Bremer Kliniken fordern Geld für Energie: "Uns läuft die Zeit davon"

Eine Schwester läuft über den Flur eines Krankenhauses

Bremer Krankenhäuser läuft ohne Abwehrschirm die Zeit davon

Bild: DPA | Soeren Stache

Steigende Kosten bringen Kliniken und Arztpraxen in Bremen in Bedrängnis. Aber ein Abwehrschirm für Kliniken stand bei den Bund-Länder-Gesprächen nicht auf der Agenda.

Eigentlich hatten die Krankenhäuser deutschlandweit auf einen "Doppel-Wums" gehofft, wie ihn Kanzler Scholz den Bürgerinnen und Bürgern und vielen Branchen versprochen hat. Ohne ein Krisen-Hilfsprogramm befürchten viele Kliniken eine Pleitewelle.

Bei Gesprächen zwischen Bund und Ländern war ein Abwehrschirm für Kliniken aber kein Thema. Das sorgt bei den bremischen Krankenhäusern für Unverständnis. Denn die Kliniken und Krankenhäuser haben in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, klarzumachen, dass ihre wirtschaftliche Lage sich in den nächsten Monaten zuspitzen wird.

Uns läuft die Zeit davon.

Uwe Zimmer von der Bremer Krankenhausgesellschaft

Und er befürchtet auch eine Pleitewelle, wenn die Politik nicht gegensteuert. "Es muss zeitnah eine auskömmliche Finanzierung des Klinikwesens her," sagt Uwe Zimmer von der Bremer Krankenhausgesellschaft. Man sei jedoch "verhalten optimistisch", die Politik nehme das Thema wahr.

Steigende Kosten nicht nur durch Strom und Gas

Man könnte denken, es sind die Energiepreise, also Strom und Gas. Aber das ist tatsächlich nur ein kleinerer Teil des Problems. Es ist vor allem die Inflation und ihre Folgen. Neben den steigenden Kosten für Lebensmittel, medizinisches Zubehör und Medikamente wiegen die Personalkosten am schwersten. Denn auch wegen der Inflation habe es in diesem Jahr höhere Tarifabschlüsse gegeben.

Das Geld, das die Kliniken für die gestiegenen Gehälter ausgeben müssen, könnten sie sich nirgendwo wiederholen, heißt es von der Krankenhausgesellschaft. Auch im nächsten Jahr nicht. Deshalb rechne sie mit einem Finanzloch von 143 Millionen Euro bis Ende 2023. "Es könnte sein, dass das Geld bei einigen Häusern in Bremen und Bremerhaven nicht bis dahin langt. Dann müssten die im schlimmsten Falle Insolvenz anmelden, wenn es nicht so etwas wie einen Inflationsausgleich gibt." Dazu müsste Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) die entsprechenden Gesetze ändern.

Einschränkungen in Fachpraxen

Die Kassenärztliche Vereinigung warnt davor, dass sich vor allem Spezialärzte einschränken müssten. Die Praxen, die mit energieintensiven Geräte arbeiten, müssten ihr Angebot dann einschränken. Betreffen würde das zum Beispiel Radiologen. Das wäre dramatisch für viele Tausend Krebspatienten, sie müssten in dem Fall länger auf eine Bestrahlungsbehandlung warten.

Gleiches gilt für Computertomographen oder MRT-Geräte, auch sie brauchen viel Strom. Schon jetzt müssen Patienten lange auf einen Untersuchungstermin warten. In Zukunft könnten die Wartezeiten dann noch länger werden. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht noch ein Problem: Denn in Bremen arbeiten diese Fachpraxen auch für Krankenhäuser. Es könnte im schlimmsten Fall sein, dass zum Beispiel Schwerverletzte nachts nicht sofort in die Röhre können. "Wir erwarten, dass der Schutzschirm für die Krankenhäuser auch für Praxen aufgespannt wird", sagt Kurt Josenhans vom KV-Vorstand in Bremen. Dabei haben die Kliniken ja auch noch keinen Abwehrschirm.

Autor

  • Folkert Lenz

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 6. Oktober 2022, 6:20 Uhr