Bovenschulte nach Impfgipfel: "Bedingungen sind schwieriger geworden"

2,25 Millionen Impfdosen gehen künftig pro Woche an die Impfzentren der Länder, alles darüber hinaus an Hausärzte. Eine Entscheidung, die Bremens Bürgermeister für falsch hält.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte spricht in ein Mikrofon.
Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte zeigte sich nach dem Impfgipfel unzufrieden mit den Entschlüssen des Bundesgesundheitsministeriums. Bild: DPA | Sina Schuldt

Die Hausärzte in Deutschland sollen unmittelbar nach Ostern routinemäßig in die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus einsteigen. Allerdings stehen in der ersten Woche dafür nur rund eine Million Dosen zur Verfügung, wie aus dem Beschlusspapier der Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Länderregierungschefs vom Freitag hervorgeht. Für die Impfzentren in den Ländern stünden demnach wöchentlich 2,25 Millionen Impfdosen bereit, zunächst bis Anfang Mai. Alles über diese Menge hinaus gehe an Hausarztpraxen.

Eine starre Regelung, über die sich Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) in einer Pressekonferenz nach dem Impfgipfel verärgert zeigte. Schließlich hat Bremen Deutschlands größtes Impfzentrum errichtet und dort nun entsprechend große Impf-Kapazitäten. Ob diese Kapazitäten nun auch ausgelastet werden, ist fraglich. "Wir hätten das gerne flexibler geregelt, also je nach Land zu schauen: Wo macht es vielleicht Sinn, eher Dosen in die Impfzentren zu stecken?", erklärte Bovenschulte.

Ich halte das für eine falsche Entscheidung und ich kritisiere das auch.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte spricht in ein Mikrofon.
Andreas Bovenschulte (SPD), Bürgermeister

Nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums hätte eine flexible Variante in allen Ländern einen logistischen Aufwand bedeutet, der nicht zu leisten gewesen wäre. Dafür haben die Länder im April aber die Möglichkeit, die Verteilung von Impfstoff an Hausärzte auszusetzen. "Dann macht der Bund aber nichts mehr über den Großhandel, die Verteilung an Arztpraxen und Apotheken würde dann zu hundert Prozent in die Hoheit der Länder gestellt werden", erklärte Bovenschulte. Damit wolle man es den Bundesländern offensichtlich so unattraktiv wie möglich machen.

So viel ist in Bremen bislang geimpft worden

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"Die Bedingungen für uns sind schwieriger geworden"

Bovenschulte sehe nun die Gefahr, dass Bremen seine bisherige Geschwindigkeit und Genauigkeit beim Impfen einbüßen könne. Was in den kommenden Wochen das beste Verfahren sei und ob Bremen womöglich die Verteilung von Impfstoffen an Hausärzte aussetzt, müsse zunächst eingängig besprochen werden – mit der Gesundheitssenatorin, dem Senat und der Kassenärztlichen Vereinigung. "Wir hatten bislang sehr gute Gespräche und wollen sie so oder so intensiv einbeziehen", erklärte Bovenschulte.

Es gelte, das grundlegende Ziel weiterhin nicht aus den Augen zu verlieren: "So schnell und genau impfen wie es uns möglich ist." Das sei nichtsdestotrotz zu erreichen, gab sich Bovenschulte optimistisch. Für Erleichterung habe in dieser Hinsicht die jüngste Entscheidung zum AstraZeneca-Impfstoff gesorgt. "Es gibt zwar Risiken, der Nutzen überwiegt diese aber weit. In Deutschland wie in Bremen wird daher ganz normal mit AstraZeneca weitergeimpft", so Bovenschulte.

Stehen Bremen Verschärfungen ins Haus?

Auf die Frage, ob Bremen mit seiner steigenden Inzidenzzahl mit Verschärfungen in den kommenden Tagen zu rechnen hätte, antwortete Bremens Bürgermeister wortkarg. "Verschärfungen sind sicherlich nicht ausgeschlossen, aber ich will jetzt noch nicht spekulieren, welche weiteren Beschlüsse es am Montag geben wird", äußerte sich der Bürgermeister. Am Montag konferieren noch einmal die Ministerpräsidenten der Länder.

Die bisherigen Regeln der Ministerpräsidentenkonferenz seien recht eindeutig, schloss Bovenschulte: "Wenn die Voraussetzungen für das Ziehen der Notbremse erfüllt sind, dann muss man das auch so machen."

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Autor

  • Jochen Duwe

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 19. März 2021, 19:30 Uhr