Bauern-Demo gegen strengere Auflagen – Polizei riegelt Autobahn ab

  • Mehr als 1.000 Bauern demonstrierten in Oldenburg
  • Auf dem Weg dorthin wollten sie auf die A28 fahren
  • Landwirte fühlen sich zu Unrecht als Buhmann hingestellt
Mehrere Trecker auf einer Landstraße bei dem Bauernprotest in Oldenburg.

Mehr Landwirte als erwartet haben in Niedersachsen an den Protest-Aktionen gegen die Agrarpläne der Bundesregierung teilgenommen. In Oldenburg kamen laut Polizei mehr als 1.700 Traktoren zur Abschlusskundgebung, viele weitere hielten sich in der Nähe auf. In der Landeshauptstadt Hannover kamen demnach rund 2.000 Landwirte zusammen. Bei der zentralen Kundgebung in Bonn versammelten sich rund 6.000 Teilnehmer. Die Bauern wollen mit den Protesten gegen das derzeitige Bild der Landwirtschaft protestieren und auf ihre Probleme hinweisen.

Hier können Sie sich externe Inhalte (Text, Bild, Video…) von Twitter anzeigen lassen

Stimmen Sie zu, stellt Ihr Browser eine Verbindung mit dem Anbieter her.
Mehr Infos zum Thema Datenschutz.

Wie die Polizei mitteilte, versuchten mehrere Bauern ihren Protest auf die Autobahn zu tragen und über die A28 nach Oldenburg zu fahren. Die Polizei verhinderte das jedoch und sperrte die Auffahrt bei Leer in Ostfriesland kurzerhand. In Oldenburg selbst setzte die Polizei unter anderem einen Hubschrauber ein. Auf den Zufahrtstraßen, beispielsweise der B401 aus Richtung Friesoythe, kam es zu kilometerlangen Konvois, die den Verkehr beeinträchtigten.

Wir haben bis oben hin die Nase voll vom andauernden Bauernbashing.

Julius Ellmann, Mitveranstalter der Bauernproteste
Traktoren fahren in einer langen Reihe auf einer Landstrasse.
Viele Landwirte haben sich am frühen Dienstagmorgen auf den Weg gemacht. Bild: Telenews Network

"Wir haben bis oben hin die Nase voll vom andauernden Bauernbashing", sagte Julius Ellmann aus Bakum im Kreis Vechta, einer der Veranstalter: Ob Tierquälerei oder belastete Umwelt – viele der Bauern sehen sich zu Unrecht als Buhmann hingestellt.

Niedersächsische Bauern fahren auch nach Bonn

Ihr Bild in der Öffentlichkeit ist aber nicht das einzige Problem der Bauern. Sie ärgern sich auch über schärfere Düngeauflagen, das Verbot des Pflanzengifts Glyphosat oder das Handelsabkommen Mercosur mit Südamerika, das nach ihrer Ansicht eine ungerechte Konkurrenz mit sich bringt. Deshalb zogen verschiedene Korsos durch das Land.

Die heutige Demo müssen wir als Weckruf verstehen.

Barbara Otte-Kinast (CDU), niedersächsische Landwirtschaftsministerin

Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) äußerte im Gespräch mit Bremen Zwei Verständnis für die Bauern-Proteste. Die Aktion sei ein Hilferuf an die Politik und auch die Menschen im Land. Organisiert wird die Demonstration von der Bewegung "Land schafft Verbindung", die eine ähnliche Demonstration Anfang des Monats in den Niederlanden zum Vorbild nahm und über die sozialen Netzwerke binnen weniger Tage über 15.000 Mitglieder sammelte. Dabei betonen die Veranstalter, dass sie unabhängig seien – auch von den Bauernverbänden, die nach Ansicht zumindest einiger Protestierenden bislang zu wenig getan haben.

Landwirtschaft im Wandel

Ein Bauer an seiner Melkmaschine.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Morgen, 22. Oktober 2019, 8 Uhr