Sozialarbeit in Bremen: Einsatz für die Abgehängten

400 junge Menschen studieren in Bremen Soziale Arbeit. Dabei hat der Job keinen guten Ruf und wird nicht gut bezahlt. Wir haben angehende Sozialarbeiter bei ihren Praktika begleitet.

Man sieht drei Männer auf der Straße sitzen.

Obwohl die soziale Arbeit ein schlechtes Image hat, ist die Nachfrage groß: So kommen auf einen Studienplatz an der Hochschule Bremen 30 Bewerber. Getrübt wird das Bild allerdings von den Verdienstmöglichkeiten nach dem Studium. Dabei ist es egal, ob irgendein Träger oder der Öffentliche Dienst der Arbeitgeber ist. Sozialarbeit wird häufig schlecht bezahlt. Wer mit einem akademischem Abschluss die Hochschule verlässt, bekommt im ersten Jahr als Sozialarbeiter nur 2.000 Euro Brutto.

Für das Fach "Soziale Arbeit" sind bis zum Bachelor sechs Semester vorgesehen, sowie ein Praxis-Semester. Wir haben drei Studenten bei ihren praktischen Einsätzen begleitet.

1 Mobile Betreuung in schwierigen Lebenslagen

Lukas Beilharz
Lukas Beilharz will mit Menschen arbeiten und sie weiterbringen.

Der Student Lukas Beilharz ist mit der Sozialpädagogin Lotte Hellwing unterwegs. Sie sind auf Hausbesuch bei einer jungen Frau, die lange nicht allein klarkam. Dank der Unterstützung findet sie wieder in die Spur und will eine Ausbildung als Erzieherin machen. Wenn es die Sozialarbeiter erst einmal so weit geschafft haben, ist das ein schöner Erfolg für alle Beteiligten. Solch eine Arbeit könnte sich auch Lukas gut vorstellen. Und die Mobile Betreuung benötigt Leute wie ihn.

2 Ambulante Drogenhilfe bei "Comeback"

Birte Dreßler
Katharina Hoeft wünscht sich mehr Anerkennung für die Soziale Arbeit.

Im Tivoli-Hochhaus am Bahnhof macht die Studentin Katharina Hoeft ihr Praxis-Semester. Sie lernt die Arbeit der ambulanten Drogenhilfe kennen. Hierher kommen viele, die durch ihre Sucht abgerutscht sind. Der Verein Comeback bietet ihnen einen Treffpunkt, wo sie steriles Spritzbesteck oder Kondome bekommen. Die Comeback-Sozialarbeiter helfen auch dabei, eine Therapie zu vermitteln. Manchmal wollen die Suchtkranken einfach nur ihre Probleme abladen und suchen jemanden, der ihnen zuhört. Wer in diese Welt eintaucht, lernt auch die eigenen Grenzen kennen. Comeback ist ein privater Träger, einer von vielen, die allesamt ein Problem haben: Es fehlt Fachpersonal – wegen der Bezahlung und dem schlechten Image.

3 Auf Tour mit dem Streetworker

Sebastian Schroeck
Sebastian Schroeck kan sich vorstellen, als Streetworker zu arbeiten.

Im Bus der Inneren Mission sitzt Student Sebastian Schroeck neben dem Sozialarbeiter Jonas Pot d'Or. Sie suchen Obdachlose auf und bringen ihnen einen Schlafsack oder ein Zelt – all die Dinge, die ein Leben auf der Straße erträglicher machen. In Bremen leben immer mehr Menschen auf der Straße. Über 600 sollen es sein. Sie haben alles verloren durch Alkohol, Drogen oder Armut. Viele konnten einen schweren Schicksalsschlag nicht verkraften und leben nun lieber auf der Straßen als in einer Notunterkunft – trotz vieler Gefahren.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Dagegen müsse man etwas tun, ist Sebastian Schroeck überzeugt. Und die Sozialarbeit müsse da an vorderer Front stehen, um die Menschen aufzufangen, die von der Gesellschaft abgehängt sind. Er fordert, dass diese Arbeit auch ordentlich honoriert werden muss.

  • Holger Baars

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. August 2018, 19:30 Uhr