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So können Bremer weniger heizen und gleichzeitig Schimmel verhindern

Eine Frau öffnet ein Fenster in einer Wohnung (Symbolbild)
Wer effektiv lüften möchte, sollte die Fenster weit aufreißen statt sie nur zu kippen. Bild: DPA | Christin Klose

Um Energie zu sparen, drehen viele die Heizung runter. Doch bei kalter Raumluft steigt das Schimmelrisiko. Die Verbraucherzentrale Bremen sagt, wie man Schimmel fern hält.

Schimmel an den Wänden oder an den Fenstern sieht nicht nur hässlich aus. Er kann auch gesundheitsschädlich sein, warnt die Verbraucherzentrale Bremen. Daher sollten Bremerinnen und Bremer dafür sorgen, dass sich erst gar kein Schimmel bei ihnen in der Wohnung bildet – auch dann nicht, wenn sie, um die Heizkosten überschaubar zu halten, die Heizung niedriger drehen als in früheren Jahren. Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem richtigen Lüften und dem gezielten Heizen zu.

Schimmel in der Ecke eines Fensters (Symbolbild)
An Fenstern, die häufig gekippt offen stehen, kühlt leicht die Wand aus. Dann kann sich dort schnell Schimmel bilden. Bild: DPA | Andrea Warnecke
Wie lüftet man richtig?
So, dass in möglichst kurzer Zeit viel Luft ausgetauscht werden kann, also am besten mit weit aufgerissenen Fenstern in der ganzen Wohnung, damit Durchzug entsteht, rät Inse Ewen, Energieexpertin der Verbraucherzentrale Bremen. Gar nichts dagegen hält sie von der Lüftung über gekippte Fenster: "Über die Kipplüftung schafft man es nicht, einen guten Luftaustausch herzustellen." Außerdem kühlten dauerhaft durch gekippte Fenster belüftete Räume aus, insbesondere an Stellen nahe der Fenster. Und das hat Folgen. Denn je kälter die Luft in einem Raum ist, desto weniger Wasserdampf könne sie aufnehmen. Die feuchte Luft kondensiert dann an den Wänden. Und dadurch kann sich Schimmel bilden.
Welche Fehler machen Bremer Mieterinnen und Mieter bei Ihren Versuchen, Energie zu sparen und zugleich Schimmel zu vermeiden am häufigsten?
Das Lüften über gekippte Fenster sei immer noch ein besonders häufig zu beobachtender Fehler, sagt Frank Wendt, Leiter der Abteilung "Technisches Gebäudemanagement" bei der Gewoba, der größten Wohnungsgesellschaft im Land Bremen. Viele Leute lüfteten schon deswegen fast nur über gekippte Fenster, weil sie ihre Fensterbänke zugestellt hätten und die Fenster daher gar nicht vollständig öffnen könnten.

"Man muss für eine vernünftige Querströmung der Luft sorgen", sagt Wendt dazu. Das sei insbesondere bei hoher Luftfeuchtigkeit wichtig, beispielsweise nach dem Duschen. "Man muss die Feuchtigkeit nicht nur aus dem Bad, sondern aus der gesamten Wohnung bekommen", so Wendt. Wer nach dem Duschen nur die Badezimmertür aufmache, nicht aber auch die Fenster in der dazugehörigen Wohnung, der leite die Feuchtigkeit aus dem Bad lediglich in andere Bereiche der Wohnung.

Ein anderer Fehler, der sich häufig beobachten lasse, sei, dass in vielen Wohnungen die Thermostat-Ventile der Heizungen durch Vorhänge verdeckt seien. Das Ergebnis: direkt an den Ventilen ist es warm, nicht aber im übrigen Raum. Grundsätzlich empfehle die Gewoba ihren Bewohnern derzeit, die Raumtemperatur bei etwa 20 Grad Celsius zu halten.
Ein digitales Hygrometer in einer Wohnung (Symbolbild)
Ein Hygrometer, das sowohl die Luftfeuchtigkeit und auch die Temperatur anzeigt, sollte in keinem Haushalt fehlen, sagt die Verbraucherzentrale Bremen. Bild: DPA | Robert Guenther
Wie weit darf, wer besonders viel Energie sparen möchte, mit der Temperatur heruntergehen, ohne Schimmel in der Wohnung Tür und Tor zu öffnen?
Das lasse sich so pauschal nicht sagen. Man müsse mehrere Indikatoren zugleich beachten, sagt Inse Ewen von der Verbraucherzentrale Bremen: "Es gibt drei Stellschrauben: Das Lüftungsverhalten, das Heizverhalten und die Luftfeuchtigkeit." Um all diese Stellschrauben zugleich im Blick zu behalten, gehöre in jeden Haushalt ein Hygrometer, also ein Gerät, dass neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit ständig misst. Liege die Luftfeuchtigkeit permanent bei über 60 Prozent, so steige das Risiko des Schimmelbefalls gerade in den Ecken, den sogenannten Wärmebrücken eines Raumes, erheblich. Besonders kritisch werde es, wenn die Wandtemperatur auf unter 13 Grad sinke.

