Exklusiv

Bremer soll Homosexuelle tyrannisiert haben

  • Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 30-jährigen Bremer erhoben
  • Er hatte es offenbar auf Homosexuelle abgesehen
  • Der Mann soll mehrere Hassverbrechen begangen haben
Eine Aufnahme eines Handydisplays, die eine Hassnachricht, die über SMS versendet wurde, zeigt.

Die Bremer Staatsanwaltschaft hat einen Mann angeklagt, weil er junge Homosexuelle tyrannisiert haben soll. Experten sprechen von einem bundesweit einmaligen Fall von Hasskriminalität. Der mutmaßliche Stalker soll seine vier Opfer über das Internet ausgespäht haben.

Laut Anklage fälschte er Facebook-Accounts, um die jungen Männer zu bedrohen, zu outen sowie in ihrem Namen Betrügereien und Erpressungen zu begehen. Einem Jugendlichen soll der 30-Jährige einen Trauerkranz in die Schule geschickt und für ihn eine Todesanzeige aufgegeben haben.

Verbindendes Element scheint die sexuelle Orientierung zu sein. Der Angeschuldigte ist offenbar davon ausgegangen, dass es sich bei allen vier Geschädigten um Personen handelt, die homosexuell sind.

Frank Passade, Sprecher Staatsanwaltschaft Bremen

Radio Bremen hatte über den Fall bereits vor einem Jahr berichtet. Anklage wurde aber erst jetzt erhoben. Weil er aus Hass auf Schwule gehandelt haben könnte, muss sich der Bremer nun wegen Volksverhetzung verantworten. Dazu kommen Vorwürfe wie Nachstellung, Bedrohung, Nötigung und versuchte Erpressung. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht.

Lesben- und Schwulenverband: einmaliger Vorfall

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland hält den Bremer Fall für bundesweit einmalig. Homophobe Gewalt nehme zwar zu, Stalking gehöre bisher aber nicht dazu. Der Karlsruher Bundesanwalt a.D. und Schwulen-Aktivist Manfred Bruns meint, aus den Taten spreche die Überzeugung, dass Homosexuelle kein Lebensrecht hätten.

Christian Linker vom Bremer Rat & Tat-Zentrum für queeres Leben fordert, Lesben und Schwule müssten sich öfter zur Wehr setzen. "Oftmals werden solche Verbrechen gar nicht erst angezeigt, und dann ist es sehr, sehr schwierig, Beweise zu finden und zu Verurteilungen zu kommen. Und das Leid dieser Personen ist unendlich groß. Und deswegen bin ich zu allem erstmal froh, dass es überhaupt zu einem Gerichtsverfahren kommt", sagt Linker.

Dem mutmaßlichen Täter droht nun eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Ein Prozesstermin steht allerdings noch nicht fest. Eines der Opfer zeigt sich am Telefon erleichtert. Der junge Mann hat im Ausland von der Anklage erfahren. "Ich würde sagen, ich hab's ganz gut hinter mir gelassen. Aber natürlich beschäftigt es mich schon noch in vielen Momenten. Es ist nicht abgeschlossen, aber man lebt damit", sagt er.

  • Michael Pundt

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. August 2018, 6 Uhr