Sprachdefizite bei Kita-Kindern: Was tut Bremen?

Eine Erzieherin nimmt in einer Kita Spielzeug aus einem Regal, während ihr ein Junge zuschaut.

Wie eine Bremer Kita Kindern beim Deutschlernen hilft

Bild: dpa | Swen Pförtner

Die Hälfte der Vorschulkinder in Bremen spricht schlecht Deutsch und braucht Sprachförderung. Aber wie funktioniert das? Ein Besuch in einer Kita in Vegesack.

Viele Kinder im Land Bremen sprechen schlecht Deutsch, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Qualitätsentwicklung. Die Kinder sollen in den Bremer Kitas deswegen Sprachförderung bekommen, in vielen Häusern scheitert das aber am Fachkräftemangel und den großen Kitagruppen. Eine Kita in Bremen Nord allerdings versucht seit Jahren, die Sprachförderung in den Mittelpunkt zu stellen.

Ein typischer Vormittag in der Kita Haus Windeck in Bremen-Vegesack beginnt mit Musik: Sieben Kinder sind um Erzieherin Gaby Kölling versammelt und singen das Schuwidu-Lied, Abkürzung für "Schulkind wirst Du". Denn im August soll es bei ihnen so weit sein: Da sollen sie in die erste Klasse kommen.

Aber viele Vorschulkinder sprechen eigentlich noch nicht genug Deutsch dafür. Deshalb kümmert sich Kölling um sie. In ihren Räumen im ersten Stock der Kita kommen die Kinder in Kleingruppen vorbei und üben spielerisch Vokabeln, Grammatik und simple Sätze.

Viele Kinder können am ersten Tag kein Deutsch

"Die Kinder brauchen diese kleine Gruppe, um sich auch zu üben", erklärt Kölling. "Um sich auch mit wenigen Kindern mal auszutauschen und sich etwas zu trauen, was sie sich in einer Zwanziger-Gruppe nicht trauen würden.“ Haus Windeck liegt in einem Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt und eine hohe Sprachförderquote unter Vorschulkindern hat: 57 Prozent, also höher als der Bremer Durchschnitt von 49 Prozent. Für viele Kinder ist deutsch nicht die Muttersprache, einige können an ihrem ersten Kitatag kein Wort Deutsch.

Deswegen versucht das Team, Kinder aller Altersklassen mit Sprachspielen oder Vorlesestunden zu unterstützen. Damit hoffen sie, dass die Kinder bis zur Schule auch gut sprechen können, sagt Leiterin Susanne Killing.

Ich glaube, die Kinder gehen auf jeden Fall mit mehr Sprachkenntnissen in die Schule. Ob es für die erste Klasse reicht, das sei infrage gestellt.

Susanne Killing, Kita-Leiterin "Haus Windeck"

Die Sprachförderung bedeute auch einen Mehraufwand für die Erzieherinnen und Erzieher. Und, das sei auch klar: Sie sei eine erhebliche Belastung für das Personal, sagt Killing.

Wenn eine Kollegin hier ins Büro kommt und den Tränen nah ist und sagt: Ich kann gar keine Bilderbuchbetrachtung machen, weil ich das Gefühl habe, mich versteht keiner – dann ist das eine andere Wirkung.

Susanne Killing, Kita-Leiterin "Haus Windeck"

Gebärdensprache hilft beim Lernen

Dass viele Kinder zuhause kein Deutsch sprechen, spiele sicher eine Rolle, sagt die Kita-Leiterin. Aber sie sieht auch andere Faktoren: Wenn Kinder kaum noch mit den Eltern sprechen und nur noch am Handy sitzen, so Killing, dann beeinflusse das die Sprachkenntnisse.

Wir versuchen hier eben definitiv ganz viel und den ganzen Tag mit den Kindern sprechen und die Sprachförderung in Gang zu halten, im Prozess.

Susanne Killing, Kita-Leiterin "Haus Windeck"

Im Haus Windeck werden deshalb auch Zeichen der Deutschen Gebärdensprache benutzt. So sollen auch die Kinder im Alltag mitgenommen werden, die bisher kaum mit Deutsch in Berührung gekommen sind. Wochentage, Zahlen und Farben gehören zum Standardrepertoire.

In Gaby Köllings Sprachstunde sitzen die Kinder inzwischen an einem kleinen Holztisch, vor ihnen sind Töpfe mit Farben aufgebaut. Jeder hat ein Blatt Papier vor sich und einen Strohhalm in der Hand. Damit sollen die Kinder nicht nur die Wörter für die Farben lernen, sondern auch Begriffe wie Papier oder Strohhalm verinnerlichen. Die Kinder tropfen Farbkleckser auf ein Papier und Pusten es mit einem Strohhalm über das Papier – so basteln sie "Feuerwerk". Am Ende wird das Ganze mit Glitzer bestreut.

Auch einfache Wörter müssen geübt werden

"Die Kinder brauchen ganz viel Wortschatz und das steckt auch in dieser Stunde", erklärt Kölling. Denn die Kinder lernen so nicht nur, Farben zu benennen, sondern auch, um Papier oder Pinsel zu bitten. Damit entstehen Gespräche, und ganz automatisch auch eine Sprachübung. "Es sind vielleicht für uns ganz banale Wörter, aber manche Kinder haben sie noch nicht ganz verstanden", erklärt Kölling.

Nach einer Stunde haben alle Kinder ein Feuerwerk gebastelt. Und wie die Stunde begonnen hat, soll sie auch enden: Die sieben Kinder versammeln sich um Kölling und singen ein Abschlusslied. Die einen mehr textsicher, die anderen weniger. Für Kölling war die Stunde ein Erfolg – selbst wenn einige Kinder nur ein paar Sätze gesagt haben.

Ich liebe es, wenn ich es schaffe, ein Wort aus einem Kind rauszuholen, das den ganzen Tag noch nichts gesagt hat.

Erzieherin Gaby Kölling

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Autorin

  • Lisa-Maria Röhling
    Lisa-Maria Röhling

Quelle: buten un binnen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 17. Januar 2024, 7:10 Uhr