Interview

Röwekamp kündigt Rückzug an: "Jetzt können es auch andere machen"

Der Fraktionschef der Bremer CDU hat genug: Im Interview erklärt er, warum er bei der nächsten Wahl im Jahr 2023 nicht mehr antreten möchte.

Video vom 14. Mai 2020
CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Röwekamp.
Warum haben Sie sich entschieden 2023 nicht wieder anzutreten?
Ich werde im Jahr 2023 auf mehr als 30 Jahre Landespolitik zurückblicken können und wenn eh neu gewählt wird, ist das ein Zeitpunkt, an dem man sich immer überlegen muss, ob man weitermachen will. Ich habe die Zuversicht und den Optimismus, dass wir mit der CDU jetzt so gut aufgestellt sind, dass ein Übergang nahtlos funktionieren kann. Die CDU hat sich erheblich verjüngt, wir haben uns geöffnet, inhaltlich neu ausgerichtet und das ist ein guter Zeitpunkt, um zu sagen: Jetzt können es auch andere machen.
Aber Sie haben doch sicher auch viel Herzblut in den Job gesteckt?
Ich bin mit Leib und Seele und viel Empathie Abgeordneter, war vier Jahre im Senat und werde immer ein politischer Mensch bleiben. Aber nach so vielen Jahren in einem Metier, in der Landespolitik unterwegs zu sein, das hat mir Spaß gemacht. Deswegen fällt der Abschied schwer, aber ist es umso besser, wenn man frühzeitig für sich auch eine bewusste Entscheidung treffen kann.
Bremer CDU-Vorsitzender Thomas Röwekamp (links) und Parteichef Meyer-Heder (rechts, Hintergrund) in der Bremischen Bürgerschaft.
Was seine Nachfolge angeht, will Röwekamp (links) sich nicht festlegen: Ob Parteichef Carsten Meyer-Heder im nachfolgen wird, liege in der Hand der Partei.
Für wen wollen Sie denn konkret Platz machen?
Wir sind jetzt als stärkste Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft auch personell angewachsen und wir haben auch im Kreis der Deputierten, aber auch bei den Abgeordneten, viele neue und junge Abgeordnete. Mit Carsten Meyer-Heder haben wir jemanden, der als Spitzenkandidat ein hervorragendes Ergebnis erzielt hat und bereit ist, weiter für uns zu arbeiten. Ich finde, dies ist der Punkt, an dem meine Generation, sagen kann: 'Das ist ein Aufbruch auch nach außen. Da sind Menschen, die im Team viel für die CDU erreichen können.'
Inwieweit sollte denn auch ihr Nachfolger einer der jüngeren Generation sein?
Wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Monarchie. Ich werde meinen Nachfolger nicht selber bestimmen. Aber ich habe ein gutes Gefühl, das aus dem Kreise der jetzigen Abgeordneten und auch aus der Partei heraus jemand gefunden werden kann, der die Aufgabe gut schaffen kann. Der für die CDU bei der nächsten Bürgerschaftswahl auch ein gutes Ergebnis zusammen mit Carsten Meyer-Heder holen kann. Ich habe da keine konkreten Vorschläge, aber ich habe ein gutes Gefühl.
Was war Ihr Politik-Highlight?
Das eine Highlight gibt es nicht, ich habe angefangen, als die CDU ewige Zeit schon in der Opposition gewesen ist. Ich habe den vorzeitigen Sturz einer Regierung miterlebt und mit herbeiführen dürfen. Wir haben zwölf Jahre Große Koalition in Bremen gestalten können. Da war ich dabei. Das hat viel Spaß gemacht. Zurückblickend gilt meine größte Dankbarkeit, dass wir es geschafft haben, aus der Bildungspolitik die Ideologie rauszuhalten. Dass wir auf unserer Initiative hin den Bildungskonsens ins Leben gerufen haben. Dass wir über Qualität von Bildung reden. Diese Priorisierung von Kita und Bildung ist das wichtigste politische Signal der letzten Jahre gewesen, wo wir als CDU auch Impulse setzen konnten.
