Angst vor Wandel? Bremer Schaffermahlzeit bleibt in Männerhand

  • Die Schaffermahlzeit darf auch in Zukunft nicht von Frauen ausgerichtet werden
  • Männer im Hause Seefahrt fürchten um die Tradition
  • Dafür werden mehr weibliche Gäste eingeladen
Eine Demonstration bezüglich der Frauenfrage bei der Bremer Schaffermahlzeit

Es bleibt dabei: Die Männer im Haus Seefahrt wollen unter sich sein. Erfolgreiche Frauen aus der Bremer Wirtschaft sind nach wie vor in ihren Reihen als Schafferinnen nicht erwünscht. Es sei noch zu früh, heißt es im Zuge der Generalversammlung. Bremer Unternehmerinnen dürfen das Fest also weiterhin nicht ausrichten und gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen am Tisch sitzen und für wohltätige Zwecke spenden.

Die Zahl der weiblichen Gäste darf demnach aber steigen. Um wie viele werden die Vorsteher des Hauses Seefahrt vermutlich im Herbst entscheiden. Bisher waren maximal vier Frauen erlaubt, unter gut 300 männlichen Teilnehmern.

Blockieren vor allem die Kapitäne?

Es sollen vor allem die Kapitäne sein, die mit einem Wandel im Haus Seefahrt hadern. Viele Kaufleute, vor allem die jüngeren, zeigen sich offen dafür, dass Frauen als Schaffer zugelassen werden. Was genau hinter den verschlossen Türen der Generalversammlung der rund 350 Mitglieder des Hauses Seefahrt diskutiert wurde, darüber wird nicht gerne gesprochen. Die kaufmännischen und seemännischen Vorsteher der Stiftung weichen aus oder deuten nur etwas an. Es sei eben schwer, so ein Bremisches Kulturgut zu verändern, sagte Matthias Claussen, Vorsteher im Haus Seefahrt, buten un binnen. Das bisherige Format der Schaffermahlzeit spreche dagegen.

Das Format ist im Wesentlichen die Tradition, dass wir bisher keine weiblichen, kaufmännischen Mitglieder gehabt haben. Über diese Hürde muss man erst mal weg, bevor man sagt, das machen wir jetzt so.

Matthias Claussen, Vorsteher im Haus Seefahrt

Die Traditionen rund um das Schaffermahl seien in den Köpfen der kaufmännischen und seemännischen Mitglieder eben nur schwer aufzubrechen. Unter den kaufmännischen und seemännischen Mitgliedern gebe es beispielsweise die Sorge, dass mit den Frauen die streng geregelte Speisenfolge umgestellt werden könnte, aus gesundheitlichen Gründen. Traditionell gibt es Stockfisch über Kalbsbraten und Butt und dazu Seefahrtsbier.

Trotzige Kauf- und Seeleute?

Der öffentliche Druck durch die immer wieder gestellte Frauenfrage könne auch zu Trotzreaktionen unter den Mitgliedern führen. Man soll sich überlegen, was das für ein Mitgliedergremium sei, wirft Claussen in den Raum der Eingangshalle im Schütting, kurz vor der Generalversammlung. Damit spielt er wohl auf das hohe Alter vieler Mitglieder an. Viele von ihnen sehen nicht, dass es bei der Diskussion auch darum geht, eine wichtige gesellschaftspolitische Debatte zu führen, dass Frauen gleichberechtigt den Zugang zu solchen gesellschaftlichen Ereignissen haben sollten.

Schaffermahl als Netzwerk

Neudeutsch nennt man solche Zusammenkünfte auch "Netzwerken". Die Männer kommen selbst zur Generalversammlung, wenige Tage vor der Schaffermahlzeit, in ihren besten Anzügen in den Schütting, dem Sitz der Handelskammer Bremen. Schließlich kommt hier das "Who is Who" der Bremer Wirtschaft. Und natürlich geht es bei Bier, Wein und Zigarre auch darum, die eigenen Geschäfte voranzubringen. Zum Schaffer gewählt zu werden, ist wie einen Orden zu erhalten, den man sich an die Brust heften kann. Und wer einmal Schaffer war, gehört dazu und darf rein in den elitären Kreis aus Bremer Wirtschaftsleuten. Aber eben nur, wenn man ein Mann ist.

Die Schaffermahlzeit in Bremen wird seit fast 500 Jahren von Bremer Kaufleuten finanziert. Bei dem Festmahl sammeln sie auch Geld für notleidende Seeleute.

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Autorin

  • Heike Zeigler

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 6. Februar 2019, 11:00 Uhr