Als der Seenotkreuzer "Bremen" zum Prototyp wurde

Seenotrettungskreuzer "Bremen" auf dem Weg in den Museumshafen in Bremen-Vegesack.

21.1.1953: Erster unsinkbarer Seenotrettungskreuzer

Bild: DPA | Ingo Wagner

Hochseetüchtig, aber auch im Flachwasser geeignet, quasi unsinkbar und deutlich schneller als die bisherigen Schiffe: So sollte das Rettungsboot der Zukunft sein.

Seenotrettungskreuzer "Bremen" liegt im Museumshafen in Bremen-Vegesack.
Die "Bremen" liegt im Museumshafen in Vegesack. Bild: DPA | Sina Schuldt

Anfang der 50er-Jahre formulierte die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) diese Anforderungen. Am 21. Januar 1953 wurde solch ein moderner Seenotrettungskreuzer mit dem Namen "Bremen" in Dienst gestellt. Damals ein technischer Meilenstein. Heute ein Museumsschiff, das in Vegesack vor Anker liegt – da, wo es auch gebaut wurde. Mithilfe von Spenden, der Unterstützung von Firmen und viel ehrenamtlicher Arbeit wird das historische Schiff instand gehalten.

"Konsul Kleyenstüber", "Oeltjen" und "Wal": Viele Namen hat sie im Laufe ihrer mehr als 90-jährigen Geschichte gehabt. Sie war Motorrettungsboot, Hafenschlepper und Privatyacht. 2013 kaufte sie der Bremer Unternehmer Klaus Hübotter, um sie vor der Verschrottung zu bewahren. Jetzt trägt sie wieder den Namen, unter dem sie Geschichte gemacht hat.

Ohne Ehrenamtliche geht es nicht

Kai Steffen steht im Museumshafen in Bremen-Vegesack auf dem historischen Seenotrettungskreuzer "Bremen".
Kai Steffen kümmert sich ehrenamtlich um die "Bremen". Bild: DPA | Sina Schuldt

Einer, der sich zusammen mit einer Crew von Ehrenamtlichen um die "Bremen" kümmert, ist Kai Steffen. Unzählige Arbeitsstunden haben sie schon in das Schiff gesteckt. Und viel Arbeit liegt noch vor ihnen. Was sie antreibt, ist bei allen die Begeisterung für Seenotrettung natürlich, aber auch für dieses alte, denkmalgeschützte Schiff, was ein Meilenstein in der Seenotrettung war.

Das historische Schiff soll wieder so weit wie möglich dem Originalzustand von 1953 ähneln, als es zum Seenotkreuzer umgebaut war.

Kai Steffen, ehrenamtlichen Helfer

Und dann zählt er auf: "Wir haben die Reling wieder in den Zustand versetzt, in dem sie ursprünglich war. Wir haben die Farben angepasst. Wir haben ganz viele Aufbauten auf Deck wieder abgebaut, die Ankerwinde instand gesetzt. Besonders viel geändert hat sich auf dem Achterdeck, wo wir einen Aufbau entfernt haben und jetzt wieder die Wanne für ein Tochterboot vorhanden ist."

So hat die "Bremen" die Seenotrettung vor 70 Jahren revolutioniert

Bild: Radio Bremen

Selbst aus größter Schräglage von allein wieder aufrichten

Die "Bremen" war der erste Seenotkreuzer, der sich auch bei großer Schräglage selbst wieder aufrichten konnte. Und der Erste, der "huckepack" ein Tochterboot dabei hatte. Wichtig gerade für den Einsatz an der Wattenmeerküste, denn das Tochterboot kann auch im flachen Wasser eingesetzt werden. Auf der Außenweser und der Nordsee begann die DGzRS vor 70 Jahren, den neuen Versuchskreuzer zu erproben, wie etwa das Tochterboot wieder aufzuholen. Das war damals eine völlig neue Technik.

Versuchsseenotkreuzer "Bremen" mit Tochterboot 1953
So sah die "Bremen" aus, wenn sie huckepack mit ihrem Tochterboot zum Einsatz ausrückte. Bild: DGzRS

Ein sich selbst wieder aufrichtendes Rettungsschiff mit Tochterboot – beides prägt die moderne Flotte der DGzRS bis heute. Die "Bremen" erfüllte 1953 zwei wesentliche Anforderungen, die an den neuen Schiffstyp zur Seenotrettung gestellt wurden. Das Einzige, was man mit der "Bremen" nicht testen konnte, war die Verdoppelung der Geschwindigkeit, was einfach daran liegt, dass die "Bremen" einen sehr schmalen Rumpf hat, wo man keinen 1.000-PS-Mittelmotor einbauen konnte.

"Bremen" war kein Neubau

Denn die "Bremen" war kein Neubau, sondern ein außer Dienst gestelltes Motorrettungsboot, 1931 bei der Lürssen-Werft vom Stapel gelaufen und dann 20 Jahre später zum Versuchskreuzer umgerüstet. Die Versuchsphase war erfolgreich. Es folgten Stationierungen in Bremerhaven, später auf Amrum und Sylt. Und ein kurzer Filmauftritt:

1965 wurde die "Bremen" außer Dienst gestellt und verkauft. Weil sie eben doch an ihre Grenzen stieß, sagt der DGzRS-Sprecher Christian Stiepeldey: "Der große Wurf ist dann erst wenige Jahre später gelungen mit der 'Theodor Heuss', dem ersten in Serie gebauten Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot. Ein Schiff dieser Serie, die in Bremen nicht unbekannte 'H.H.Meier', ist deswegen auch im Deutschen Museum als technisches Denkmal erhalten."

Für Kai Steffen und die anderen Ehrenamtlichen dagegen ist die "Bremen" das wichtigste Schiff in der Geschichte der Seenotrettung. Und sie werden weiter Spenden sammeln, Fördergelder beantragen und daran herumbauen. Nächstes Ziel ist es, das alte Tochterboot wiederzufinden oder einen Ersatz zu bauen.

So hat die "Bremen" die Seenotrettung vor 70 Jahren revolutioniert

Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Birgit Sagemann

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Stichtag, 21. Januar 2023, 5:40 Uhr