Interview

"Ich habe richtig Angst": So erlebt eine Asiatin Rassismus in Bremen

Heute beginnt die Internationale Woche gegen Rassismus. Wie aktuell das Thema gerade in Zeiten von Corona ist, zeigen auch die Erfahrungen einer Chinesin in Bremen.

An der Hochschule für Künste Bremen (HfK) sind derzeit 97 Studierende aus China immatrikuliert. Eine davon ist Ruoxi Du. Sie stammt aus der Megametropole Chongqing und studierte in Peking, bevor sie nach Deutschland kam. Rassismus erlebt sie immer wieder – in unterschiedlicher Gestalt.

Eine junge asiatische Frau mit Katze auf dem Arm.
"Isst Du Katzen?" ist ein Satz, den Ruoxi Du immer wieder hört. Bild: Ruoxi Du
Wie erleben Sie Rassismus in Ihrem Alltag?
Ich und viele Chinesen werden zum Beispiel immer wieder gefragt: "Esst ihr Hund oder Katze?" oder "Kopiert ihr alles?". Auf solche Fragen antworte ich gar nicht mehr. Ich finde es sehr verletzend, wenn jemand zu mir etwas anderes sagt als zu anderen, nur weil ich Asiatin bin. Aber ich habe auch zwei Jahre in Weimar gewohnt. Und in Thüringen oder Sachsen war das noch schlimmer. Da wurde ich oft "Ching Chang Chong" genannt. Und als ich in Erfurt auf der Straße gelaufen bin, haben mich viele Leute angestarrt. In Bremen, in der Kunsthochschule, sind die Leute sehr nett und offener. Deswegen ist es hier besser. Auf der Straße höre ich hier "Ching Chang Chong" immer noch, aber weniger als in Thüringen. Meistens kommt das von jungen Leuten, Teenagern. Die stehen zusammen und machen einen Witz darüber.
Ist die Situation durch das Coronavirus noch schwieriger geworden?
Ja, es ist mehr geworden. Ich selber habe noch keine Erfahrungen speziell wegen des Virus gemacht. Aber eine Freundin hat mir erzählt: Als sie an der Uni auf den Bus gewartet hat, fuhr ein Mann in einem Auto vorbei und hat "Coronavirus" gerufen. Einige chinesische Studentinnen haben Angst davor, Mundschutz zu tragen. Wir möchten uns eigentlich selbst schützen, aber viele Leute denken, dass wir dann gefährlich aussehen und haben Panik. Deswegen tragen einige Studentinnen keinen Mundschutz mehr, um nicht rassistisch angegriffen zu werden. Und eine Freundin in Berlin war zum Beispiel in einem Supermarkt, und dann kam eine Verkäuferin zu ihr – nur zu ihr – und hat mit Desinfektionsmittel gesprüht.

In Berlin und New York wurden wegen dem Coronavirus zum Beispiel Chinesen geschlagen. Deswegen habe ich richtig Angst und habe immer Pfefferspray dabei. Ich will mich einfach selbst schützen können.

Ruoxi Du, chinesische Studentin in Bremen
Was macht das mit Ihnen, wie reagieren Sie dann?
Am Anfang dachte ich immer, dass die Leute das machen, weil ich nicht so gut Deutsch spreche. Aber dann ist mein Deutsch besser geworden und ich habe verstanden, dass sie das nur sagen, weil ich Asiatin bin. Und das macht mich traurig und sauer, und manchmal auch hilflos. Früher habe ich dann etwas schlimmes zurück gesagt oder den Mittelfinger gezeigt. Aber jetzt ignoriere ich fast alles.

Ich finde es auch ein bisschen unsicher, wenn man als Frau alleine auf der Straße läuft und jemand etwas sagt und ich ein etwas aggressives Symbol zurückzeige. Man könnte dann auch angegriffen werden. Deswegen starre ich jetzt nur noch zurück, wenn mich jemand anstarrt. Dann merken die meisten, dass das unhöflich ist, was sie machen.
Warum ist es Ihnen wichtig, darüber zu reden?
Ich habe immer wieder solche Erfahrungen gemacht, aber ich wusste nicht, wie man das erzählen kann. Aber dann hatte eine Freundin in Australien auch solche rassistischen Erfahrungen, und das hat mich sehr wütend gemacht. Und dann dachte ich, dass man etwas dagegen tun sollte. Asiaten sind meistens sehr ruhig und möchten keine Probleme. Aber ich möchte davon erzählen, weil es sehr wichtig ist zu sagen: Rassismus ist sehr schlimm. Und ich habe viele Erfahrungen damit in Deutschland gemacht.

Weitere Informationen:

Autorin

  • Rebecca Küsters

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 16. März 2020, 23:30 Uhr