5 Vorschläge zur Zukunft der Jacobs University in Bremen

Die Privatuniversität in Bremen-Grohn steht wieder einmal vor dem Aus. Die Jacobs Foundation zieht sich demnächst zurück. So könnte es jetzt auf dem Campus weitergehen.

1 Die Uni wird rentabel

Das erste Szenario ist auch das ambitionierteste: Die Uni schafft es rentabel zu wirtschaften. Öffentliche Zuschüsse wie bisher bräuchte sie dann nicht mehr. US-amerikanische Hochschulen wie die Johns Hopkins University in Baltimore machen es vor. Auf öffentliches Geld ist dort niemand angewiesen. Dafür kostet das Studium allerdings auch gut 50.000 Dollar an Gebühr im Jahr.

Der Bremer Historiker Hanno Balz hat fünf Jahre lang als Professor an der Johns Hopkins University gelehrt. Er glaubt nicht, dass das amerikanische Rezept auf Bremen übertragbar ist. "Das hat zu tun mit den völlig unterschiedlichen Wissenschafts- und Gesellschaftskulturen. In den USA gilt es als selbstverständlich, seine Alma Mater (Universität), wenn man es zu etwas gebracht hat, zu beschenken." Dieses Selbstverständnis gebe es hierzulande nicht. In Deutschland herrsche zudem eine deutlich größere Skepsis, Hochschulen den Regeln des freien Marktes zu überlassen.

2 Ein neuer Sponsor

Eine Alternative zu spendenden Absolventinnen und Absolventen wäre ein neuer Großsponsor. Er würde an die Stelle der bisherigen Gönnerin, der Jacobs Foundation, treten. Die wissenschaftspolitische Sprecherin der CDU, Susanne Grobien, appelliert deshalb an die Grohner Unileitung, weitere Anstrengungen in diese Richtung zu unternehmen. "Die University ist sehr international aufgestellt, so dass sie sich auch auf dem internationalen Parkett nach Partnern umsehen kann – nicht nur Klein-Klein in Bremen", sagt Grobien.

3 Bremen zahlt

Falls kein Sponsor auftaucht, bliebe noch die Variante, dass Bremen als unfreiwilliger Mäzen einspringt. Und zwar immer dann, wenn die Privatuni ein Minus erwirtschaftet. Momentan rechnet der Senat damit, dass sich solche Zuschüsse auf mindestens zehn Millionen Euro im Jahr summieren dürften.

Allerdings stehen auf der anderen Seite der volkswirtschaftlichen Bilanz rund 400 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze an der Privatuni. Außerdem trägt die Einrichtung mit rund 50 Millionen Euro an Wertschöpfung pro Jahr zur Bremer Wirtschaftsleistung bei. Der Ökonom Rudolf Hickel kann sich deshalb ein finanzielles Engagement Bremens vorstellen. Allerdings nur unter strikten Bedingungen. "Die Privatuni muss mit ihrer Forschung und Lehre so weit wie möglich in die Universität Bremen integriert werden", fordert Hickel.

4 Bremer Hochschulen übernehmen

Diese Variante geht noch weiter als der Hickel-Vorschlag. Sie sieht vor, dass Hochschule und Uni Bremen den Campus in Grohn übernehmen – und zwar komplett. Die Jacobs University würde abgewickelt. Vor allem die Linke kann sich für diesen Plan erwärmen und hat auch schon ein alternatives Konzept im Ärmel. "Ich kann mir einen Gesundheits-Campus sehr gut vorstellen", sagt die wissenschaftspolitische Sprecherin Miriam Strunge. Dort könnten sämtliche gesundheitsfachlichen Ausbildungen der Stadt zusammengefasst werden.

5 Völliger Niedergang

Das Worst-Case-Szenario: Die Jacobs University geht pleite und die Bremer Politik schafft es nicht, sich auf ein Nachfolgekonzept zu einigen. Damit entstünde in Grohn wieder die Brache, die die Privatuni eigentlich dauerhaft beseitigen sollte. Außerdem gingen hunderte Arbeitsplätze verloren und der Wissenschaftsstandort Bremen würde einen enormen Imageschaden erleiden. Diese Variante wollen alle verhindern, die sich derzeit Gedanken um die Zukunft des Campus in Grohn machen.

Autor

  • Sebastian Manz Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 14. Juli 2020, 19:30 Uhr