Fragen & Antworten

Deshalb fand die Schulbesetzung in Bremerhaven ein so plötzliches Ende

Mehrere Personen laufen mit einem Banner vor einem Blaulicht auf einer Straße.
Bild: Nord-West-Media TV

Klima-Aktivisten wollten mehrere Tage die Aula einer Schule besetzen. Doch die Aktion endete frühzeitig. Was steckt dahinter? Und drohen den Besetzern nun Konsequenzen?

Die Protestbewegungen Fridays for Future und End Fossil Occupy hatten am Montagmorgen die Aula der Bremerhavener Geschwister-Scholl-Schule für besetzt erklärt. Anlässlich der laufenden Weltklimakonferenz wollten die Jugendlichen auf die Zerstörung von Lebensgrundlagen durch fossile Konzerne aufmerksam machen.

Übernachtungen in der Aula wurden untersagt, doch nach Verhandlungen erlaubte die Schulleitung ein Nachtlager in der Schulbibliothek. Die Aktion sollte mindestens bis Ende der Woche gehen, wurde jedoch bereits am zweiten Tag von der Polizei aufgelöst.

Drei junge Menschen sitzen vor einer Tür mit einem Protest-Banner.
Caro (17), David (19) und Aurin (19) waren Teil der Aktion. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke
Warum ging die Protestaktion frühzeitig zu Ende?
Beide Seiten konnten sich nicht auf den weiteren Rahmen der Aktion einigen. Die Schüler wollten mit der Besetzung der Aula Aufmerksamkeit für ihr Klimaschutz-Anliegen erzeugen. Die Schulleitung untersagte eine dortige Übernachtung und verwies auf Sicherheitsgründe. Schuldezernent Michael Frost (parteilos) findet, man sei den Jugendlichen entgegen gekommen, habe die Aktion in der Aula tagsüber geduldet und mit der Schulbibliothek eine Lösung für die Nacht gesucht. Schließlich sei die inhaltliche Auseinandersetzung auch gewünscht. Dem hätten die Schüler zunächst zugestimmt.

Die Jugendlichen wollten die zweite Nacht dann doch in der Aula verbringen. Sie kritisieren, ihnen sei mit Hausverbot gedroht worden und halten dies für überzogen. Denn das hätte laut einer Schülerin bedeuten können, dass betroffene Schüler auf der Schule kein Abitur hätten machen können. Ob es so weit gekommen wäre, blieb allerdings unklar.
Ein Mann mit Sakko und Brille blickt in die Kamera.
Schuldezernent Michael Frost (parteilos) nahm an den Verhandlungen teil. Bild: Radio Bremen | Dirk Bliedtner
Wie bewertet die Stadt das Ende der Protestaktion?
Die Entwicklung an Tag zwei der Aktion kam aus Sicht von Frost unerwartet. Am Montag hatte man sich noch auf die Übernachtungen in der Schulbibliothek verständigt. Dann hätten die Aktivisten sich daran nicht mehr gebunden gefühlt. Für die Schulleitung und ihn sei daraufhin klar gewesen, dass die Aktion so nicht habe fortgesetzt werden können.

Als Dezernent bedauere er die Entwicklung, aber unter Missachtung der Hausordnung sei dies nicht zu tolerieren gewesen. Die Jugendlichen müssten verstehen, dass Regeln einzuhalten sind. "Das ist letztendlich Teil des Lernprozesses", so Frost.
Warum war die Übernachtung in der Aula verboten?
Den Schülern war von Anfang an nicht erlaubt worden, die Nächte in der Aula zu verbringen. "Einzig und allein aus Sicherheitsgründen", wie Frost sagt. Grund sind demnach die vielen alarmgesicherten Ein- und Ausgänge des Gebäudes. Ein Ausschalten der Alarmanlage wäre keine Option gewesen. Die Begründung: Man hätte dann nicht mehr mitbekommen, wer ein- und ausgeht. Das wäre "nicht zu verantworten" gewesen. Daraufhin einigte man sich für die Übernachtung zunächst auf die geeignetere Schulbibliothek.
Ein Megafon steht vor Protestplakaten.
Die Schüler wollen in der Aula weitere Veranstaltungen zur Klimakrise abhalten. Bild: Radio Bremen | Mirjam Benecke
Hat die Aktion Folgen für die Schüler?
Bei Verstößen in öffentlichen Gebäuden sehen die Regularien ein Hausverbot von bis zu einem Jahr vor – je nach Schwere des Verstoßes. Dies wäre im Nachhinein zu bewerten gewesen und hätte auch vom Magistrat bestätigt werden müssen, so Frost. Der Schulleiter habe das Hausrecht in Absprache mit der Polizei wahrgenommen. Ein mögliches Szenario sei den Schülern aufgezeigt worden.

Für den aktuellen Fall sagt der Schuldezernent allerdings: "Wir haben da nichts beabsichtigt." Weder die Schulleitung noch er hätten Konsequenzen als Ziel. "Es war ein abgestimmtes Verfahren, dem sind die Schüler gefolgt", sagt Frost, insofern müsse es keine Konsequenzen geben. Er wünsche sich aber, dass die Jugendlichen nochmal darüber nachdenken, ob das wirklich der richtige Weg war.
Und wie geht es nun weiter?
Das ist noch nicht ganz klar. Die Schüler wollen in einem Plenum nochmal über die Protestaktion diskutieren. Laut dem Schulleiter York Grüninger finden in der Aula diese Woche weitere Veranstaltungen zum Thema Klimakrise statt – dieses Mal von der Schülervertretung organisiert. Er rechnet aber nicht mit weiteren Übernachtungen der Klimaaktivisten. Die Schüler werten die Aktion an sich schon als Erfolg – sie hätten die Aula eine Zeitlang besetzen können – und entsprechende Aufmerksamkeit bekommen.

Schüler der Bremerhavener Scholl-Schule beenden Klima-Protestaktion

Bild: Radio Bremen

Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 16. November 2022, 14:40 Uhr