Interview

Schach statt Fußball: Marco Bodes zweite Leidenschaft

Marco Bode setzt sich dafür ein, dass Grundschüler in Bremerhaven und Bremen Schach lernen. Er selbst kam als Schüler durch einen Zufall zu dem Brettspiel.

Marco Bode spielt mit Kindern Schach
"Schach macht schlau" ist ein Schulprojekt, das Marco Bode mit ins Leben gerufen hat. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Dass sich heute rund 1.000 Schüler auf dem Marktplatz zum Schachspielen treffen, ist maßgeblich Werders Aufsichtsratsvorsitzendem Marco Bode zu verdanken. Er hat das Schulprojekt "Schach macht schlau" mit ins Leben gerufen. Das Prinzip: Ein Jahr lang spielen Grundschüler in Bremen und Bremerhaven mindestens eine Unterrichtsstunde pro Woche Schach. 1.500 Kinder haben im letzten Jahr so Schach gelernt.

Im Bremen-Eins-Gespräch beschreibt Marco Bode das Projekt, redet über seine Motivation und schwärmt vom Brettspielen.

In über 70 Grundschulen wurden über ein Jahr lang Schach-Unterrichtsstunden angeboten. Was ist bei der Abschlussveranstaltung heute auf dem Marktplatz geplant?
Es ist zwar die Abschlussveranstaltung für dieses Jahr, aber mit dem Projekt geht es weiter. Im Gegenteil: Wir wachsen im nächsten Schuljahr höchstwahrscheinlich noch weiter. Dann werden es hoffentlich über 100 Klassen sein, die sich daran beteiligen. Die Grundidee ist tatsächlich, Schach als Tool im Unterricht einzusetzen – eine Stunde pro Woche. So dass alle Kinder in diesen Genuss kommen und dadurch Spaß haben – aber andererseits vielleicht auch bessere Schülerinnen und Schüler werden. Schach scheint ein sehr gutes Tool dafür zu sein, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln.
Auf dem Marktplatz demonstrieren wir ein stückweit dieses Projekt. Tausend Kinder werden da sein und gleichzeitig Schach spielen. Ich denke, das gibt ein wunderbares Bild. Und meine Hoffnung ist, dass wir damit irgendwie vielleicht sogar in die Tagesschau kommen (lacht).
Wie fällt die Bilanz nach einem Jahr aus?
Wir haben eine Onlinebefragung mit allen beteiligten Lehrerinnen und Lehrern gemacht. Das Wichtigste ist zunächst mal, dass alle sehr zufrieden sind mit dem Projekt und weitermachen wollen. Dass sie auch gewisse Effekte schon jetzt feststellen und die Kinder auch sehr motiviert sind. Es scheint auch für viele ein gutes Tool zu sein in Sachen Integration oder sogar Inklusion. Weil Schach eigentlich wenige ausgrenzt. Man muss noch nicht mal perfekt Deutsch sprechen können, um dort Erfolgserlebnisse zu haben.
Sie haben mit zehn Jahren angefangen Schach zu spielen. Warum?
Um ehrlich zu sein, wollte ich in die Fußball-AG (lacht). Die war aber voll. Und dann gab es ein Losverfahren und dann bin ich in die Schach-AG gekommen. Ich habe mich später aber echt gefreut, denn Fußball habe ich sowieso jeden Tag auf der Straße und im Verein gespielt. Und so habe ich das Schachspielen noch kennengelernt. Im darauf folgenden Schuljahr habe ich es gleich nochmal gewählt, weil es mir echt Spaß gemacht hat.
Was fasziniert Sie an dem Spiel?
Ich liebe vom Prinzip jede Art von Spiel. Aber das Schachspiel ist insofern noch besonders, weil es eben keinen Zufall gibt. Es ist – wenn man so will – reines Denken. Es ist nur Strategie, nur "Wer hat den besseren Plan? Wer passt besser auf?", und das finde ich ganz spannend.
Gibt es eigentlich auch Fouls im Schach? Brauchen wir für die Schach-Bundesliga auch bald den Video-Assistenten (lacht)?
Fouls würde ich nicht sagen. Aber bei den Profis, in der Geschichte des Schachspiels, wenn es um die Weltmeisterschaft ging, dann gab es schon den einen oder anderen Psycho-Trick. Der eine hat behauptet, eine Fliege verfolge ihn quer durch Europa. Der nächste meinte, die Lampen würden Strahlung auf ihn absenden. Also da gab es viele spannende Geschichten!
Warum macht Schach eigentlich schlau?
Das Spiel ist motivierend für Kinder, die haben Spaß daran. Und an allen Dingen, an denen wir Spaß haben, lernen wir auch leichter und besser. Darüber hinaus kann man sicher einfach verstehen, dass Schach ein geometrisches Verständnis fördert, planerisch vorzugehen, vorausschauend und ein stückweit logisch zu denken. Das sind alles wichtige Fähigkeiten beim Schach. Auch aufmerksam zu sein, aufzupassen. Es ist jederzeit alles sichtbar auf dem Brett. Und all diese Fähigkeiten, sagen Studien, helfen uns auch dabei, Lesen zu lernen, Rechnen zu lernen und all die Dinge zu lernen, die in der Schule wichtig sind.

Für diese Bremer ist Schach ein Kinderspiel

Kinder spielen in Bremen Schach

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Nachmittag, 19. Juni 2019, 17:45 Uhr