So sehr hat Corona den Spielplan der Bremer Theater verändert

Mit angepasstem Eintritt, leeren Reihen und Abstandregelungen hat der neue Spielplan in den Bremer Theatern begonnen. Das löaüüt teilweise sogar ganz gut.

Drei Schauspieler führen auf der Bühne der Shakespeare Company das Stück "Der Nibelungen Wut" auf.
"Der Nibelungen Wut" ist während der Coronakrise entstanden. Bild: Shakespeare Company Bremen | Marianne Menke

Die Coronakrise hat die Kulturbranche hart getroffen. Aber vor wenigen Wochen durften die Theater in Bremen mit dem neuen Spielplan starten. Reduzierter Eintritt, leere Reihen trotz ausverkauftem Haus, angepasstes Repertoire: Das ist die Realität im Bremens Theatern.

"Obwohl wir aufgrund der Abstandsregeln gerade schwierig mit großen Chören oder großem Orchester im Musiktheater arbeiten können, haben wir ein sehr schönes Programm entwickelt", zeigt sich Diana König, Pressesprecherin des Theater Bremen, optimistisch. "'Die Zauberflöte' feiert als 'kleine Fassung einer großen Oper' im November Premiere, im Oktober bringen wir den John-Lennon-Liederabend 'Imagine' auf die Bühne und wir planen mit 'Das schlaue Füchslein', 'Ariadne auf Naxos' und 'King Arthur' auch schöne Produktionen für die zweite Hälfte der Spielzeit", kündigt König an. Im Oktober habe man zudem die Eintrittspreise gesenkt.

Kürzere Stücke und mehr Aufführungen

Auch die Bremer Shakespeare Company versucht das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. "Im November und Dezember versuchen wir andere Formate auszuprobieren, darunter kürzere Stücke und Monologe. Shakespeare kann man immer spielen", sagt Peter Lüchinger, Vorstand und Schauspieler der Bremer Shakespeare Company.

Mit kürzeren Stücken und mehr Aufführungen versuche man der Reduzierung der Sitzplätze zu begegnen. "Die Resonanz ist sehr gut", freut sich Lüchinger. Geplant wird nur noch für zwei bis drei Monate, denn keiner weiß, was im Winter kommt. Denn die Infektionszahlen steigen.

Auch für den nicht-öffentlichen Betrieb bedeutet das Infektionsrisiko Anpassungen: "Wir haben das Proben mit Visieren probiert, aber dann gemerkt, dass wir diese nicht brauchen", erklärt der Schauspieler. 1,50 Meter Abstand einzuhalten sei bei Shakespeare gut möglich. "Zwar wird das Spiel so statischer, aber Shakespeares Worte sind so gewaltig, dass sie trotzdem das Vorstellungsvermögen anregen."

Viele merken Bedeutung des Theaters fürs eigene Leben

Ähnlich handhabt es das Bremer Theater: "Auf der Bühne müssen wir auf die Abstandsregeln achten, die Schauspielerinnen und Schauspieler, Sängerinnen und Sänger sowie Tänzerinnen und Tänzer kleiden sich größtenteils selbst um und schminken sich." Auch auf der Probebühne seien weniger Menschen als sonst, Maskenbildnerinnen und Maskenbildner arbeiteten nur noch von hinten, Sitzungen fänden Online statt.

Ob die Coronakrise auch etwas Gutes bewirke? "Als Theater ist unser Kerngeschäft die sinnlichen Präsenz, die Gemeinschaft und der Austausch mit Menschen – all das leidet unter der Pandemie sehr und fehlt uns allen", findet König. Vielen Menschen sei aufgefallen, wie wichtig ihnen Theater, Oper und Tanz sind, wie sehr die Kunst im Leben sowie die Begegnungen mit Menschen fehlen.

"Die Krise blockiert uns nicht"

Die Shakespeare Company hat einige gute Erfahrungen gesammelt: "Wir haben uns für das Digitale geöffnet, Aufführungen gefilmt und als Streaming angeboten. Uns macht die Krise keine Angst, es blockiert uns nicht." Neuerdings tage der Neustädter Beirat in den Räumlichkeiten der Company. "Am Anfang gab es das große Schrecken, aber so langsam normalisiert sich das wieder", meint Lüchinger. Ein Höhepunkt der jetzigen Spielzeit sei "Der Nibelungen Wut". Ein Stück, das in der Coronazeit gewachsen sei, immer wieder unterbrochen wurde und die Nibelungensage in die heutige Zeit versetze.

Fünf Schauspieler führen auf der Bühne der Shakespeare Company das Stück "Der Nibelungen Wut" auf.
Wegen der Coronakrise musste das Stück "Der Nibelungen Wut" angepasst werden. Bild: Shakespeare Company Bremen | Marianne Menke

"Wenn jetzt nicht allzu viel wegbricht an Gastspielen, dann müssten wir bis zum nächsten Sommer durchkommen", so der Vorstand. Die Zukunft sei ungewiss. Dennoch: Angst habe man nicht. "Wir sind Schauspieler. Das heißt, wir sind kreative Menschen. Wenn uns nichts mehr einfällt, dann fällt niemandem mehr was ein."

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Video vom 8. Oktober 2020
Theaterdarstellerin Claudia Spörri im Interview.
Bild: Radio Bremen

Autorin

  • Johanna Ewald Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 10. September 2020, 16 Uhr