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Airport-Chef appelliert an die Politik: "Das schaffen wir nicht alleine"

Seit 100 Tagen führt Elmar Kleinert den Bremer Airport. Er will Bremen gegen die subventionierte Konkurrenz in Hannover und Münster/Osnabrück wappnen.

Flughafenchef Elmar Kleinert
Seit Juli ist Elmar Kleinert Geschäftsführer des Bremer Flughafens. Bild: DPA | Jörg Sarbach

In seinen ersten 100 Tagen auf dem Chefsessel des Bremer Flughafens durchlebte Elmar Kleinert bereits ein Wechselbad der Gefühle. Erst holte er mit Wizz Air einen neuen Billigflieger nach Bremen. Danach drohte Billig-Platzhirsch Ryanair mit dem Abgang. Dazu muss der neue Flughafenchef auch mit Sanierungsstau und miesem Betriebsklima fertigwerden. Nun appelliert er an die Politik, dem Airport beim Ausbau zu helfen.

Trotz der Herausforderungen, lädt Kleinert strahlend in sein Büro. Sofort fällt Besuchern ein großes Flugzeug-Modell ins Auge, der Fieseler Storch. Der Hobbypilot will sein Team offenbar anstecken mit seiner Begeisterung für die Luftfahrt. Der unrühmliche Abgang seines Vorgängers Jürgen Bula steckt den Mitarbeitern noch in den Knochen. Er weiß, dass viel Arbeit vor ihm liegt.

Man kann Impulse und Ideen an seine Führungsmannschaft geben, wie man die Betriebsatmosphäre verbessern kann. Man muss es vorleben. Und das ist ein Prozess, der braucht eine Weile.

Elmar Kleinert, Geschäftsführer Flughafen Bremen

Elmar Kleinert sucht die Tuchfühlung mit der Belegschaft, will den operativen Betrieb stärken, weniger Verwaltungskräfte. Gute Laune beim Mitarbeiter auf dem Vorfeld reicht ihm aber nicht.

Sanierungsstau und keine Subventionen

Das zweite große Thema für den Flughafenchef ist der Sanierungsstau. Digitalisierung, Sicherheit, Vorfeld, Rollwege, Gepäckanlage: In den vergangenen zwölf Jahren sei wenig modernisiert worden und all das koste Millionen. Und es gebe die unausgesprochene Erwartungshaltung seitens der Politik, die Aufgaben ohne zusätzliches Geld zu stemmen, meint Kleinert. Das sei Geld, das man natürlich gerne in die Akquise neuer Airlines stecken würde, so wie andere Mitbewerber auch. Aber im Augenblick und in dieser Form könne man das nicht.

Elmar Kleinert bei der Pressekonferenz am Bremer Airport
Kleinert und Staatsrat Ekkehart Siering bei der Vorstellung des neuen Flughafenchefs.

Außerdem nehmen subventionierte Flughäfen Bremen in die Mangel: Hannover, Münster/Osnabrück, ja sogar Groningen. Die würden in Bremen "wildern", so der Flughafenchef. Mit Bordmitteln komme man nicht dagegen an. Für einen erfolgreichen Flughafen sei eine breite Unterstützung notwendig.

Gerade im touristischen Bereich und im Lowcost-Bereich kann man in Zukunft sicherlich 'ne ganze Menge erreichen. Aber das schafft der Flughafen nicht alleine. Da braucht man die Wirtschaft, da braucht man die Politik. Der Flughafen – allein mit dem Thema 70 Millionen Instandhaltungsrückstau in den nächsten Jahren – wird dazu schwerlich in der Lage sein.

Elmar Kleinert, Geschäftsführer Flughafen Bremen

Aber noch will der Gesellschafter, die Stadt Bremen, nichts von Subventionen wissen. Klarheit werde es erst nach der Bürgerschaftswahl geben. Aber damit kein falscher Eindruck entsteht, betont er auch, dass der Flughafen an sich kein Sanierungsfall sei. Wenn man sich nur den Betrieb und nicht die Investitionen anschaue, dann sei Bremen hochgradig wirtschaftlich.

Kleinerts Vision von leisen Elektro-Flugzeugen

Eine gesunde Basis habe der Airport. Und sogar der leidige Fluglärm erledige sich absehbar von selbst, glaubt Elmar Kleinert.

Irgendwann wird man Flugzeuge fast gar nicht mehr hören. Spätestens in 20 Jahren werden sie elektrisch fliegen. Dann bleibt nur noch der Vorteil der Citynähe, der guten Erreichbarkeit und der hohen Konnektivität.

Elmar Kleinert, Geschäftsführer Flughafen Bremen

So viel Optimismus unter widrigen Umständen begeistert auch den Aufsichtsratschef des Flughafens, Staatsrat Ekkehart Siering. Die 100-Tage-Bilanz von Elmar Kleinert sei außerordentlich positiv. "Mit dem können wir die Zukunft gestalten", glaubt der Chef des Flughafenchefs.

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Mittag, 8. Oktober 2018, 12 Uhr