Interview

Auto pfui, Fahrrad hui – so verändert sich der Verkehr in Bremen

Wie werden wir uns künftig fortbewegen? Darüber sprechen in Bremen Experten aus ganz Deutschland. Laut Forscherin Jutta Deffner werden Autos zunehmend aus Städten verschwinden.

Eine Straße voller Fahrradfahrer und einem Lkw.
So könnten unsere Straßen in Zukunft aussehen: Mehr Fahrräder, weniger Autos. Bild: Imago | Snapshot

Bei der Fachtagung zur Nutzung von Parkraum in Bremen soll nicht nur über die Umgestaltung der Parkplätze gesprochen werden. Experten aus ganz Deutschland diskutieren über das breite Feld der Mobilitätsplanung. Eine der Gastrednerinnen ist Jutta Deffner vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt am Main. Sie verrät, wie die Stadt der Zukunft aus ihrer Sicht aussehen könnte.

Wie sieht der Stadtverkehr der Zukunft aus?
Die Innenstadt ist durch kurze Wege geprägt, dadurch sollte der Fokus auf dem nicht-motorisierten Verkehr liegen. Für das restliche Stadtgebiet wird es gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geben, während der individuelle Autoverkehr größtenteils aus der Stadt verschwinden wird.
Heißt das, man sollte Autos aus den Städten verbannen?
Nein, das Auto ist eine Erfindung, die man nicht verteufeln sollte. Eine autofreie Stadt zu wollen, wäre der falsche Weg. Es sollte eher darum gehen, den Fokus des Verkehrs vom Pkw wegzuleiten. In einem Auto in der Stadt sitzen durchschnittlich 1,2 Personen, das ist bezogen auf den benötigten Platz zu wenig. Andere Verkehrsmittel sind in vielen Fällen effektiver und gleichzeitig besser für die Umwelt. Trotzdem ist es in vielen Städten noch so, dass die Pkw in der Hierarchie ganz oben stehen und beispielsweise bei Grünphasen von Ampeln gegenüber von Fußgängern und Straßenbahnen bevorzugt werden oder dabei Platz für parkende Autos zu schaffen.
Welche Schritte sollte man noch unternehmen, um den Verkehr in der Stadt in Zukunft nachhaltig und effektiv zu gestalten?
Als Erstes muss man die Infrastruktur optimieren – die Quantität und die Qualität. Das bedeutet zum Beispiel mehr Platz für Bahnlinien oder Fußgänger- oder Radwege und die öffentlichen Verkehrsmittel. Dafür muss man nicht direkt alles umbauen, wozu man in Deutschland leider tendiert. Andere Länder nutzen viel häufiger Provisorien, wodurch die Bewohner die Änderungen viel eher annehmen. Alternativ kann man auch einzelne Stadtteile zum Start auswählen und die Änderungen sukzessive ausbreiten.
Welche Städte können für die Zukunftsplanung des Verkehrs als Vorbild für Bremen gelten?
Es ist schwer, Vorbilder zu nennen – die perfekte Stadt gibt es nicht und es gibt immer auch unterschiedliche Gegebenheiten und Schwerpunkte. Natürlich gibt es viele Städte in den Niederlanden oder Dänemark, die wegen ihrer Fahrradfreundlichkeit als Musterbeispiel gelten. Sie sind dann aber manchmal für Fußgänger und ÖPNV-Nutzer suboptimal. Man muss sich einzelne Punkte suchen und sie dann Schritt für Schritt verbessern.
Was macht Bremen schon besonders gut?
In Bremen sticht besonders das gute Angebot in Sachen Car-Sharing heraus – und ist damit Musterbeispiel für eine Mobilität ohne eigenes Auto. Das ist in Bremen ausgeprägt und entlastet sowohl die Umwelt als auch den Parkraum. Natürlich gibt es dann auch andere Bereiche, die noch nicht optimiert sind, aber das ist in jeder Stadt der Fall.

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  • Yannick Lemke

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 23. Oktober 2018, 19:30 Uhr