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Bremerhavener Forscher finden Grund für schnellen Meeresanstieg

Bild: Radio Bremen

Wie schnell der Meeresspiegel zukünftig ansteigt, hängt stark vom grönländischen Eisschild ab. Dass sich die Eisströme schnell verändern, war bisher völlig unbekannt.

Ihre neusten Erkenntnisse über Eisströme und ihre Auswirkungen auf den Meeresanstieg haben die Forscher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts jetzt in der in der Fachzeitschrift "Nature Geoscience" veröffentlicht. Hier das Wichtigste in Kürze:

Was genau haben die Forscher herausgefunden?
Große Eisströme können sich innerhalb von wenigen Tausend oder sogar mehreren Hundert Jahren abschalten und in anderen Regionen ähnlich schnell neu entstehen. Das haben die Forscher herausgefunden, indem sie zwei Eisströme im grönländischen Eisschild rekonstruiert haben.
Wie genau sind die Forscher vorgegangen?
Mit hochauflösenden Radarsystemen konnten sie die Strukturen im Inneren des Eisschilds in mehreren Tausend Metern abbilden. "Mit unseren eisdurchdringenden Radarmessungen können wir zeigen, wie schnell sich das Eistransportsystem des grönländischen Eisschildes neu konfiguriert. Dass sich die großen Eisströme in dieser Geschwindigkeit verändern, war bisher völlig unbekannt", berichtet AWI-Glaziologe Steven Franke, der Erstautor der aktuellen Studie.
Was bedeutet diese Erkenntnis?
Die Forscher ziehen die Schlussfolgerung, dass der Anstieg der Meeresspiegel unter anderem davon abhängt, wie dynamisch oder stabil der grönländische Eisschild ist. Die durch das Radar sichtbar gemachte Fließgeschichte des Eises liefert nun Hinweise zur zeitlichen und räumlichen Entwicklung dieser Dynamik. Die Eisbewegungen müssen laut AWI bei Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels stärker in Betracht gezogen werden. So können sie zukünftig besser in Modellen abgebildet werden, die vorhersagen, wie die Eisschilde auf die globale Erwärmung reagieren.

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Dezember 2022, 19.30 Uhr