Aquarius 2 wird Flagge entzogen: "Wir können nicht mehr retten"

  • Rettungsschiff wurde Flagge von Panama entzogen
  • Rettungsorganisation nach eigenen Angaben "handlungsunfähig"
  • Bremer Reeder der "Aquarius" befürchtet Existenzprobleme

Druck aus Italien – Bremer Rettungsschiff verliert Flagge

Das Schiff Aquarius, das gerade an einem Hafen anliegt

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat die Crew des Bremer Rettungsschiffs "Aquarius 2" im Mittelmeer knapp 30.000 Flüchtlinge vor dem Ertrinken bewahrt. Bisher war das Schiff unter der Flagge von Panama unterwegs gewesen. Die neue italienische Regierung hat Panama jetzt aber offenbar so unter Druck gesetzt, dass das Land das Rettungsschiff aus seinem Register gestrichen hat.

Bremer Reederei bleibt nur eine Woche Zeit

Menschen sitzen auf der Aquarius-Pressekonfernz
Aktivisten von SOS Mediterranée und Seebrücke Bremen haben zusammen mit einem Vertreter der Bremer Reederei Jasmund Shipping eine Pressekonferenz zur Zukunft der Aquarius gegeben.

Für die Reederei Jasmund Shipping aus Bremen ist der Entzug der Flagge ein echtes Problem, sagt der Geschäftsführer Christoph Hempel: "Wir sind eine kleine Reederei, wir betreiben nur vier Schiffe. Das kann die Existenz der Reederei bedrohen." Hempel bleibt jetzt nur eine Woche Zeit, um eine neue Flagge für die Aquarius zu finden. Über die Vergabe werde bereits in den Parlamenten der Schweiz, in Luxemburg sowie in Venezuela diskutiert, sagte der Geschäftsführer.

Das von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée gecharterte Schiff sitzt derzeit im Hafen von Marseille fest. "Für uns bedeutet das die absolute Handlungsunfähigkeit. Ohne Flagge können wir nicht retten. Es ist aber ganz klar: Jeder Tag, den wir nicht auf See sind, ist eine größere Gefahr für die Menschen, die aus Libyen fliehen", sagt Jana Ciernoch von SOS Méditerranée.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 8. Oktober 2018, 16 Uhr