Umstrittene Flüchtlingsunterkunft soll geschlossen werden

Seit Monaten steht die Notunterkunft an der Gottlieb-Daimler-Straße in Oslebshausen in der Kritik. Jetzt hat die Behörde reagiert.

Ein großes Zelt für die Unterbringung von Flüchtlingen von innen.

Zu heiß im Sommer, zu kalt im Winter, dazu mangelnde Privatsphäre: Die Flüchtlingsunterkünfte neben den Stahlwerken in Oslebshausen an der Gottlieb-Daimler-Straße stehen bereits seit mehreren Monaten in der Kritik. Das Problem: Die Gebäude wurden als Notunterkünfte angelegt und sind in Leichtbauweise errichtet. So sind sie zwar winterfest und sturmsicher, aber schlecht isoliert und hellhörig.

Bernd Schneider, Sprecher der Sozialbehörde, sagt, der Standard vor Ort "sei niedrig, aber vertretbar." Das sieht ein Aktionsbündnis aus Flüchtlingsorganisationen, Schülervertretungen und den etwa 90 Bewohnern anders. "Die Unterbringung der Geflüchteten in Metallzelten ist in unseren Augen menschenunwürdig", so Simone Behrends von der Flüchtlingsinitiative Bremen. Zudem handele es sich bei den Bewohnern fast ausnahmslos um junge Menschen, die angeben, minderjährig zu sein, bei denen die Behörden diese Angaben aber nicht anerkennen. Diese seien dennoch besonders schutzwürdig.

Unterkunft soll im Herbst geschlossen werden

Das Aktionsbündnis hat deshalb für heute Nachmittag zu einer Demonstration aufgerufen. Sie fordern, die Unterkünfte zu schließen und den Bewohnern langfristige Perspektiven in Bremen zu geben.

Eines seiner Ziele hat das Bündnis wohl schon erreicht. Denn die sogenannte Landesaufnahmestelle in der Gottlieb-Daimler-Straße soll nun früher geschlossen werden als geplant. Dies bestätigte Schneider Radio Bremen auf Anfrage.

Wir wollen die Bewohner nicht noch einen Winter in den Leichtbauten unterbringen.

Bernd Schneider, Sprecher Sozialbehörde

Eigentlich könnte die Unterkunft bis zum Juni 2019 betrieben werden – bis dahin gilt die Baugenehmigung. Doch intern sei bereits beschlossen worden, die Bewohner im Herbst in einer anderen Örtlichkeit unterzubringen. Dies sei auch eine Reaktion auf die "gesellschaftliche Kritik", so Schneider. Konkrete Gespräche mit Ortsbeiräten oder Betreibern von Übergangswohnheimen seien aber noch nicht geführt worden.

Kritik an Flüchtlingsunterbringung

Von Schnee bedeckte Flüchtlingszelte.

Innere Mission begrüßt Entscheidung

Erst vor drei Wochen habe Sozialsenatorin Anja Stahmann zusammen mit dem Staatsrat das Wohnheim besichtigt und mit den Geflüchteten gesprochen, sagt Berthold Reetz von der Inneren Mission. Diese betreibt die Landesaufnahmestelle und betreut die Bewohner vor Ort.

"Wir freuen uns über diese Entscheidung", sagt Berthold Reetz. "Wir ziehen gern mit den jungen Bewohnern um und betreuen sie in einer anderen Einrichtung." Er vermutet allerdings, dass die Gespräche darüber, wo genau die jungen Geflüchteten untergebracht werden sollen, kompliziert werden könnten.

Oft gibt es bei solchen Entscheidungen im Vorhinein riesige Probleme, weil die Bevölkerung Vorbehalte hat. Dabei sind diese jungen Menschen sehr nett und völlig ungefährlich.

Berthold Reetz, Leiter Übergangswohnheime und Notunterkünfte, Innere Mission Bremen

Minderjährig oder nicht?

Ein zentrales Problem der jungen Geflüchteten wird aber auch die Verlegung der Unterkunft nicht beheben: ihre rechtliche Situation. Denn auch wenn die Behörden sie als volljährig eingestuft haben, halten die meisten von ihnen daran fest, dass sie minderjährig seien und klagen gegen diese Entscheidung. Bis die Gerichte ihre Fälle abschließen, dauert es. Manche der jungen Geflüchteten sind bis zu zwölf Monate in der Unterkunft, wo sie kaum Beschäftigung haben. Weil sie als Erwachsene gelten, dürfen sie nicht zur Schule – die Schulpflicht gilt nur für Minderjährige.

Die Innere Mission versucht zwar, den jungen Bewohnern Abwechslung zu bieten. So gibt es freiwillige Deutschkurse, eine Fahrradwerkstatt und gelegentliche Fußballspiele. Doch für die Geflüchteten, die oft traumatische Erlebnisse hinter sich haben, sei die Situation sehr belastend, so Simone Behrends von der Flüchtlingsinitiative Bremen. Ihnen würde es helfen, wenn sie zumindest zur Schule gehen dürften.

  • Tanja Krämer

Dieses Thema im Programm: butenunbinnen, 15. Mai 2018, 19:30 Uhr