Aufstieg und Fall des Kellogg-Werks in Bremen

Das Bremer Kellogg-Werk schließt heute nach mehr als 50 Jahren endgültig die Pforten. Wir blicken zurück – und ein bisschen nach vorn.

Kellogg-Werk an der Weser
Bild: Kellogg

1 Wie alles begann

"Kernig, köstlich und gesund – mit Milch und etwas Zucker." So lernen die Bremer in den 1960er Jahren die Cornflakes in der Fernsehwerbung kennen. Dass die Maisflocken aus Amerika bald fast vor ihrer Haustür produziert werden, ist da noch nicht absehbar. Denn am Anfang steht ein Exklusivvertrag von Kellogg's mit der Bremer Reis- und Handels AG. Sie vertreibt die im Ausland hergestellten Cornflakes in Deutschland. Als die Geschäfte gut anlaufen, beteiligt sich Kellogg's 1962 an dem Bremer Traditionsunternehmen.

1963 gründet der US-Konzern dann die Kellogg Deutschland GmbH. 1964 wird der erste Bauabschnitt des künftigen Werks südlich des Europahafens fertiggestellt. 20 Mitarbeiter zählt die Produktionsstätte in den Anfangstagen. Der Standort gilt als ideal. Denn er ist direkt mit Hafen und Schienennetz verbunden.

2 Aufstieg zum größten Kellogg-Werk Europas

Die Geschäfte in Deutschland laufen danach immer besser. Das Unternehmen wächst, die Mitarbeiterzahl steigt. 1972 übernimmt Kellogg Deutschland die Reis- und Handels AG in Bremen komplett. 1977 folgt die erste Werkserweiterung. Die ehemalige Reismühle wird zu einer sechs Etagen hohen Produktionshalle ausgebaut. Silos entstehen, in denen bald Tausende Tonnen des mit Schiffen aus Argentinien angelieferten Mais gelagert werden.

Das Bremer Kellogg-Werk aus der Luft gesehen.
Noch im Jahr 2004 investierte Kellogg's 20 Millionen Euro in Bremen.

Anfang bis Mitte der 80er Jahre kauft Kelloggs zudem das Krupp-Atlas-Gelände an der Weser auf, um die Produktion weiter ausbauen zu können. 1989 wird dann erneut angebaut. Diesmal ein eigenes Logistikzentrum mit Hochregallager und 33.000 Palettenstellplätzen. Es ist über ein 170 Meter langes Förderband mit der Packerei neben der Produktionshalle verbunden. Von Bremen aus werden Cornflakes und Co. in diesen Jahren für mehr als 50 Länder in Europa, dem nahen Osten und Afrika exportiert.

Jährlich verlassen in Spitzenzeiten mehr als 200 Millionen Packungen Cornflakes, Smacks, Froot Loops und Toppas die Fabrik in der Hansestadt. Der rote Schriftzug und das große Hahn-Logo an der Werkswand gilt vielen als Symbol für den prosperierenden Lebensmittelstandort Bremen. Noch im Jahr 2004 investiert Kellogg rund 20 Millionen Euro in eine neue Produktionslinie für "Special K"-Flocken.

3 Umstrukturierung, Aufspaltung und Abstieg

In den Jahren danach ändert sich jedoch die Strategie des Frühstücksflockenkonzerns. 2005 werden – parallel zu einem Führungswechsel an der Konzernspitze – zunächst Verwaltung und Produktion in Bremen getrennt. Und da die Maisflocken auch im spanischen Valls und darüber hinaus in den Werken Manchester und Wrexham auf der britischen Insel hergestellt werden, setzt die neue Konzernführung auf einen Wettbewerb dieser Standorte.

Blick auf das Bremer Kellogg-Werk.
Mit einem Strategiewechsel des Konzerns wurde im Jahr 2005 der Niedergang des Bremer Kellogg's-Standorts eingeläutet.

2007 verlegt Kellogg's schließlich ein Drittel des Bremer Produktionsvolumens nach Spanien. Dies kostet 160 Bremer Jobs. 2009 fallen nach einer weiteren Sparrunde noch einmal 61 Stellen weg.

Rund 300 Mitarbeiter arbeiten 2010 noch im Bremer Werk. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigt der Konzern weltweit rund 26.000 Menschen in 46 Werken. Die Produktionsmenge an Cerealien liegt in Bremen damals noch bei rund 72.000 Tonnen. Ein bis 2015 geltender Tarifvertrag schließt seither zwar betriebsbedingte Kündigungen aus. 2016 werden trotzdem nur noch gut 260 Mitarbeiter in Bremen beschäftigt. Im selben Jahr sinkt die Produktionsmenge an Cerealien auf rund 51.000 Tonnen.

Die Verlegung der bis 2014 noch in Bremen ansässigen Kellogg Deutschland GmbH nach Hamburg kostet weitere Stellen. Vertrieb und Marketing für Skandinavien und die deutschsprachigen Länder werden seither nicht mehr von der Weser, sondern von der Elbe aus organisiert.

Der Todesstoß folgt am 10. Oktober 2016. Eine Analyse der Standorte habe ergeben, dass die Fabrik in Bremen den größten Volumenrückgang und die größte Anzahl an nicht ausgelasteten Anlagen zu verzeichnen habe, begründet der US-Konzern an diesem Tag die Schließung des Bremer Werks mit seinen damals noch 200 Mitarbeitern. Endgültig schließt das Werk nun an diesem Samstag seine Tore.

4 Was auf das Kellogg-Werk folgt

Modell des Neubau auf dem alten Kellogg-Gelände.

Dass das Gelände nicht zu einer Industriebrache verkommt, ist indes sichergestellt. Denn Anfang April 2018 wurde es an den Windparkprojektierer WPD verkauft. Der neue Eigentümer hat zugesagt, die Fläche unter dem Projektnamen "Überseeinsel" weiterzuentwickeln – in enger Abstimmung mit der Stadt Bremen.

Erste Modelle zeigen, dass es in dem Wohnquartier wohl keine Wolkenkratzer geben wird. Vielmehr denken die Planer an eine wechselhafte Bebauung: zum einen größere Riegelbauten, zum anderen aber auch Reihenhäuser im Stil Altbremer Häuser. Dazu kommen Schulen und Kitas. Sicher ist offenbar auch, dass das Silo mit dem roten Kellogg-Schriftzug stehen bleibt.

Bis es so weit ist, werden aber wohl noch einige Frühstücksflocken verkauft. Die Bauarbeiten werden vermutlich im Jahr 2021 beginnen. Nach Schätzung der Planer werden sie rund zehn Jahre dauern.

Autor

  • Kristian Klooß

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 30. Juni 2018, 19:30 Uhr

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