Umbau der Bremer Domsheide: Was passiert mit dem roten Turm?

Er stinkt, und warum er da steht, weiß kaum einer: Der "Pinkelturm" ist Kunst. Doch weg kann er wahrscheinlich nicht. Fünf Fakten zum umstrittenen Bauwerk.

Der Backsteinturm an der Domsheide

1 Was die BSAG-Pläne mit dem Turm zu tun haben

Verschiedenen Akteure – darunter Stadtplaner, Bremer Straßenbahn AG (BSAG), Vertreter der Glocke und der Ressorts des Bremer Senats – haben in den vergangenen Monaten Ideen entwickelt, wie die Domsheide wieder eine "Visitenkarte" für Bremens Innenstadt werden kann. Das hatte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) als Ziel des Umbaus ausgegeben. Vor diesem Hintergrund haben die Verkehrsplaner der BSAG sechs Varianten vorgestellt, wie die Trassenführung für Bahnen und Busse an dem Verkehrsknoten künftig aussehen könnte. Einige Varianten sehen eine neue Streckenführung vor. Abhängig von der finalen Entscheidung,könnte so auch der "Verkehrsturm" an der Domsheide zur Disposition stehen.

2 Welchen Nutzen der Turm einst hatte

1988 wurde der rote Backsteinbau an der Domsheide für die BSAG errichtet. Genutzt wurde er gut zwei Jahrzehnte als Verkehrsleitstelle. In dieser Zeit war er stets von einem BSAG-Mitarbeiter besetzt. 2009 fiel diese Aufgabe weg. Heute beherbergt der Turm nur noch einige technische Geräte, über die beispielsweise die Weichen an der Domsheide gesteuert werden. Einen eher unerfreulichen Nutzen hat der Turm mit seinen Nischen inzwischen für Wildpinkler.

3 Warum der Turm als Kunstwerk bedeutend ist

Während die einen den Turm als "Urinal" bezeichnen, loben die anderen seine weltweite Bedeutung als Kunstwerk. Gestaltet wurde es von Per Kirkeby (1938-2018). Der Däne galt als einer der bedeutendsten Künstler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er arbeitete mit Zeitgenossen wie Andy Warhol, Nam June Paik und Joseph Beuys zusammen. Seit den 1980er Jahren wandte er sich den Skulpturen aus Backstein zu. Ein Schlüsselwerk war dabei der 13,80 Meter hohe Backsteinturm in Bremen. Unter anderem deshalb, weil er die einzige begehbare Skulptur des dänischen Künstlers ist.

4 Wieso der Bau an der Domsheide steht

Eine Freundschaft zwischen Kirkeby und dem ehemaligen Bremer Staatsrat Eberhard Kulenkampff führte 1987 zu den Plänen für den 1988 erbauten Turm. Das Bauwerk sollte Teil der damals neugestalteten Domsheide werden. Der Platz wurde dabei von der Landschaftsarchitektin Marlene Zlonicki entworfen. Symbolisch standen Steine für das Meer und Betonblöcke für die Dünen. Und in der Mitte sollte das Kunstwerk wie ein Leuchtturm wirken, der gut sichtbar den Verkehr in die richtigen Bahnen lenkt.

5 Was die Denkmalschützer planen

Dass der Turm allein schon wegen seiner kunsthistorischen Bedeutung nicht einfach abgerissen werden kann, darüber herrscht trotz aller Kritik im Wesentlichen Einigkeit. "Der Turm ist ein Kunstwerk, man muss sensibel damit umgehen", sagte beispielsweise Bauressort-Sprecher Jens Tittmann buten un binnen schon im Herbst, als die Umbaupläne für die Domsheide bekannt wurden.

Auch das Landesamt für Denkmalschutz hat bereits den Finger gehoben. "Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass der Turm denkmalwürdig ist", sagt Landeskonservator Georg Skalecki buten un binnen. An der Begründung zu dieser Entscheidung werde derzeit gearbeitet. Klar ist: Wenn der Turm unter Denkmalschutz gestellt wird, dann wäre "nur eine geringfügige Verschiebung" möglich, erläutert Skalecki. Damit wäre der Grundstein für dessen Erhalt wohl gelegt.

Mehr zum Thema:

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 13. März 2019, 19:30 Uhr