Cochlea-Implantat besteht aus zwei Teilen: ein Teil ist außen am Hinterkopf befestigt, der andere Teil steckt Im Innenohr in der Hörschnecke (der Chochlea). Das Implantat nimmt von außen Geräusche aus der Umgebung auf und wandelt es in elektrische Signale um. Diese Signale können von innen den Hörnerv stimulieren und erzeugen so Geräusche für den Träger. Anders als klassiche Hörgeräte verstärkt das Implantat die Sinneszellen nicht einfach, sondern es ersetzt sie.

Für wen kommt ein Implantat infrage?

Das Implantat hilft Erwachsenen und Kindern mit beinträchtigtem Gehörsinn wieder zu hören. Voraussetzung ist ein gesunder Hörnerv. Ob und in welchem Umfang ein Cochlea-Implantat den Betroffenen hilft, hängt von individuellen Gesundheitsfaktoren ab, zum Beispiel von der Gehirnleistung und der Lernfähigkeit.

Wie viele Menschen nutzen das Implantat?

Wie viele Implantate bei Betroffenen eingesetzt sind, wird statistisch in Deutschland nicht erfasst. Im Januar 2022 ist deshalb ein deutschlandweites Register eingeführt worden. Nach Angaben der Fachzeitschrift "HNO" haben Kliniken in den ersten 15 Monaten rund 2.000 Patienten in das Register aufgenommen.

Was kostet ein Implantat?

Die Kosten betragen rund 40.000 Euro. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen den Einsatz von Chochlea-Implantaten.

Nach vielen Diskussionen mit seiner Familie und seinen Ärzten folgt Lilienthal schließlich Becksteins Beispiel und entscheidet sich 2018 für eine OP. Bis heute hat Christian Lilienweiß seine Entscheidung nicht eine Sekunde bereut.

Dieses Thema im Programm: 3nach9, 16. Juni 2023, 22:30 Uhr