Diskussionen um Sieling-Äußerung bei Kühne und Nagel-Richtfest

"Machen Sie so weiter, wie Sie es in in Ihrer gesamten Firmengeschichte gemacht haben", sagte Bremens Bürgermeister zu Kühne und erntete empörte Reaktionen.

Kühne und Sieling beim Kühne und Nagel-Richtfest
Klaus-Michael Kühne und Bürgermeister Sieling beim Richtfest des Kühne und Nagel-Neubaus.

Eine Äußerung von Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) beim Richtfest der Deutschlandzentrale von Kühne und Nagel sorgt für Diskussionen. Sieling sagte am Dienstag in Richtung des Mehrheitsaktionärs Klaus-Michael Kühne:

Machen Sie so weiter, wie Sie es in Ihrer gesamten Firmengeschichte gemacht haben.

Carsten Sieling (SPD), Bürgermeister

Vor dem Hintergrund der NS-Vergangenheit des Unternehmens erntete dieser Satz empörte Reaktionen.

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Die ehemalige Landesvorsitzende der Grünen, Kai Wargalla, twitterte: "Ich bin fassungslos." Kühne und Nagel transportierte im Dritten Reich – wie andere Unternehmen auch – von Juden beschlagnahmte Güter. Wegen seines Umgangs mit der eigenen Geschichte stand Kühne und Nagel in den letzten Jahren immer wieder in der Kritik. Zuletzt hatte es Streit darum gegeben, ob ein Mahnmal, das an die Enteignung von Juden im Dritten Reich erinnern soll, direkt am Neubau am Weserufer errichtet wird oder nicht – es entsteht nun einige Meter entfernt an der Schlachte.

Der jetzige Landesvorsitzende der Grünen, Hermann Kuhn, fordert eine Klarstellung von Sieling. "Carsten Sieling kann das nicht im Ernst so meinen. Mein dringender Rat ist eine deutliche Klarstellung, wie er das (nicht) gemeint hat", twitterte Kuhn. Der Bürgerschaftsabgeordnete Matthias Güldner schrieb: "Un-be-liev-able."

CDU-Chef: Ungeschickte Äußerung

Auch unter Vertretern anderer Parteien sorgte Sielings Äußerung für Ärger. So teilte die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion der Linke in der Bremischen Bürgerschaft, Miriam Strunge, mit: "Ich halte den Satz von Herrn Bürgermeister Sieling für absolut unpassend und unsensibel gegenüber der Debatte in der Stadt zur Verantwortung von Kühne und Nagel bei der massenhaften Beraubung jüdischen Eigentums während der NS-Zeit." Die geschichtsvergessenen Kommentare während des Richtfestes hätten noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie wichtig das geplante Mahnmal ist. "Dessen Bau muss höchste Priorität eingeräumt werden."

Der Bremer CDU-Chef, Jörg Kastendiek, sagte: "Diese Aussage von Carsten Sieling ist gedankenlos und vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um das Mahnmal mehr als ungeschickt."

Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der FPD in Bremen, zeigte jedoch ein gewisses Verständnis für Sielings Situation und sagte: "Carsten Sieling hat im Eifer des Gefechts offenkundig die falschen Worte gewählt. Das kann passieren und ist nur menschlich."

Sprecher: Äußerung war auf Arbeitsplätze gemünzt

Der Sprecher von Sieling, André Städler, äußerte sich nun auf Anfrage von buten un binnen zu dem gesagten Satz.

Wer die Rede des Bürgermeisters beim Richtfest gehört hat, der weiß, dass dieser Satz auf die wachsende Zahl der Arbeitsplätze bei Kühne und Nagel in den letzten Jahren sowie auf die Bedeutung des Unternehmens für die weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Bremen zielte.

André Städler, Sprecher Senatskanzlei

Sieling zu unterstellen, er hätte die Verantwortung des Unternehmens für sein Handeln während der NS-Zeit verharmlosen wollen, sei vollkommen abwegig. In dieser Frage habe Sieling immer klar und unmissverständlich Stellung bezogen, gerade was die in diesem Zusammenhang notwendige Erinnerungsarbeit und auch die Errichtung eines Mahnmals anbelangt.

Zu sehen ist ein großer Richtkranz vor dem neuen Kühne und Nagel Gebäude.
  • Milan Jaeger

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 17. April 2019, 23:30 Uhr