Was war Ihr schwärzester Moment?
Auch da gibt es nicht den einen. Ich kann nur sagen, die anstrengendste Zeit war, als ich in Bremen Innensenator gewesen bin, weil es auf der einen Seite eine große Erwartungshaltung gab, an die Aufgaben, die ich wahrzunehmen hatte. Auf der anderen Seite ein enormer Termindruck da war. Da hat auch meine Familie in der Zeit am stärksten drunter gelitten. Ich habe es nicht eine Minute bereut, aber es war schon die anstrengendste Phase.
Mitten in diese Zeit fiel ja auch der Brechmittel-Skandal. Wie haben Sie diese Zeit wahrgenommen?
Das hat viel Kraft gekostet. Auf der einen Seite muss man im Nachhinein einräumen, dass man natürlich auch Fehler gemacht hat. Aber dass wir in der Drogenpolitik restriktiv bleiben und keine Drogen freigeben, das ist und bleibt eine meiner innersten Überzeugungen. Ich bin unverändert der Auffassung, dass von Drogen die größte Gefahr für unsere Kinder und auch für unsere Gesellschaft ausgeht und deswegen bleibe ich auch ein erklärter Gegner der Freigabe von Cannabis und anderen Drogen.
Hat Ihre Entscheidung auch etwas mit dem Tod von Jörg Kastendiek zu tun?
Der Tod von Jörg Kastendiek hat mich sehr bewegt. Mein ganzes politisches Leben habe ich mit ihm zusammengearbeitet. Er war Berater, Wegbereiter, Freund. Wir haben zusammen unsere Hochzeiten gefeiert – es gab eine private Verbindung über die Politik hinaus. Wir haben beide viel Wert darauf gelegt, dass wir außerhalb der Politik selber immer noch einen Beruf haben. Wir sind die ganze Zeit mit zwei Berufen durchs Leben gelaufen. Als er gestorben ist, ist mir nochmal bewusst geworden, dass wir beide mit Hochgeschwindigkeit durch diese Leben gerannt sind und, dass wir sehr viel Zeit für diese beiden Berufe aufgewendet haben. Das war sicherlich auch nochmal ein Impuls zu sagen: Es kann ganz schnell zu Ende sein. Und es gibt außerhalb von Politik viele andere Dinge, die Spaß machen, die ich nicht vermissen möchte, auf die ich mich konzentrieren möchte.
Wie wird Ihr Leben in Zukunft aussehen?
Das weiß ich noch nicht, meine Frau sagt immer: Es ist doch egal, was genau du machst, irgendwas machst du immer. Unser Alltag wird sich vermutlich gar nicht so sehr ändern, aber ein wenig ruhiger wird es vielleicht schon. Aber es ist jetzt noch ein wenig früh dafür. Ich konzentriere mich auf die Aufgabe, die ich habe: Ich bin noch Abgeordneter und will das Mandat auch ausüben. Ich bin Fraktionsvorsitzender. Das ist auch noch ein anspruchsvoller Job und werde da jetzt den Übergang organisieren. Und deswegen: Ich habe keine Sorge, dass ich nicht nach 2023 weiß, was ich machen soll, aber ich habe auch noch keine Pläne.
Dann stellt sich die Frage: Liebäugeln sie mit Berlin?
Die Frage stellt sich mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt nicht, wir wählen den Deutschen Bundestag im September nächsten Jahres. Wir werden uns dann im Frühjahr nächsten Jahres als CDU aufstellen und das machen wir im ganz ruhigen, normalen Verfahren, wie wir es immer gemacht haben. Das Thema der Bundestagskandidatur beschäftigt zurzeit weder die Partei, noch mich als Person, und deshalb vergeude ich daran auch keine Gedanken.

Autorin

  • Anna Pajak

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. April 2020, 19:30 Uhr