Fragen & Antworten

Verdoppeln sich die Nebenkosten? Das sollten Bremer schon jetzt tun

Geldscheine liegen neben einer Nebenkostenabrechnung
Um von der Nebenkostenabrechnung über das laufende Jahr nicht überrollt zu werden, sollten die Menschen in Bremen schon jetzt Geld zurücklegen, raten Verbraucherschützer. Bild: DPA | Chromorange/ Rüdiger Rebmann

Wegen der steigenden Energiepreise schnellen die Wohnnebenkosten in die Höhe. Vermieter drängen auf höhere Abschlagszahlungen. Was sollen die Menschen in Bremen machen?

Genaue Prognosen möchte keiner abgeben. Dass die Nebenkosten aber schon jetzt enorm gestiegen sind und noch weiter steigen werden – in diesem Punkt sind sich wohl alle Akteure der Wohnungswirtschaft einig. Um nicht von der nächsten Nebenkosten-Abrechnung überrollt zu werden, sollten Bremerinnen und Bremer schon jetzt Vorkehrungen treffen, sagt auch die Verbraucherzentrale. Das sollte man dazu wissen.

Was kann ich tun, um zu verhindern, dass ich kommendes Jahr von einer kaum auszugleichenden Nebenkosten-Abrechnung überrascht werde?
Vermieter raten Mietern, ihre Abschlagszahlungen möglichst sofort vorsorglich freiwillig zu erhöhen. "Teilweise ist hier die Verdopplung der Vorauszahlung zu empfehlen", sagt gar Ingmar Vergau, Geschäftsführer des Bremer Landesverbands von Haus und Grund. Doch auch etwa die Gewoba, die Brebau und Vonovia raten ihren Mietern ausdrücklich, ihre Vorauszahlungen von sich aus nach oben zu korrigieren. Wer das nicht möchte, der sollte zumindest Geld zur Seite legen, um für Nachforderungen gerüstet zu sein, empfehlen sowohl die Verbraucherzentrale Bremen als auch der Bremer Mieterschutzbund.

Denjenigen Mietern, die eigenen Verträge mit Versorgern geschlossen haben, empfiehlt Rechtsanwalt Yann Crenn vom Bremer Mieterschutzbund, zu prüfen, ob diese Verträge einer Preisbindung unterliegen, auf die man sich berufen könne. Crenn sagt zudem: "Neuverträge sind in der aktuellen Zeit zu vermeiden." Denn neue Verträge böten derzeit meist viel schlechtere Konditionen als vor einigen Monaten.
Das Thermostat einer Heizung steht auf dem Symbol Schneeflocke (Frostschutzeinstellung).
Thermostatköpfe sollten einwandfrei funktionieren. Wenn nicht, sollte man schnell etwas unternehmen, sagt die Verbraucherzentrale Bremen. Andernfalls verschwende man Energie. Bild: DPA | photothek | Thomas Trutschel
Weshalb steigen die Nebenkosten derzeit so massiv, und wieso lässt sich die weitere Entwicklung so schwer absehen?
Dass die Nebenkosten derzeit so stark ansteigen, hängt in erster Linie damit zusammen, dass die Preise für Gas, noch mehr aber für Heizöl stark gestiegen sind, insbesondere wegen des Kriegs in der Ukraine. In welchem Maße sich dies direkt auf die Heizkosten auswirkt, ist allerdings unterschiedlich.

So hätten diejenigen, deren Wohnungen durch Fernwärme geheizt würden, keine Kostenexplosionen zu befürchten, sagt Inse Ewen, Energieberaterin der Verbraucherzentrale Bremen. Auch die Gaspreise seien bislang nicht so exorbitant angestiegen, wie häufig kolportiert. Anders sähe es beim Heizöl aus. So habe das Heizöl in Bremen vor etwa einem Jahr noch 48 Cent pro 100 Liter gekostet. Inzwischen schlage es mit deutlich mehr als einem Euro pro 100 Liter zu Buche. "Wenn ein Vermieter erst kürzlich Öl tanken musste, dann wirkt sich das natürlich entsprechend deutlich auf die Heizkosten der Mieter aus", sagt Ewen.

Doch nicht nur Energie, sondern auch Wasser sei in Bremen zu Beginn des des Jahres deutlich teurer geworden, sagt die Verbraucherschützerin. Damit nicht genug. Ingmar Vergau von Haus und Grund sagt: "Auch die Lohn- und Materialkosten der Dienstleister rund um das Wohnen erhöhen sich". Vergau geht davon aus, dass die Nebenkosten noch weiter steigen werden, nicht zuletzt wegen der Inflation.