"Und das passiert in den Wintermonaten sehr schnell", mahnt Ewen. Um hier gegenzusteuern, müsse man heizen, auch um der Gefahr von Tauwasserausfall zu begegnen. Darunter versteht man, dass feuchte, warme Raumluft unter die Wandfarbe oder Tapete in die Dämmebene oder die Wand des Hauses gelangt und dort abkühlt, so dass sie Wasser abgibt, das dann in die Poren des Dämmstoffs oder in die Wand eindringt und so einen erheblichen Schaden verursacht.
Ist es wirklich notwendig, neben der Luftfeuchtigkeit und der Raumtemperatur auch die Temperatur der Wand zu messen?
Es ist zwar mit Laser-Thermometern leicht möglich. Ewen hält es jedoch im Normalfall nicht für zwingend erforderlich: "Ich kann es mir ein bisschen leichter machen, indem ich mein Thermometer in die Nähe der Wand stelle", empfiehlt die Verbraucherschützerin. Alternativ dazu könne man das Thermometer auch kurzzeitig an die Wand hängen.

Unabhängig davon empfiehlt die Verbraucherzentrale Bremen, dafür zu sorgen, dass die Raumtemperatur einer Wohnung nie dauerhaft 16 Grad Celsius unterschreitet, weil andernfalls das Risiko der Schimmelbildung deutlich steige. Das gelte insbesondere für Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Küchen, Badezimmer – oder auch Schlafzimmer. "Allein beim Schlafen dünsten die Menschen rund einen Liter Feuchtigkeit aus", erklärt Ewen. Sie empfiehlt, derartige Räume vorsorglich zwischendurch auf mindestens 18 Grad zu heizen.
Worauf muss außerdem achten, wer mit Raumtemperaturen nahe der 16-Grad-Marke auskommen möchte?
Man sollte auf keinen Fall Möbel zu dicht an die Wände stellen, empfiehlt Verbraucherschützerin Inse Ewen. Auch sollte man Bilderrahmen nicht zu dicht an die Wand drücken. Es komme darauf an, dass die Luft noch überall hin gelange und die Wand zumindest noch ein bisschen erwärmen könne. "Wenn ich alles vollgestellt und an die Wand gerückt habe, dann steigt die Gefahr, dass es hinter den Möbeln oder den Bildern anfängt zu schimmeln", so Ewen.
Inse Ewen von der Verbraucherzentrale zu Gast im Studio von buten un binnen.
Energieberaterin der Verbraucherzentrale Bremen: Inse Ewen. Bild: Radio Bremen
Als besonders problematisch im Zusammenhang mit Schimmel gelten Souterrain-Wohnungen. Aber warum? Und: Wie lüftet man dort richtig?
Die meisten Probleme mit Schimmel in Souterrain-Wohnungen und im Keller entstehen dem Bremer Netzwerk Schimmelberatung zufolge gar nicht im Herbst oder im Winter, sondern im Sommer. Denn viele Leute neigten zu geöffneten Kellenerfenstern an warmem Tagen , "um mal wieder richtig durchzulüften". Dass der Keller aber durch die warme Luft, die auf kalte Wände trifft, feucht wird, sei vielen Menschen nicht bewusst.

Energieberaterin Inse Ewen empfiehlt daher, Kellerwohnungen im Sommer vorzugsweise in den kälteren frühen Morgenstunden oder am Abend zu lüften. Im Winter solle man in Souterrain-Wohnungen möglichst nur kurz lüften, damit die Wände nicht auskühlten. Wie in allen anderen Wohnungen, so dürfe auch in Souterrain-Wohnungen die Wandtemperatur nicht unter 13 Grad fallen, weil andernfalls das Schimmel-Risiko erheblich steige. Ewen rät Bewohnern von Souterrain-Wohngen zudem, auf Tapeten zu verzichten. "Denn die Tapete ist etwas, was der Schimmel gerne mag". Sinnvoller seien kalkhaltiger Putz sowie kalkhaltige Farben. Denn darauf fühle sich Schimmel nicht wohl.
Empfiehlt es sich, Luftentfeuchter einzusetzen, um die Temperaturen niedrig zu halten und gleichzeitig Schimmelbefall vorzubeugen?
Eher nicht, sagt Inse Ewen. Wenn man beispielsweise bei einer vierköpfigen Familie von zwölf Litern Flüssigkeit ausgehe, die diese Familie am Tag abgebe, dann benötige man ein Gerät, dass der Raumluft täglich zwölf Liter Luft entziehe. "Dann bin ich ganz schnell bei Geräten, die ungefähr 100 oder 200 Watt Strom pro Stunde benötigen", so Ewen. Daraus ergäben sich schnell Kosten von 45 bis 90 Cent pro Tag bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde. "Wenn der Strompreis deutlich steigt, sind wir auch schnell bei über einem Euro pro Tag, wenn das Gerät nur zehn Stunden am Tag läuft."

In der Regel aber müssten Luftentfeuchter rund um die Uhr laufen, um die Entfeuchtung der Luft permanent sicherzustellen. "Da sind die Grenzen des Heizkostensparens schnell erreicht", sagt Ewen. Hinzu komme die mitunter hohe Geräuschbelastung, die mit Luftentfeuchtern einhergehe. In aller Regel sei richtiges Lüften und das gezielte Heizen mithilfe eine Hygrometers die bessere Alternative. Wohnungseigentümern empfiehlt Ewen zudem, über eine Innendämmung nachzudenken. Schließlich könne man sich auch individuell beraten lassen.

Geeignete Ansprechpartner hierfür fänden sich auf der Website des Bremer Netzwerks Schimmelberatung, in dem sich auch die Verbraucherzentrale engagiert. Ebenfalls dazu gehören die Bremer Umwelt Beratung, das Gesundheitsamt Bremen, die Eigentümerschutz-Gemeinschaft "Haus und Grund" sowie der DMB Mieterverein Bremen.

So halten es Bremerinnen und Bremer mit dem Heizen

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. September 2022, 19:30 Uhr