Corona-Studie sieht große Infektionsgefahr in Flüchtlingsunterkünften

  • Forscher vergleichen Risiko mit dem auf Kreuzfahrtschiffen
  • Auch Corona-Ausbruch in Bremen untersucht
  • Ende April waren in Vegesack rund 100 Infektionen registriert worden
Die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und Flüchtlinge im Lande Bremen im Stadtteil Vegesack.
Mehr als 100 Corona-Fälle wurden Ende April in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Lindenstraße registriert. Bild: DPA | Sina Schuldt

Das Ansteckungsrisiko nach einer Corona-Infektion in einer Flüchtlingsunterkunft ist einer Studie zufolge etwa so hoch einzustufen wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Das hat eine Untersuchung unter Leitung des Bielefelder Forschers Kayvan Bozorgmehr ergeben. Das Virus könne sich rasch ausbreiten, wenn es einmal durch Bewohner oder Personal in die Unterkunft gelangt sei, sagte der Studienleiter der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Zunächst hatte der SWR über die Untersuchung berichtet.

Wenn die Politik es ernst meint mit einer Eindämmung der Pandemie, muss sie effektive Ansätze für die Flüchtlingsheime in ihre Pläne einbauen. Flüchtlinge sind keine Marginalgruppe.

Gesundheitswissenschaftler Kayvan Bozorgmehr

Die noch unveröffentlichte Studie gilt als erste wissenschaftliche Untersuchung dieser Art, die sich mit Corona-Ansteckungsrisiken in Flüchtlingsheimen befasst. Grundlage waren 23 Unterkünfte mit 1.367 bestätigten Infektionsfällen in Bremen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Ende April waren mehr als 100 Corona-Fälle in der Erstaufnahmeeinrichtung in Bremen-Vegesack bekannt geworden. Geflüchtete und verschiedene Initiativen fordern seit Monaten die Schließung der Unterkunft. Seit Anfang Mai müssen die Betreiber von Gemeinschaftsunterkünften in Bremen dafür sorgen, dass die Bewohner die Corona-Abstandsregeln befolgen. Der Bremer Senat hatte eine entsprechende Verordnung erlassen.

Isolierung infizierter Flüchtlinge oft unmöglich

"Man muss unbedingt gewährleisten, dass die Unterbringung der Flüchtlinge coronaschutzkonform ist", mahnt Gesundheitswissenschaftler Bozorgmehr. Aus Infektionsschutzsicht heiße das: Einzelzimmer und keine weitere gemeinschaftliche Nutzung von Küche, Dusche und WC durch mehrere Familien gleichzeitig. Die nötige strikte Isolierung infizierter Flüchtlinge von Nicht-Infizierten sei aus räumlichen Gründen oft nicht möglich.

120 Corona-Fälle in Bremer Flüchtlingsunterkunft

Video vom 23. April 2020
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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 30. April 2020, 17 Uhr