In welchem Maße die Kosten noch steigen werden, ist allerdings ungewiss. Hierbei spielen viele Faktoren eine Rolle. Bernd Botzenhardt, Vorsitzender der Brebau-Geschäftsführung, verweist in diesem Zusammenhang auf den Ukraine-Krieg sowie auf die deutsche und die europäische Energie- sowie Subventionspolitik: all diese Faktoren könnten die Kostenentwicklung beeinflussen, ließen sich aber nicht vorhersehen, so Botzenhardt.
Eine Badewanne läuft voll Wasser
Da auch Wasser teuer geworden ist, raten Verbraucherschützer davon ab, Badewannen volllaufen zu lassen. Sie empfehlen statt dessen das Duschen. Bild: DPA | blickwinkel/McPHOTO/M. Gann
Wo liegen die größten Sparpotenziale für Mieter?
"Da man als Mieter praktisch keinen Einfluss auf die Energiepreise hat, kann man nur sein Verhalten ändern", sagt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie weist darauf hin, dass, wer beim warmen Wasser spare, Heiz- und Wasserkosten zugleich senken könne. Das gelte zumindest in solchen Wohnungen, in denen das Wasser von der Heizung erhitzt wird. Um warmes Wasser zu sparen, sei es beispielsweise sinnvoll, zu duschen statt zu baden – und das möglichst nicht lang und auch nicht jeden Tag.

Doch auch beim Heizen sieht Ewen in vielen Wohnungen Potenzial: "Jeder Haushalt sollte für die Wohnung ein Thermometer haben", so die Energieberaterin. Dann könnten die Haushalte sukzessive die Temperatur senken und auf diese Weise nach und nach herausfinden, wie viel Grad Celsius wirklich notwendig seien, damit sich alle in der Wohnung wohl fühlten. "Es geht oft problemlos ein oder zwei Grad kälter, als es in den meisten Wohnungen ist", hat Ewen festgestellt.

Schließlich verschwendeten viele Bremerinnen und Bremern Energie beim Lüften, sagt die Verbraucherberaterin. So sei es immer noch verbreitet in Bremen, einzelne Fenster den ganzen Tag über gekippt offen zu halten. "Dabei kühlt die Wohnung dann aus, und es muss mehr geheizt werden", sagt Ewen. Es sei wirkungsvoller und energieeffizienter, mehrmals täglich durch kurzes Stoßlüften bei voll geöffneten Fenstern verbrauchte Luft durch frische auszutauschen.
Was sollte außerdem beachten, wer die Nebenkosten im Griff behalten will?
Ein oft unterschätzter Faktor sei eine intakte Technik, sagt Ewen: "Wer beispielsweise merkt, dass die Thermostatköpfe der Heizung nicht in Ordnung sind, sollte schnell reagieren und dem Vermieter Bescheid sagen, statt wochenlang zu heizen, ohne es zu wollen." Auch sei vielen Bremerinnen und Bremern nicht bewusst, dass eine Heizung möglichst frei stehen und nicht etwa von einem Sofa verdeckt werden sollte. Denn nur freistehende Heizungen könnten ihre Wärme direkt und damit effizient abgeben.
Welche politischen Forderungen stellen Verbraucherschützer und Vertreter der Wohnungswirtschaft aufgrund der steigenden Nebenkosten?
Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass der kürzlich beschlossene Heizkostenzuschuss für Wohngeld-Empfänger von einmalig 270 Euro pro Haushalt sowie weiteren 70 Euro pro Person im selben Haushalt unzureichend sei. Auch fielen viele Verbraucherinnen und Verbraucher durchs Raster und bekämen gar keine Zuschuss, sagt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen. Sie denkt dabei etwa an Studierende, die kein Bafög bekommen. "Ein weiteres Entlastungspaket ist erforderlich", so Ewen.

Auch Haus und Grund als Vertreter der privaten Hauseigentümer sieht in dem einmaligen Heizkostenzuschuss lediglich einen ersten Schritt. "Nun muss die Bundesregierung ein Verfahren vorlegen, um die Auszahlung zu verstetigen", findet Haus und Grund-Geschäftsführer Ingmar Vergau. Ohne die Unterstützung durch die öffentliche Hand werde das Problem der hohen Wohnnebenkosten nicht zu lösen sein.

Radio Bremen Meinungsmelder machen sich Sorgen wegen Preissteigerungen

Bild: Radio Bremen

Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 5. Mai 2022, 19.30 Uhr