Interview

"Oft bin ich entsetzt, wie unsicher Kinder schwimmen"

In Bremer Schwimmvereinen stehen teilweise etwa 200 Kinder auf den Wartelisten für einen Platz im Schwimmkurs. Die Situation erklärt die Trainerin Saskia von Tungeln.

Eine Schwimmlehrerin mit ihren Schülern im Wasser.
Mit fünf Jahren sollten Kinder Schwimmen lernen. Denn dann können sie die Aufgabe koordinativ bewältigen. Bild: DPA | Petra Steuer
Saskia von Tungeln wie sie mit einem Strohhut auf dem Kopf in die Kamera schaut.
Saskia von Tungeln bringt Kindern in Bremen das Schwimmen bei. Bild: Saskia von Tungeln

Saskia von Tungeln trainiert seit acht Jahren Kinder beim Polizei SV Bremen. Angefangen hat sie als Helferin, mittlerweile besitzt sie einen Trainerschein und bildet sich regelmäßig fort. Ihrer Meinung nach können immer weniger Bremer wirklich gut schwimmen — und viele Kinder müssen lange warten, um es zu lernen.

Wo können Kinder in Bremen schwimmen lernen?
Da gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen bei den Bremer Bädern, zum anderen über Schwimmvereine. Bei den Bremer Bädern gehen die Schwimmkurse jedoch meist nur über acht bis zehn Termine. Danach haben die Kinder das Seepferdchen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sicher schwimmen können! Das können sie erst, wenn sie ihren Freischwimmer abgelegt haben. In den Vereinen bleiben die Kinder, bis sie dieses Ziel erreicht haben und lernen neben dem Brustschwimmen auch das Tauchen und die Rückenlage kennen.
Wie lang muss ein Kind auf einen Platz in Schwimmkursen warten?
In den Bremer Bädern kommen die Kinder meist schon nach zwei bis drei Monaten in die Kurse. In den Vereinen dauert es deutlich länger. Wir haben immer so um die 200 Kinder auf unserer Warteliste stehen, und in der Regel müssen sie zwei Jahre warten, bis ein Platz frei geworden ist. Anderen Schwimmvereinen in der Stadt geht es da ähnlich. Und die Situation ist seit vielen Jahren gleich. Wir haben eigentlich durchgängig so viele Kinder auf der Liste.
Was muss sich ändern, damit Kinder in Bremen schneller in Schwimmkurse kommen?
Wir bräuchten mehr Trainer und mehr Wasserzeiten in den Bädern. Dann könnten natürlich auch mehr Kurse angeboten werden.
Wie lange dauert es, bis ein Kind sicher schwimmt?
Ich würde sagen, in der Regel ungefähr ein halbes Jahr — vom Nichtskönner zum Freischwimmer. Das hängt aber natürlich auch immer davon ab, ob die Eltern das Kind schon ans Wasser gewöhnt haben oder nicht. Wenn das Kind anfangs partout nicht mit dem Kopf unter Wasser möchte, kann es auch länger dauern.
Schwimmen Bremer Kinder heute schlechter als früher?
In den acht Jahren, in denen ich jetzt Kindern schwimmen beibringe, habe ich das Gefühl, dass sich die Grundvoraussetzungen verschlechtern. Gerade am See bin ich oft entsetzt darüber, wie unsicher Kinder und auch Jugendliche schwimmen.
Mit fünf Jahren sollten Kinder schwimmen lernen, dann sind sie koordinativ dazu in der Lage. Je später sie anfangen, desto länger dauert es natürlich auch, bis sie es lernen.

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  • Lina Brunnée

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 3. August 2018, 23:22 Uhr