Evakuierungsodyssee: Bremer Urlauber erleben Waldbrände auf Rhodos

Rhodos: ein Mann trägt ein Kind auf dem Arm, als sie ein Waldbrandgebiet verlassen müssen.

So erlebten Bremer Urlauber die Waldbrände auf Rhodos

Bild: dpa | InTime News/AP/Lefteris Damianidis

In der Nacht ist am Bremer Airport ein Flieger von der griechischen Insel Rhodos gelandet. Einige der Reisenden berichten von beängstigenden Momenten.

Eigentlich gilt die griechische Insel Rhodos als Ferienparadies – doch in der letzten Woche wurde sie für viele Urlauber eher zur feurigen Hölle: Seit mehr als einer Woche wüten dort Waldbrände. "Wir waren in Gennadi, also im Süden. Und wir konnten über längere Zeit sehen, dass sich das Feuer nähert", berichtet Kai Wehmeier aus Stade, der am Abend mit einem Flieger aus Rhodos am Bremer Flughafen ankam.

Urlauber kritisieren chaotische Evakuierung

Zwei Männer und drei Kinder stehen mit Koffern im Bremer Flughafen und schauen in die Kamera.
Jörn aus Brinkum (Mitte) freut sich, dass sein Kumpel Kai und Familie wohlbehalten zurück in Bremen sind. Bild: Radio Bremen | Till Kohlwes

An Bord der Maschine waren rund 80 Fluggäste, darunter wie Kai Wehmeier auch einige Urlauber, die direkt von den Bränden betroffen waren. Sie kritisierten vor allem die Organisation der Evakuierungen. Die seien teils nur durch private Initiativen möglich gewesen.

Auch Kai Wehmeier erlebte solch eine Odyssee: Trotz Versicherungen, dass es an ihrem Aufenthaltsort sicher sei, musste die Familie schließlich doch fliehen – zunächst mehrere Kilometer zu Fuß durch die Dunkelheit, bis Busse sie weiter in den Süden brachten.

Da wartete aber auch niemand auf uns, wir haben dann vor einem Hotel auf dem Rasen gepennt.

Kai Wehmeier, auf Rhodos vor den Waldbränden geflohen

Anschließend folgte eine Übernachtung in einer Grundschule, in der sie von Einheimischen mit Matratzen und Getränken versorgt worden seien.

Am Abend gab es noch eine Dose kaltes Bier und Musik, das war herzergreifend. Aber es gab null Hilfe von den öffentlichen Organen, es waren reinweg private Initiativen, die da tätig wurden.

Kai Wehmeier, auf Rhodos vor den Waldbränden geflohen

Nicht alle von Bränden betroffen

Auch andere Urlauber, die in dem Flugzeug saßen, zeigen sich erleichtert, wieder Bremer Boden unter den Füßen zu haben. "Es ist halt eine Insel, da kann man nicht mal eben mit dem Auto weg. Das war schon bedrohlich", erzählt zum Beispiel Jennifer Lehmann.

Allerdings gibt es auch einige, die von den Bränden wenig mitbekommen haben, wie Kristin Braje aus Hambergen. Sie war mit ihrer vierköpfigen Familie für zwei Wochen auf Rhodos. Sie vermutet, dass die Menschen in Deutschland größere Angst vor den Bränden hätten als die Menschen vor Ort: "Es war schon auch so, dass viele gesagt haben: Naja, hier die Griechen kennen das, das ist schlimm, aber wie gesagt, vor Ort war kaum was davon zu merken", sagt sie.

Feuer wüten weiter

Vor allem von den Bränden betroffen ist der Südosten der Insel. Insgesamt mussten dort bereits zehntausende Menschen in Sicherheit gebracht werden. Die Lage ist weiter angespannt, einige Brände sind wieder aufgeflammt.

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  • Till Kohlwes mit Brille und Bart lächelt in die Kamera
    Till Kohlwes

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Nachrichten, 27. Juli 2023, 6 Uhr